Grausames Familiendrama entsetzt Nantes

Von: Ralf E. Krüger, dpa
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Paris. Unter der Terrasse des unscheinbaren Reihenhauses in Nantes finden die französischen Ermittler mit Kalk gefüllte Jutesäcke. Darin: Die Leichen von fünf Mitgliedern einer Familie, die seit drei Wochen vermisst wird. Es sind die Mutter und ihre vier Kinder. Vermutlich wurden sie erschossen.

An gleicher Stelle verbuddelt sind die Kadaver der beiden Labrador-Hunde der Familie, Léon und Jules. Vom Vater fehlt dagegen zunächst jede Spur.

Myteriöser Satz, minuziös ausgeführter Plan

Er gilt mittlerweile als Hauptverdächtiger eines Dramas, das kurz vor Ostern Frankreich erschüttert. Am Karfreitag wurde das Auto des Familienvaters auf dem Parkplatz eines südfranzösischen Hotels entdeckt, in dem er am 14. April übernachtet hatte. Dort soll er auch Geld abgehoben haben - und dort verschwand zur gleichen Zeit eine Frau auf ungeklärte Weise. Sie lebte in dem Ort, in dem die Familie vor ihrem Umzug nach Nantes wohnte. Staatsanwalt Xavier Ronsin ließ offen, ob es einen Zusammenhang gibt.

Der Staatsanwalt war während einer Pressekonferenz zum mysteriösen Verschwinden der Familie von der Nachricht überrascht worden, dass Leichenteile unter der Gartenterrasse gefunden wurden. Die Konferenz nahm darauf eine dramatische Wende. Nachbarn hatten die Polizei darauf aufmerksam gemacht, dass die Familie seit Anfang April verschwunden war. Kein Familienmitglied reagierte mehr auf Handy-Anrufe. Die Kinder waren zwischen 13 und 20 Jahren alt.

Herzzerreißendes Jaulen

Polizisten stellten bei einer Hausdurchsuchung fest, dass die Schränke geräumt, Mülleimer geleert und Bettlaken abgezogen waren. Die Festplatten der Computer waren verschwunden, Spuren einer Auseinandersetzung gab es nicht. Auf der Terrasse waren Bretter und andere Dinge gestapelt. Am Briefkasten klebte ein Zettel mit der Aufschrift „Post an den Absender zurück. Danke”. Ein Nachbar erklärte, Anfang April hätten die beiden Hunde der Familie die Nacht über herzzerreißend gejault, bevor dann Ruhe eingekehrt sei.

Erste Hinweise deuten auf ein minuziös geplantes und ausgeführtes Verbrechen hin. Der 50-jährige Familienvater wurde gesehen, wie er Tage zuvor Säcke aus dem Auto ins Haus schleppte. An den Schuldirektor schrieb der Vater offenbar eine Brief, in dem er das Fehlen zweier Kinder damit begründete, dass er beruflich nach Australien versetzt wurde. Im Brief lag ein Scheck für die Schulgebühren. Das Fehlen seiner Frau, die in einem katholischen Gymnasium arbeitete, erklärte der kaufmännische Angestellte mit einem Krankenhausaufenthalt nach einer Magenverstimmung.

Komische Andeutungen

Vor Bekannten machte der Verdächtige zudem merkwürdige Andeutungen. Dazu gehörte die Behauptung, er sei US-Geheimagent und müsse im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms abtauchen. Unklar bleibt das mögliche Motiv. Spekulationen reichen von hoher Verschuldung bis zu Eheproblemen, ein Hauskredit soll vor dem Verschwinden der Familie gekündigt worden sein. Bekannte des Paares, das als sehr religiös galt, zeigten sich geschockt. Schulfreunde der getöteten Kinder legten Blumen vor einer Gedenkstätte nieder.

Die Familie stammte aus Versailles bei Paris und hatte sich nach einer Etappe in Südfrankreich vor sieben Jahren in Nantes niedergelassen. Dort galt sie als unauffällig. Auf einem Auto, das vermutlich der Mutter gehörte und in der Nähe des Hauses abgestellt war, fand die Polizei in Staub geschrieben den Satz: „Das hättest Du nicht tun dürfen - Du fehlst mir!” Ob dieser Satz mit dem Verschwinden der Familie zusammenhängt, blieb jedoch unklar.
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