„Geschenkter Tag:“ Hilfe für Kinder in Kriegsgebieten

„Geschenkter Tag:“ Hilfe für Kinder in Kriegsgebieten

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Da freuen sie sich: Kinder in der syrischen Stadt Homs an ihrem ersten Schultag im September 2015. Foto: Unicef

Alle vier Jahre einen Tag geschenkt: Im Schaltjahr 2016 hat die Welt am 29. Februar 24 Stunden zusätzlich zur Verfügung. Für viele ist diese geschenkte Zeit kostbar. Für Kinder in Kriegsgebieten bedeutet dieser 29. Februar 24 Stunden mehr Angst, Gewalt und Chaos.

Vor diesem Hintergrund hat das Kinderhilfswerk Unicef daher im Jahr 1996 die Aktion „Der geschenkte Tag“ ins Leben gerufen.  Seitdem bittet Unicef alle vier Jahre darum, den Schalttag symbolisch zum Geschenk für Kinder zu machen.

Unter dem Motto „Heute spende ich!“ lädt das Hilfswerk dazu ein, sich über die Situation von Kindern im Krieg zu informieren und diesen Kindern mit einer Spende zu helfen. Unicef bittet Menschen in Deutschland, die geschenkte Zeit zu nutzen und dazu beizutragen, eine verlorene Generation von Kriegskindern zu verhindern.

Im 70. Jahr ihres Bestehens sieht sich die Organisation mit einem seit der Gründung nicht mehr dagewesenen Ausmaß humanitärer Krisen und Gewalt gegen Kinder konfrontiert. Weltweit wachsen laut Unicef-Angaben heute 250 Millionen Kinder in Ländern und Regionen auf, in denen Gewalt und bewaffnete Konflikte an der Tagesordnung sind.

Allein im Nahen Osten leiden demnach 14 Millionen Kinder unter den Folgen der Bürgerkriege in Syrien und im Irak. Mehr als 140.000 syrische Kinder wurden seit 2011 in den Nachbarländern als Flüchtling geboren. Weltweit sind fast 60 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg – und jeder zweite von ihnen ist ein Kind.

Was vielerorts fehlt, sind Schulen. In den von Flucht betroffenen Ländern versucht Unicef – nicht zuletzt am „geschenkten“ 29. Februar –, Strukturen für Bildung zu schaffen. Über 6000 Schulen sind nicht funktionsfähig – weil sie zerstört wurden, weil sie als Notunterkünfte dienen oder von Soldaten und Kämpfern genutzt werden. Mehr als 50.000 Lehrer sind geflohen.

Mindestens 60 Schulen wurden allein 2014 in Syrien bei Angriffen direkt getroffen – mit schlimmen Folgen. Im September 2015 starben in einem von Unicef unterstützten Kinderzentrum in Aleppo sechs Minderjährige. Die Notwendigkeit für den Aufbau von Schulen zeigt sich an unzähligen Schauplätzen, die direkt oder indirekt von Kriegswirren und Flucht betroffen sind. Hinter allem stehen selbstverständlich Einzelschicksale.

Allein in Syrien gehen rund zwei Millionen Kinder nicht zur Schule – weil die Schule zerstört wurde, weil Lehrer fehlen, der Schulweg zu gefährlich ist oder weil Mädchen und Jungen als Teenager verheiratet werden oder arbeiten müssen. Im September 2015 starben in einem von Unicef unterstützten Kinderzentrum in Aleppo sechs Minderjährige, 19 Kinder starben auf einem Spielplatz in Homs. Insgesamt sind seit Beginn des Konflikts in Syrien mindestens 11.000 Kinder und Jugendliche getötet worden.

Doch nicht nur Heckenschützen, Fassbomben und Granaten fordern fast täglich neue Opfer. Die Familien und insbesondere die Kinder leiden auch unter dem Wassernotstand in einigen Städten, unter Mangelernährung, unter Verletzungen und Krankheiten, die nicht oder nur unzureichend behandelt werden können. Nur eines von drei Krankenhäusern funktioniert noch.

