Triberg - Hochzeit in Deutschlands kleinstem Trauzimmer

Hochzeit in Deutschlands kleinstem Trauzimmer

Von: Martin Himmelheber, ddp
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Hochzeit
Die Gastronomin und ihr Bräutigam Marcus Zacyk heiraten am Samstag im Schwarzwald als erstes Paar in „Deutschlands kleinstem Trauzimmer”.

Triberg. Die Braut kommt in einem riesigen Ami-Schlitten mit Getöse die Triberger Hauptstraße herauf. Ingeborg Hofmeyer steigt vor den Augen ihrer Hochzeitsgesellschaft ganz in Weiß aus dem Fond des Cadillac Fleetwood, Baujahr 1958. Sie hat sich für ihre Eheschließung nicht nur einen exklusiven Wagen ausgesucht, sondern auch einen besonderen Ort.

Die Gastronomin und ihr Bräutigam Marcus Zacyk heiraten am Samstag im Schwarzwald als erstes Paar in „Deutschlands kleinstem Trauzimmer”, einem ungenutzten Windfang eines Hotels in Triberg. Der Raum ist vier Quadratmeter groß.

Er liegt in dem in die Jahre gekommenen ersten Haus am Platz, im „Hotel Wehrle”. Günther Mökesch kaufte das Haus vor einigen Jahren und brachte es wieder auf Vordermann. Seine neue Hoteldirektorin Claudia Komeyer hatte gleich zu Beginn ihres neuen Jobs den Einfall, den Rekord mit dem Trauzimmer aufzustellen. „Am Tag meines Bewerbungsgespräches bin ich mit Günther Mökesch in eine Hochzeitsgesellschaft im Rathaus geraten - dabei kam mir die Idee”, erinnert sie sich.

Tribergs Bürgermeister Gallus Strobel fand den Gedanken witzig, wie er betont. Weil gerade eine Gesetzesänderung standesamtliche Trauungen auch außerhalb des Rathauses erlaubte, beantragte er die Genehmigung. Standesbeamtin Regina Klausmann verhandelte mit dem Landratsamt. Das Trauzimmerchen in Triberg erfüllt alle amtlichen Kriterien für Räume, in denen eine standesamtliche Trauung vollzogen werden soll: Es muss einer Eheschließung würdig sein, die Gemeinde muss den Raum besitzen oder gepachtet haben und es darf nicht unter freiem Himmel sein. „Die Raumgröße ist nicht vorgeschrieben”, sagt Klausmann und grinst.

Triberg kommt die neue, werbewirksame Attraktion gelegen: Der Ort im Schwarzwald ist ein Touristenstädtchen, das von Deutschlands höchsten Wasserfällen und der Welt größten Kuckucksuhr inzwischen nur noch mehr schlecht als recht lebt. So freut sich der Bürgermeister vor der ersten Eheschließung im „kleinsten Standesamt Deutschlands” über das „Großereignis für Triberg”.

Braut Hofmeyer war sofort Feuer und Flamme, als sie das erste Mal von dem kleinsten Trauzimmer erfahren hatte. „Ich finde, Heiraten ist etwas Außergewöhnliches und dazu braucht es ein besonderes Ambiente”, sagt die Tribergerin.

Ihren Bräutigam lernte sie vor sechs Monaten in ihrem Bistro in Triberg kennen. Er kam als Gast herein, sie sahen sich und „es war Liebe auf den ersten Blick”, erinnert sich die Braut. Der Bräutigam fügt hinzu: „Es war ein großer Zufall.” Dann schreiten die beiden in das kleine Zimmer. Der Bürgermeister stellt sich hinter ein putziges Rednerpult, die Trauzeugen zwängen sich neben zwei Stühle, auf denen Bräutigam und Braut Platz nehmen. Direkt am Türrahmen postiert sich die Standesbeamtin, damit sie ihrem Chef bei Bedarf soufflieren kann.

Nach der Zeremonie fühlt sich die Braut bestätigt: „Wer etwas Besonderes erleben will, soll hier heiraten”, sagt sie strahlend. Der Bräutigam räumt ein, sehr aufgeregt gewesen zu sein, und Bürgermeister Strobel bekennt: „Das war die anrührendste Hochzeit, die ich bislang vollzogen habe.” Am Donnerstag gibt es bereits die nächste Heirat in Deutschlands kleinstem Trauzimmer.
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