High-Tech-Diät für das Regal: Die Zukunft der Möbel ist leicht

Von: Stephanie Hoenig, dpa
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High-Tech-Möbel
Ein Klassiker unter den Leichtbaumöbeln: Die Regal- und Tischserie „Lack” kommt dank eines Papierwabenkerns mit wenig Gewicht aus. Foto: dpa

Lemgo. Auch Möbel müssen abspecken. Denn in Zukunft sollen herkömmliche Materialien wie schwere Spanplatten durch Leichtbauplatten ersetzt werden. Diese auch „Sandwich-Platten” genannten Konstruktionen bestehen aus wenige Millimeter dünnen Decklagen aus Holzwerkstoffen und einer Einlage aus „Kraftwaben” aus Pappe im Inneren.

„Leichtbau ist derzeit der technologische Megatrend im Möbelbau, da schwere Plattenwerkstoffe bald nicht mehr in den benötigten Mengen lieferbar und bezahlbar sein werden”, sagt Martin Stosch, Professor am Labor für Möbelbau der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo.

Ursache für diese Entwicklung sei unter anderem der steigende Einsatz von Holz als alternativer Brennstoff. Dadurch seien die Preise von Vorprodukten für die Span- und Faserplattenproduktion an den Energiemarkt gekoppelt. Dies führe zu einem Kostenschub bei der Möbelherstellung.

„Für den Leichtbau spricht neben der Einsparung des Rohstoffs Holz auch, dass die Transportkosten reduziert werden können”, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. Zölle nach Gewicht, die an manchen Landesgrenzen außerhalb der Europäischen Union erhoben werden, spielten beim Trend zu leichteren Möbeln ebenfalls eine wichtige Rolle. Und bei Mitnahmemöbeln sei ein Problem, dass Pakete mit Spanmöbeln häufig zu schwer zum Tragen seien. Leichtbau schaffe hier Abhilfe.

Verbundwerkstoffe mit Papierwabenkern werden bereits seit Jahren zur Herstellung leichter Möbelbauteile verwendet. „Schon seit Ende der 70er Jahre vertreibt Ikea mit der Serie "Lack" erfolgreich entsprechende Möbel mit Wabenkern”, sagt Annette Wolfstein von Ikea Deutschland in Wallau (Hessen). Diese Produkte, die nach der im Werk als „Board-on-Frame” bezeichneten Methode hergestellt werden, seien sehr leicht und stabil. Dies erleichtere den Transport vom Möbelhaus und beim Umzug und beuge zudem Rückenschmerzen beim Möbeltragen vor.

Leichtbauplatten werden aber nicht nur bei preisgünstigen Mitnahmemöbeln verarbeitet. Gemeinsam mit Porsche Design hat zum Beispiel der Hersteller Poggenpohl die Luxusküche „P7340” - die den Kunden leicht 100.000 Euro kosten kann - mit einer innovativen Korpuskonstruktion auf Basis einer Wabenplatte entwickelt. „Diese reduziert den Materialeinsatz um 40 Prozent und vermindert gleichzeitig das Gewicht”, sagt Ulrich Hoppe von Poggenpohl in Herford. Leichtbauplatten seien ein solides, vielseitig einsetzbares High-Tech-Produkt. Wie es von den Verbrauchern angenommen wird, müsse die Zukunft zeigen.

„Die Gleichsetzung vieler älterer Verbraucher "schwere Ware gleich gute Ware" verliert bei der jüngeren Generation, die mit leichter Funktions-Sportkleidung, leichten High-Tech-Fahrradrahmen und leichten, schlanken Laptops lebt, an Bedeutung”, sagt Stosch. Möbelleichtbau eröffne langfristig betrachtet neue Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung etwa bei der Dimensionierung von Möbelbauteilen oder der Integration von Technik ins Möbel. Extrem dicke Arbeitsplatten für Küchen etwa, die zurzeit modern seien, könnten in Leichtbauweise vom Handwerker einfacher bearbeitet werden.
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