Auch in den Nachbarländern ist rund die Hälfte der syrischen Flüchtlingskinder – über 700.000 Mädchen und Jungen – ohne Schulbildung. Zu den Hürden gehören hier zusätzlich die fremde Sprache, andere Lehrpläne und überlastete Bildungssysteme. Unter dem Dach der Initiative „No Lost Generation“ sollen in den nächsten Monaten die Bildungsmöglichkeiten von 4,5 Millionen Kindern verbessert werden, sowohl durch formale als auch non-formale Bildung einschließlich innovativer Ansätze wie digitale Selbst-Lernkurse.

Bildung hat einen hohen Stellenwert für Eltern und Kinder in Syrien – vor Beginn des Bürgerkriegs lag die Einschulungsrate bei fast 97 Prozent. Doch der Konflikt hat die Entwicklung des Landes um Jahrzehnte zurückgeworfen. Viele Eltern schicken ihre Kinder nicht mehr zur Schule, aus Angst, dass ihnen dort oder auf dem Weg dorthin etwas passiert. Andere Mädchen und Jungen gehen von der Schule ab, weil sie früh verheiratet werden oder arbeiten müssen, damit die Familien überleben können.

Heute gehen deshalb rund zwei Millionen Kinder in Syrien nicht zur Schule – das sind zwei Millionen Mädchen und Jungen, deren Zukunft geraubt wird. Zwei Millionen junge Leute, für die es sehr schwer wird, später einmal Ärztin, Lehrer oder Architektin zu werden und beim Aufbau ihres Landes zu helfen.

Ahmad ist 14 und kann gerade einmal seinen eigenen Namen schreiben. In Syrien ist er wegen der Kämpfe zwei Jahre nicht zur Schule gegangen. Jetzt, als Flüchtling im jordanischen Camp Za’atari, sitzt er täglich in der kleinen Bude seines Vaters und verkauft Zigaretten und Telefonkarten, damit die Familie überleben kann.

Damit Kinder wie Ahmad und Millionen andere nicht Teil einer „verlorenen Generation“ ohne Chancen werden, hat Unicef mit einer Reihe von Partnern vor zwei Jahren die Initiative „No Lost Generation“ gestartet. Jetzt beginnt die zweite Phase mit dem Ziel, mehr Kindern in Syrien, Irak, Jordanien, Libanon, Türkei und Ägypten Zugang zu Schule, psychosozialer Hilfe und Ausbildung zu ermöglichen und insgesamt die Qualität der Hilfen zu verbessern.

Gewalt, der Verlust von Angehörigen, Flucht und die neue Situation als Flüchtling in der Fremde: Kinder in Konflikten sind oft jahrelang großem psychischen Stress ausgesetzt. Unicef schätzt, dass 20 Prozent der vom Konflikt betroffenen Kinder im Nahen Osten gefährdet sind, leichte bis moderate psychische Probleme zu entwickeln. Drei bis vier Prozent der Kinder könnten schwere psychische Probleme bekommen, wenn sie keine angemessene Hilfe erhalten. In Kinder- und Jugendzentren in den Flüchtlingscamps und Gastgemeinden und mit mobilen Angeboten sorgen die internationalen Helfer der Initiative „No Lost Generation“ für psychosoziale Hilfen durch geschulte Betreuer.

Dazu gehören Spiel- und Lernangebote, Gruppentherapien und teilweise auch Einzeltherapien für traumatisierte Kinder. Diese Hilfen sollen in den nächsten Monaten weiter ausgebaut werden.

Besonders schwer haben es junge Frauen und Männer, die nicht mehr im Schulalter sind. Für sie gibt es wenige Möglichkeiten, eine höhere Bildung anzustreben oder eine Ausbildung zu machen. Wenn Frust und Langeweile sich mit fehlenden Perspektiven vermischen, sind Jugendliche und junge Erwachsene in besonderer Gefahr, radikalisiert zu werden. Andererseits steckt in ihnen riesiges Potenzial: Sie sind die Zukunft der Region.

Unicef und seine Partner wollen Programme für diese Zielgruppe weiter ausbauen, damit sie ihre Zukunft selbst gestalten können. Dazu gehören praktische Ausbildungen zum Beispiel zum Frisör, Kosmetikerin oder Schreiner ebenso wie Computer- oder Sprachkenntnisse, aber auch die Vermittlung von Grundsätzen des Zusammenlebens wie Gewaltfreiheit, Menschenrechte und Toleranz.

Für Spenden an Unicef bitte den folgenden Link nutzen:

https://www.unicef.de/spenden/jetzt-spenden?purpose=102916

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