Gebremste Metropole: Schnee legt New York lahm

Von: Chris Melzer, dpa
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Schneeberge auf dem Rollfeld: Mitarbeiter des Flughafens von Newa im US-Bundesstaat New Jersey schieben die Schneemassen mit Schaufelbaggern zu gewaltigen Haufen zusammen. Foto: dpa

New York. Die Stadt, die angeblich niemals schläft, schlummert unter einer weißen Decke. Ein schwerer Schneesturm hat New York und die US-Ostküste komplett ausgebremst. Dem Verkehrschaos am Montag folgte eine Ruhe, wie es das hektische New York kaum kennt. Nur ein schwacher Trost für die Tausenden, die auf den geschlossenen Flughäfen und Bahnhöfen warteten.

„Eigentlich wollte ich längst in Washington sein. Und jetzt hänge ich schon den zweiten Tag in New York fest”, sagt der Deutsche Mathias Voß. Der Major der Bundeswehr wollte den Weihnachtsurlaub in New York für Recherchen in Washington nutzen. „Aber es geht gar nichts mehr. Die Überlandbusse haben schon am Sonntag alle Fahrten abgesagt, die Bahn fuhr auch nicht und mir wurde dringend abgeraten, einen Mietwagen zu nehmen.”

Dieser Rat kam unter anderem von Bürgermeister Michael Bloomberg persönlich. „Bitte, bitte fahren Sie nicht, wenn es nicht unbedingt nötig ist”, hatte er die Menschen über das Fernsehen beschworen. Die Mitarbeiter der Stadt seien in 14-Stunden-Schichten unterwegs, um das Leben in der Metropole wieder zum Laufen zu bringen. „Morgen wird es schon ein ganzes Stück besser sein, aber heute ist ein guter Tag, um zu Hause zu bleiben und Zeit mit der Familie zu genießen.”

Die meisten hatten gar keine andere Wahl. Das Wochenende nach Weihnachten ist eines der verkehrsreichsten des Jahres, doch diesmal waren alle drei New Yorker Flughäfen geschlossen. Manche traf es ganz besonders hart: „Ich war zwei Tage in London eingeschneit. Dann bekomme ich den Flug nach New York und jetzt bin ich hier eingeschneit. Ich will endlich weiter zu meinen Kindern.”

„Was sollen wir machen? Es ist nun mal das Wetter”, sagte eine Reisende dem Sender NY1. Ein Tourist sah seinen Weihnachtsurlaub getrübt: „Wir hatten eine tolle Zeit in New York. Und jetzt das!”

Auch in der Stadt selbst bewegte sich wenig. Überall standen Busse quer, an einer Kreuzung in Brooklyn gleich vier. Selbst einige U- Bahnen fuhren nicht. Fußgänger standen ratlos vor der brusthohen Schneewehr, die die Räumfahrzeuge als unüberwindliche Barriere an den Straßenrand geschoben hatte. Und trotzdem spielten die Musicaltheater am Broadway normal ihre Vorstellungen, auch die Museen waren voll. „Eigentlich wollte ich die Zeit für das Museum of Modern Art nutzen”, sagt Tourist Voß. „Aber da hätte ich mindestens eine Stunde warten müssen. Es war Andrang wie immer.”

Stattdessen ging der Hamburger in den verschneiten Central Park, wo die Leute auf Langlaufskiern und Snowboards unterwegs waren. „Von der Großstadt war kaum etwas zu hören, stattdessen war da überall das Lachen der schlittenfahrenden Kinder und die Stimmung war einfach toll.” Auch dank der Stadt: „Gehen Sie in die Parks, es ist Zeit für einen Schneemann”, hatte Bloomberg gesagt. „Und wir sorgen für heiße Schokolade.” Kostenlos.

Auch wenn am Montagabend wieder die ersten Flugzeuge in New York landeten, mit normalen Verhältnissen rechnen Experten erst in Tagen. Auf den Straßen sind die Räumfahrzeuge pausenlos unterwegs und an jeder Ecke liegen Säcke mit Streusalz. Von der hektischen Betriebsamkeit ist New York aber noch weit entfernt.

Besucher Voß hofft doch noch auf seinen Bus nach Washington und ganz neu ist ihm die Situation nicht: „Das letzte Mal war ich im Februar in den USA. Damals war ich in Washington fast eine Woche eingeschneit und jetzt schon wieder in New York. Das nächste Mal fliege ich im August!”
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