Geburtstag im Schaltjahr: Mit neun wird Jens 40 Jahre alt

Von: Johannes Schmitt-Tegge, dpa
Letzte Aktualisierung:
Schaltjahr / 29. Februar
Der 29. Februar steht nur in jedem vierten Jahr im Kalender - so auch 2012. Für werdende Mütter gehört der Schalttag deshalb nicht unbedingt zu den Wunschterminen für eine Entbindung. Foto: dpa

Düsseldorf. Jens Heubach ist neun. Er hat kurze Bartstoppeln und raucht. Wie ein kleiner Junge wirkt der Veranstaltungstechniker also nicht gerade. Doch weil er im Schaltjahr 1972 am 29. Februar zur Welt kam, feiert er in ein paar Tagen seinen zehnten „echten” Geburtstag.

Das außergewöhnliche Geburtsdatum nimmt der Düsseldorfer mit Humor: „Ich fühle mich auf jeden Fall nicht wie 40. Ich fühle mich tendenziell doch eher wie zehn. Man bewahrt sich irgendwie seine Jugend.”

Bis heute nehmen Heubachs Bekannte sein kalendarisches Kindheitsalter zum Anlass für witzige Anspielungen. So schenkten ihm Freunde das Comic-Magazin „Yps” zum 24. Geburtstag. Heubach erinnert sich: „Die sagten dann: Hier, du bist ja jetzt sechs. Hier hast du ein Yps-Heft mit dem neuen Gimmick.” Auch die Geburtstagstorten trugen oft nur ein Viertel der Kerzen, die Heubach seiner Lebenszeit nach zugestanden hätten.

Wie viele Menschen in Deutschland an einem 29. Februar geboren sind, lässt sich nicht genau ermitteln. Das Statistische Bundesamt erfasst nicht die Geburtenzahlen einzelner Tage, sondern nur die „Lebendgeborenen nach Monaten”. Trends lassen sich dennoch ablesen: Im jüngsten Schaltjahr 2004 gab es im Februar 55 000 Geburten. In den Jahren davor und danach ohne den 29. Februar waren es 2000 weniger.

Eine Sonderrolle will Heubach wegen seines besonderen Jahrestages nicht beanspruchen. Wenn er aber die Leute über Schaltjahr-Kinder reden hört, weiß er um die Seltenheit seiner Geburtsstunde. „Da fühlt man sich schon ein bisschen besonders.”

Ein riesiges Fest zum Vierzigsten hat der freiberufliche Musikproduzent und DJ trotzdem nicht geplant - seine Fortbildung zum Meister der Veranstaltungstechnik kostet ihn zu viel Zeit. „Je älter man wird, desto weniger Wert legt man auf Geschenke und Partys”, sagt Heubach fast gleichgültig, der im kleinen Kreis von Familie und Freunden bleiben möchte, statt groß zu feiern. „Irgendwie ist mir das zu stressig.” In Kalenderjahren ohne 29. Februar weicht er einfach auf den 1. März aus und begründet: „Am 28. war ich ja noch gar nicht auf der Welt.”

Seinen Bekannten dient das spezielle Geburtsdatum auch als Gedankenstütze. „Alle vier Jahre falle ich verschiedenen Leuten in den Kopf. Das sind dann diejenigen, die sich auch außerplanmäßig melden.” Noch mehr genießt Heubach allerdings die doppelten Glückwünsche in Jahren ohne 29. Februar: „Mir wird meistens an beiden Tagen gratuliert, weil die Leute immer verwirrt sind und nicht wissen, wann sie gratulieren sollen.”
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