Heiße Geschäfte: Gegrillt wird bei jedem Wetter

Von: Tobias Goerke, dpa
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Grill
Das Geschäft mit dem Grill scheint krisensicher, denn an einem Gerät für die Fleischzubereitung unter freiem Himmel wird selten gespart. Nicht mal das schlechte Wetter zum Sommerbeginn konnte dem Boom auf dem Grillmarkt etwas anhaben. Foto: dpa

Koblenz. Es dampft und brutzelt in Deutschland. Das Geschäft mit dem Grill scheint krisensicher, denn an einem Gerät für die Fleischzubereitung unter freiem Himmel wird nach Angaben der Hersteller immer seltener gespart. Nicht mal das schlechte Wetter zum Sommerbeginn konnte dem Boom auf dem Grillgerätemarkt etwas anhaben.

„Das Geschäft läuft sehr gut, bis zum Juni haben wir schon 30 Prozent mehr Absatz verzeichnet”, sagt etwa Weber-Stephen-Geschäftsführer Hans-Jürgen Herr im rheinland-pfälzischen Ingelheim am Rhein. Diesen Eindruck beim deutschen Ableger des US-Branchenriesen bestätigen auch Zahlen vom Verband der Grillindustrie.

Der Barbecue Industry Association Grillverband (BIAG) mit Sitz im hessischen Hanau erwartet nach Branchen-Erlösen von rund 500 Millionen Euro im Vorjahr bei der „Hardware” erneut ein Umsatzplus zwischen 10 und 20 Prozent und rund 3,5 Millionen verkaufte Geräte.

Zubehör wie Anzündmittel und Kohle liefen hingegen wetterbedingt nicht ganz so gut, sagt Verbandschef Hans Jo Appold. „Unterm Strich sind aber alle zufrieden. Die Deutschen grillen offensichtlich mehr. Das ist in den letzten fünf Jahren wirklich ein Boom-Markt geworden.”

Insbesondere von der Fußball-WM verspricht sich die ganze Branche noch einmal einen Schub. Es sei unstrittig, dass der Handel von großen Sport-Ereignissen profitiere, sagt eine Sprecherin der REWE- Group (REWE, toom, Penny) mit Blick auf den Fleischabsatz.

Das bestätigt Weber-Stephen-Chef Herr für die Grillgeräte: „Wir haben gelernt, dass die Leute einen Grill zu bestimmten Anlässen wie Geburtstagen oder Partys kaufen.” Daher trage auch die WM zum diesjährigen Absatzplus bei. 2009 habe die Wirtschaftskrise sogar positive Effekte gehabt.

„Die Krise war nur von Vorteil”, sagt auch Peter Schneider, Geschäftsführer des Edelstahlgeräte-Herstellers Thüros aus dem thüringischen Georgenthal. Viele Menschen hätten auf einen Besuch im Restaurant verzichtet und stattdessen lieber zu Hause gegrillt. Zu dieser Entwicklung haben laut Schneider auch viele TV- Sendungen zum Thema Grillen beigetragen. „Wir erreichen 2010 locker eine zehnprozentige Absatzsteigerung”, sagt er.

Und noch etwas lässt Schneider optimistisch in die Zukunft blicken: der Trend zum „Zweitgrill”. Dabei gehe es meist um den Wunsch nach unterschiedlichen Größen oder Betriebsarten mit Holzkohle, Strom oder Gas. „In den USA besitzen viele sogar schon einen "Drittgrill"”, sagt Schneider.

Herr hat zudem Veränderungen bei den Grillgewohnheiten beobachtet: „Es hat sich in diesem Jahr extrem gezeigt, dass das vielfältigere und gesündere Grillen nun Standard ist.” So werde das Grillgut immer öfter nicht mehr direkt über der Flamme gegart. Zudem werde neben Steak und Würstchen auch mehr Gemüse oder Fisch gegrillt. Er ergänzt: „Die Leute wollen draußen kochen und richtige Menüs zubereiten.” Funktionen wie Temperaturanzeigen am Grill würden immer wichtiger.

„Der Trend zum Gourmet-Griller setzt sich fort”, heißt es auch beim BIAG. Daher seien hochwertige Geräte immer stärker gefragt. Der Kaufpreis liege im Schnitt zwischen 100 und 120 Euro. Mit den wachsenden Möglichkeiten steigen aber auch die Anforderungen an den Grillmeister. Seit fünf Jahren schult Weber-Stephen seine Händler in der fachgerechten Grillbedienung.
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