Düsseldorf/Magdeburg - Frost-Bestattung: Umstrittener neuer Trend aus Schweden

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Frost-Bestattung: Umstrittener neuer Trend aus Schweden

Von: Christian Spöcker, epd
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Die schwedische Biologin Susanne Wiigh-Mäsak will Verstorbene schockfrosten, damit sie anschließend zu feinem Pulver zerfallen. Ob das von ihr entwickelte Verfahren namens „Promession” hierzulande zugelassen wird, ist jedoch fraglich. Schließlich erlauben es die Bestattungsgesetze in Deutschland nur, Verstorbene zu begraben oder sie einzuäschern. Foto: ddp

Düsseldorf/Magdeburg. Die schwedische Biologin Susanne Wiigh-Mäsak will Verstorbene schockfrosten, damit sie anschließend zu feinem Pulver zerfallen. Sie nennt das von ihr entwickelte Verfahren „Promession” und hält es für besonders ökologisch.

Das Patent dafür hat Wiigh-Mäsak vor ein paar Jahren auch in Deutschland angemeldet. Ob die Promession hierzulande zugelassen wird, ist jedoch fraglich. Schließlich erlauben es die Bestattungsgesetze in Deutschland nur, Verstorbene zu begraben oder sie einzuäschern.

Zu Beginn der Gefriertrocknung wird die Leiche auf minus 18 Grad abgekühlt und anschließend in ein Bad aus flüssigem Stickstoff getaucht. Bei einer Temperatur von minus 196 Grad wird der Körper steif und zerbrechlich. Jetzt reichen der Theorie zufolge bereits kleine Vibrationen, damit Sarg und Körper wie Glas zerbrechen und zu millimetergroßen Splittern zerfallen.

Ihnen werden anschließend noch das Wasser und metallische Reste entzogen. Der Rest von rund 30 Kilogramm Pulver soll in einem biologisch abbaubaren „Sarg” aus Mais oder Kartoffelstärke landen. Dieser Sarg verrottet nach Angaben der schwedischen Erfinderin Wiigh-Mäsak ungefähr innerhalb eines Jahres.

Dass die sogenannte Promession hierzulande zugelassen wird, bezweifelt Rolf Lichtner, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Bestatter in Düsseldorf. „Die Schockfrostung funktioniert zwar, aber der Zerfall in ganz feine Stücke ist nicht gewährleistet. Oft bleiben zu große Teile übrig”, sagt er. Und da, wo man noch mechanisch nachhelfen müsse, höre sein ethisches Verständnis einer menschenwürdigen Bestattung auf. Ökologische Gründe allein seien für ihn kein Anlass, die Gesetze in Deutschland zugunsten der Gefriertrocknung zu erweitern.

Ähnliche Bedenken äußert der Vorsitzende des Verbandes der Friedhofsverwalter Deutschlands in Magdeburg, Manfred Zagar: „Die Gefriertrocknung von Menschen ist aus unserer Sicht makaber. Leute zu Kaffeepulver oder einem Abfallprodukt zu verarbeiten, gehört nicht zu unserer Vorstellung von Bestattungskultur.” Auf den Einwand, bei der Einäscherung bleibe am Ende auch nur ein Abfallprodukt, sagte Zagar, auch mit dieser Form der Bestattung sei sein Verband trotz der gesellschaftlichen Etablierung „nicht sehr glücklich”.

Das liege auch an deren Begleiterscheinungen. So sei die Pressung von Totenasche zu Diamanten oder die Ausstreuung von Asche aus dem Heißluftballon „Unsinn”. Zagars Angaben zufolge ist jedoch die Promession in Deutschland derzeit überhaupt kein Thema. Er rechnet damit, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Stefan Hadraschek, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Berliner Bestattungsunternehmen Otto Berg, hält es dagegen für möglich, dass die Gefriertrocknung auch in Deutschland zur Anwendung kommen könnte - allerdings nur, falls sie zuvor in den europäischen Nachbarländern problemlos angewendet wird. Da es in Deutschland kein einheitliches Friedhofs- und Bestattungsrecht gebe, liege die Genehmigung in der Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer.

In Schweden sei das Verfahren von allen Beteiligten, auch den Kirchen, abgesegnet worden. Medienberichten zufolge ist sogar die schwedische lutherische Kirche selbst mit fünf Prozent an Wiigh-Mäsaks Unternehmen Promessa Organic AB beteiligt, das diese Art der Bestattung anbietet.

Die Gefriertrocknung hat nach Ansicht ihrer schwedischen Erfinderin Wiigh-Mäsak einen ökologischen Reiz: Der Leichnam könne als wertvoller Beitrag zu der lebenden Erde wieder zurück in den Kreislauf gelangen, schreibt sie auf der Homepage ihres Unternehmens. Wer wolle, könne auf dem Grab ein Bäumchen pflanzen. Es könne dann seine Nährstoffe aus den menschlichen Überresten ziehen, die sich in kurzer Zeit in Humus verwandeln.
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