Gesundheitswesen rüstet sich für Ansturm der Alten

Von: Jan-Henrik Petermann, dpa
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Renten Rentner Senioren Symbolbild
„In sehr vielen Fällen müssen auf Veranlassung des Bundesversicherungsamtes hin Renten neu festgestellt werden”, zitiert die „Bild”-Zeitung aus einem Bericht des Bundesversicherungsamtes. Foto: dpa

Rostock. Deutschland im Jahr 2050: Während es in vielen Regionen kaum noch Nachwuchs gibt, schreitet die flächendeckende Alterung der Gesellschaft rapide voran.

Fast ein Drittel der Bevölkerung wird zur Mitte des Jahrhunderts im Rentenalter sein - so prognostizieren es jedenfalls die Demografen. Inwieweit dieser Trend neben aller Sorge um die Zukunft von Arbeitsmärkten und sozialen Sicherungssystemen auch Chancen für gesellschaftlichen Umbau birgt, wollen Experten aus Wissenschaft und Politik in dieser Woche auf der 5. „Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft” in Rostock ausloten.

„Erfolgreich altern” lautet - fast ein wenig beschwörend - das Motto der Tagung, zu der am Donnerstag und Freitag mehrere hundert Fachleute im Ostseebad Warnemünde erwartet werden. Die Marschroute der Debatte hat Chef-Organisator Horst Klinkmann vorgegeben: „Jeder will länger leben, aber niemand will alt werden. Ich möchte mit der Konferenz einen Wandel in der Betrachtung dieser Entwicklung einleiten”, sagt der ehemalige Medizin-Professor und Vorsitzende des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Das Altern sei im öffentlichen Bewusstsein immer noch zu negativ besetzt. Dabei stehe den zahlreichen medizinischen Herausforderungen ein gewaltiges ökonomisches Potenzial gegenüber, meint Klinkmann.

Nach Ansicht Klinkmanns werden in der Gesundheitsbranche künftig noch mehr qualifizierte Arbeitskräfte gebraucht. Dies bedeute nichts Geringeres als ein „generelles Umdenken in Politik und Wirtschaft”. Die Annahmen der Forscher sprechen schon jetzt eine deutliche Sprache: Bis 2050 wird die deutsche Bevölkerung von derzeit gut 82 Millionen auf etwa 75 Millionen schrumpfen. Die Oldies wollen freilich bestens versorgt werden - bei sinkender Geburtenrate und Ärztemangel ein immenses finanzielles und logistisches Problem.

Zu stemmen ist der Ansturm der Alten für die Gesundheitswirtschaft nach Ansicht der meisten Branchenvertreter jedoch allemal. Allerdings müsse man rechtzeitig Vorbereitungen treffen. „Von der Konferenz müssen Lösungen ausgehen, wie Menschen länger individuell leben können”, erklärt Klinkmann. „Keiner möchte in Heime gehen. Also brauchen wir für die Versorgung auf dem flachen Land neue Ansätze.” Laut Statistischem Bundesamt wird die Zahl der Hochbetagten über 80 Jahre in Deutschland in 40 Jahren die Schallmauer von 10 Millionen durchbrechen - mit einem parallelen Anstieg der Pflegebedürftigen.

Vor allem in dünn besiedelten Gebieten dürften daher Konzepte wie das in Greifswald und Neubrandenburg entwickelte Betreuungsnetz AGnES an Bedeutung gewinnen. Dabei versorgen speziell ausgebildete Krankenschwestern ältere Patienten in deren eigenen vier Wänden; die Untersuchungsdaten werden per Laptop an Praxis oder Klinik übertragen. Projektleiter Wolfgang Hoffmann wird das kürzlich auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnte Modell auf der Konferenz vorstellen. Die Telemedizin bildet neben Ideen für altersgerechtes Wohnen ohnehin einen Schwerpunkt des Treffens: Technische Hilfen für barrierefreie Wohnungen werden ebenso präsentiert wie elektronische Haushaltshilfen und Alarmsysteme.

Mecklenburg-Vorpommern ist nicht zufällig Gastgeber. Das nordöstlichste Bundesland, das sich in PR-Kampagnen gern als „Gesundheitsland Nummer eins” darstellt, wird als Alterssitz für Menschen mit Wohneigentum und für spezialisierte Dienstleister immer attraktiver. Derlei positive Seiten könnten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die unter Geburtenrückgang und Abwanderung stark leidende Region besonders intensiv auf das große Schrumpfen einstellen muss. „Die veränderte Altersstruktur wird für die Wirtschaft relevanter werden als der Klimawandel”, glaubt Klinkmann. „Und wir sind in dieser Hinsicht das Experimentallabor für die gesamte Bundesrepublik.
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