Gedenken an Katharina: Gottesdienst auf Rügen

Von: Ralph Sommer, dapd
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Mit einem Gottesdienst haben am Samstag in der kleinen Dorfkapelle Vitt auf Rügen mehr als 200 Trauergäste der Familie der am Kap Arkona verunglückten Katharina ihre Anteilnahme bekundet. Foto: dpa

Rügen. Der Gang hinunter zum Unglücksstrand an Rügens Kap Arkona fällt dem Mann sichtlich schwer. Als wolle er seinem nicht wieder gefundenem Mädchen noch einmal so nah wie möglich sein, geht Bernd N. am Samstag die allerletzten Stufen der Kaisertreppe allein hinunter zum Strand.

Wind peitscht ihm ins Gesicht und drückt die von der Kreide weiß gefärbte See auf den schmalen, überschwemmten Strand unterhalb der Steilküste. Hinter ihm, ein paar Stufen höher, verharren 150 Menschen, ohnmächtig gegen die Urgewalten, im Gedenken an die zehnjährige Katharina, die hier vor 19 Tagen von herunterstürzenden Geröllmassen erfasst wurde.

Die Trauernden, unter ihnen viele Einsatzkräfte, halten mit einer Schweigeminute inne. Viele sprechen ein Gebet in den Sturm. Sie legen Blumen, Gebinde und Kränze auf die Treppenrampe, stellen Windlichter um eine blaue Sturmlaterne, die zuvor bei einem Gottesdienst in der Kapelle des kleinen Küstendorfes Vitt entzündet worden war. Landrat Ralf Drescher (CDU) spricht den Familienangehörigen sein Beileid aus, legt einen Kranz weißer Rosen ab und dankt den Einsatzteams.

Am Nachmittag waren mehr als 200 Menschen in die reetgedeckte Kapelle Vitt gekommen, vor der Musiker des Posaunenchors Altenkirchen-Bergen Kirchenchoräle spielten. Es falle den Menschen auf Rügen unendlich schwer, das Unfassbare zu begreifen, sagte Putgartens Pfarrer Christian Ohm. Für das sinnzerstörende Ereignis gebe es keine verständlichen Antworten. Katharina wäre am vergangenen Mittwoch erst elf Jahre alt geworden.

In bewegenden Worten erzählt der Vater vom Leben seiner Tochter. „Sie war ein lebensfrohes Mädchen mit einer Leidenschaft für Ballett und Pferde.” Es falle ihm unendlich schwer zu begreifen, dass er sie nie wieder in den Arm nehmen könne. Der Abschied wäre leichter gewesen, wenn man sie gefunden hätte, betont er. Aber er sei den Rettern dankbar, die mit Mut und Entschlossenheit zwei Wochen lang unter Einsatz ihres Lebens nach seiner Kleinen gesucht hätten. „Ich möchte Ihnen danken, auch im Namen der Angehörigen, die täglich in den Medien Ihren unermüdlichen Einsatz verfolgt haben.”

Am späten Nachmittag treffen sich die Einsatzkräfte bei Kaffee und Kuchen zu einem Gedankenaustausch im Rügenhof. Jetzt, nachdem der Einsatz beendet sei, würden einige Männer und Frauen von ihren Emotionen überwältigt, berichtet Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer, der ihnen bei der Stressbewältigung zur Seite steht. Einsatzleiter Daniel Hartlieb sagt, die Trauerfeier habe bei vielen seiner Leute den Kopf wieder freigemacht. „In Wirklichkeit ist für uns erst heute der Einsatz wirklich abgeschlossen.”
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