Hochbetrieb in der ISS: Umstellung auf Sechs-Mann-Betrieb

Von: Gerhard Kowalski, ddp
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ISS Raumstation
Menschentraum im Weltraum: Mit der ISS hat sich die Menschheit eine Weltraumstation im Orbit der Erde geschaffen. Problematisch: Zurzeit ist die ISS mit 13 Astronauten mehr als gut besetzt, aber eine der Toiletten ist kaputt. Foto: ddp

Berlin. Der Internationalen Raumstation ISS stehen stürmische Zeiten bevor. Mit dem Start der US-Raumfähre „Discovery” in der Nacht zum Montag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) beginnt die Umstellung der Station auf den Sechs-Mann-Betrieb.

Die Shuttle-Crew unter Kommandant Lee Archambault, die in zwei Tagen an die ISS ankoppeln soll, bringt das vierte und letzte Sonnensegel auf die Umlaufbahn. Zudem kommt mit dem japanischen Astronauten Koichi Wakata die Ablösung für seine US-Kollegin Sandra Magnus als zweiter Bordingenieur der derzeitigen Stammbesatzung auf die Umlaufbahn.

Mit dem neuen Sonnensegel ist das „Kraftwerk” der Station komplett. Seine maximal 120 Kilowatt Leistung reichen aus, um die Stammbesatzung von derzeit drei Astronauten auf die geplante Ist-Stärke zu verdoppeln. Auch die wissenschaftlichen Geräte an Bord, so das europäische Forschungsmodul „Columbus”, können somit wesentlich intensiver genutzt werden.

Nach der rund zweiwöchigen „Discovery”-Mission geht es Schlag auf Schlag weiter, schließlich soll die ISS bis zur Einmottung der Shuttles im Mai nächsten Jahres noch fertiggestellt werden. Bis Ende 2009transportieren die Raumfähren bei weiteren vier Starts die letzten großkalibrigen Bauteile zur Station.

Die Russen ihrerseits sichern mit vier „Sojus”-Raumschiffe den Personenverkehr zwischen Erde und Orbit. Hinzu kommen fünf russische Frachtraumschiffe mit Treibstoff und allem Notwendigen für die multinationalen Stammbesatzungen.

Bereits am 26. März macht sich die 19. Stamm-Crew mit dem Russen Gennadi Padalka und dem Amerikaner Michael Barratt mit „Sojus TMA-14” vom Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) auf den Weg zur ISS. Dritter Mann an Bord ist US-Multimillionär Charles Simonyi, der für zehn Tage in der Station bleibt.

Der gebürtige Ungar leistet sich damit als erster Weltraumtourist bereits den zweiten Ausflug ins All, der ihn um die 30 Millionen Dollar kosten soll. Das erste Mal war er 2007 in der ISS. Simonyi kehrt Anfang April mit Juri Lontschakow (Russland) und Michael Fincke (USA) zur Erde zurück, die seit Oktober 2008 in der Station sind.

Padalka, Barrett und Wakata bereiten die Station auf den Sechs-Mann-Betrieb vor. Dazu müssen sie vor allem das Lebenserhaltungs- und das Wasseraufbereitungssystem auf volle Leistung hochfahren. Am 29. Mai wird das Trio durch den Russen Roman Romanenko, den Kanadier Robert Thirsk und den belgischen ESA-Astronauten Frank de Winne auf ein Sextett erweitert. Mit der dann 20. Stammbesatzung befinden sich erstmals Vertreter aller fünf ISS-Partner an Bord. De Winne übernimmt bei der Halbjahresmission als erster ESA-Vertreter auch zeitweilig das Kommando in der Station.

Schon Mitte Mai bringt die US-Raumfähre „Endeavour” die letzten Teile für das japanische Forschungsmodul KIBO und mit dem amerikanischen Astronauten Tim Kopra die Ablösung für Wakata zur Station. Bereits im August wird erneut die „Discovery” die ISS mit mehreren Tonnen Nachschub für das Sextett ansteuern. Im September erlebt das japanische Frachtraumschiff HTV-1 seine Premiere. Im Vergleich zu den russischen „Progress”- und den europäischen ATV-Transportern kann es aber nicht selbst ankoppeln, sondern muss mit dem Roboterarm der Station „eingefangen” und ans US-Modul „Harmony” angedockt werden.

Ende September kommt mit dem Russen Maxim Surajew, dem Amerikaner Jeff Williams die Ablösung für Padalka und Barratt. Den dritten Platz in der „Sojus”-Kapsel nimmt ein Kasache ein - als Zugeständnis an den Vermieter des Kosmodroms Baikonur, das ja seit dem Zerfall der UdSSR zu Kasachstan gehört. Im November versorgt die „Atlantis” die Station mit zwei neuen Stellkreiseln für die Lageregelung sowie einem Ammoniak- und zwei Stickstofftanks.

Für Romanenko, de Winne und Thirsk schlägt Ende dieses Monats auch die Stunde der Heimkehr. Und im Dezember schließt die Raumfähre „Endeavour” das voll gepackte Jahresprogramm ab. Mit dem Verbindungsmodul „Node 3” und der Aussichtsplattform „Cupola” ist die ISS dann nach gut zehn Jahren Bauzeit weitgehend komplett.
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