Himalaya-Bergsteiger: „Es war wie im Hollywood-Film“

Von: Georg Müller-Sieczkarek
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Lawine
Die Lawine hat das Basislager völlig zerstört. Foto: dpa

Aachen. „The ground is shaking!“, ruft Jost Kobusch, „der Boden wackelt!“ Sekunden später geht alles ganz schnell. „Oh, oh!“ ruft jemand, als im Hintergrund die gewaltige Lawine herandonnert, ein weißes Monster aus Schnee und Eis, ausgelöst durch das verheerende Erdbeben in Nepal.

Schlagartig wird es dunkel. Die Bergsteiger suchen noch Schutz in ihren Zelten, dann bricht das Chaos los. Kobusch, ein 22 Jahre alter Deutscher, filmt weiter, keuchend sucht er Deckung. Die Kamera wackelt. Dann ist alles vorbei.

Kobusch und einige andere im Basislager des Mount Everest graben sich aus dem Schnee. Sie haben die verheerende Lawine überlebt, die am Samstag das Basislager am Fuß des Mount Everest traf. Andere hatte weniger Glück. Mindestens 18 Tote, mehr als 60 teils schwer verletzte Kletterer und Sherpas: das ist die vorläufige Bilanz.

Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich rund 1000 Menschen im Basislager, darunter etwa 490 Ausländer. Mehrere Bergsteiger schildern über die Sozialen Medien, wie die Situation im Basislager ist. „Zelte ausradiert. Ausrüstung verschollen. Hab und Gut begraben. Geräte Hunderte Meter weit geschleudert“, schrieb Alex Gavan bei Twitter.

Jost Kobusch war unterwegs zum Lhotse. Der junge Mann aus Borgholzhausen im Teutoburger Wald wollte den 8516 Meter hohen Nachbargipfel des Everest allein besteigen. Seit Anfang April war der 22-Jährige in Nepal unterwegs, am 12. April erreichte er das Basislager.

Seit seinem elften Lebensjahr ist der angehende Medizinstudent in den Bergen unterwegs, mit seinem Gipfelerfolg an der Ama Dablam in Nepal knackte er im Juni 2014 sogar einen Weltrekord: Er ist der jüngste Kletterer, der den 6812 Meter hohen Berg alleine bestieg. Kurz vor seiner Abreise nach Nepal machte Kobusch in Aachen Station und war bei der Buchvorstellung des Würselener Bergsteigers Paul Thelen zu Gast.

Auch der Kanadier Nick Cienski überlebte. „Wir sahen diese enorme Wolke aus Schnee, es war wie in einem Hollywood-Film, es war wirklich unglaublich“, erzählt er zwei Tage später. „Wir haben im Zelt gesessen, gehofft und gebetet.“

Zu Kobusch selbst gab es am Montag keinen direkten Kontakt. Er dokumentiert seine Expedition allerdings per GPS-Tracking im Internet. Demnach hat er inzwischen das Basislager verlassen und befindet sich im Abstieg. Derweil sitzen immer noch rund 100 Bergsteiger am Everest fest, weil eine zweite Lawine die Leitern und Sicherungen im gefährlichen Khumbu-Eisbruch zerstört hatte. Drei Hubschrauber versuchen, die Kletterer auszufliegen. Flüge in solcher Höhe sind wegen der dünnen Luft und der Höhenwinde enorm schwierig.

Jost Kobusch filmte den Moment, als die Lawine kam. Das Video wurde allein bei Youtube bislang mehr als 8,3 Millionen Mal geklickt.

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