Sofia - „Glück wirst du haben”: Hellseher-Boom in Bulgarien

„Glück wirst du haben”: Hellseher-Boom in Bulgarien

Von: Elena Lalowa, dpa
Letzte Aktualisierung:
Wahrsagerin Wanga
Menschen aus allen Teilen Bulgariens versammeln sich im Juli 1996 in der Kirche der Ortschaft Rupite, rund 200 Kilometer südlich von Sofia, um der berühmten bularischen „Wahrsagerin Wanga” den letzten Respekt zu erweisen. Viele Bulgaren glauben an Weissagerinnen und Zauberei, obwohl nicht in jeder Wahrsagerin die 1996 gestorbene „Prophetin Wanga” steckt. Diese auch im Ausland bekannte Bulgarin soll angeblich viele historische Ereignisse vorausgesagt haben. In der Regel sind die Wunderheiler allerdings einfach nur skrupellose Betrüger. Foto: dpa

Sofia. „Großes Glück wirst du haben!” oder „Etwas bedrückt dich!”: Das rufen Hellseherinnen immer wieder zu den Passanten auf dem Platz vor dem Sheraton Hotel in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Wahrsager und Astrologen in dem Balkanland wissen, dass gerade in Krisenzeiten frustrierte Menschen mehr über ihre Zukunft erfahren wollen. Die aufdringlichen Frauen vor dem Nobelhotel bieten - natürlich gegen Bargeld - Tipps, wie man „das Leben meistert” oder „ein Desaster abwendet”. Um von der Verzweiflung der Menschen zu profitieren, beziehen sie auch an Krankenhäusern Stellung.

Unzählige „Wahrsager”, „Sterndeuter”, „Wunderheiler” oder „Bioenergie-Therapeuten” offerieren ihre Künste auch in Zeitungen oder im Internet. Sie versprechen nahezu jedes Problem zu lösen. Egal, ob es um Liebe, Karriere, Finanznot, Stress oder Krankheit geht. Einen „Fluch aufheben” oder „Liebeszauber” sind die häufigsten Angebote. Doch diese Inserate gelten als harmlos im Gegensatz zu Versprechungen Krebskranke oder Depressive zu heilen. Die selbsternannten Heilkünstler möchten dafür mehrstellige Beträge kassieren.

Bulgariens Regierung will nun diese Scharlatanerie von der Psychotherapie deutlich abgrenzen. „Jetzt kann sich jeder als Psychotherapeut ausgeben, der Menschen auf irgendeine Weise behandelt”, erläutert die Parlamentarierin Irena Sokolowa den Sinn ihres Gesetzentwurfs. Psychotherapie solle nur derjenige praktizieren dürfen, der 3200 Stunden Fachausbildung hinter sich hat, sagt die diplomierte Psychologin und Seelenärztin.

Doch Experten befürchten, dass dieses Gesetz dem boomenden Geschäft von Hellsehern und Wunderheilern kaum ein Ende setzen wird. Denn zuviele Bulgaren glauben daran - obwohl nicht in jeder Wahrsagerin die 1996 gestorbene „Prophetin Wanga” steckt. Diese auch im Ausland bekannte Bulgarin soll den Prager Frühling, die Katastrophe von Tschernobyl, die Rückkehr von König Simeon III. aus dem langjährigen Exil sowie die Wahl eines farbigen Präsidenten in den USA 18 Jahre zuvor vorausgesagt haben.

Die Vorliebe der Bulgaren für Mystik und Aberglaube wird mit der Lage des Balkanlandes am Rande Europas zwischen dem Orient und dem Okzident erklärt. Die Denkweise der Bulgaren sei „in großem Maße von der Psychologie der Völker des Ostens beeinflusst”, die mehr als die Westeuropäer dazu neigten, an Wunder zu glauben.

Dies erläuterte der Experte Ljubomir Halatschew im Privatsender bTV. Der Professor sieht darin den Grund für das in Bulgarien weit verbreitete Vertrauen in „besondere Fähigkeiten”. Jeder zweite Bulgare soll nach einer Umfrage an übernatürliche Phänomene glauben und sich davor fürchten, verflucht zu werden.

Doch in der Regel sind die meisten Wunderheiler skrupellose Betrüger. Wie etwa Magda, die unfruchtbaren Frauen eine Heilung per Telefonat verspricht. Dabei handelt es sich um ein lukratives Geschäft mit telefonisch übermittelten „Impulsen”. Die „Therapie” gegen Unfruchtbarkeit soll nach Angaben der Zeitung „Monitor” aus drei Sitzungen am Telefon von jeweils 45 Minuten bestehen. Kosten: umgerechnet rund 280 Euro.
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