Region - Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern haben ihren eigenen Reiz

Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern haben ihren eigenen Reiz

Von: kna
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Friedhöfe und ihre eigene Atmosphäre: Diese Orte erzählen in Großstädten nicht nur viel über die Toten, sondern auch über die dort Lebenden, wie auf dem Friedhof Père Lachaise, dem berühmteste Friedhof von Paris. Foto: dpa
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Der Grabengel wacht über den Friedhof Melaten in Köln. Foto: dpa
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Unten der Grabstein von Schauspieler Dirk Bach mit rosafarbenem Stern in Köln. Foto: dpa
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Lustige Sprüche wie diesen finden Besucher auf dem Friedhof im österreichischen Kramsach. Foto: dpa
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Ein Friedhof im Vatikan: Unter üppigen Palmen liegen hier Römer begraben, die aus deutsch- und flämischsprachigen Ländern stammen. Foto: dpa

Region. Manche weinen hier um ihre Lieben. Andere spazieren neugierig über Friedhöfe. Vor allem, wenn diese über spektakuläre Grabmäler und prominente Tote verfügen.

Für Touristen und auch Einheimische sind sie Orte des Augenschmauses, des Lustwandelns, der historischen Erkenntnis und manchmal auch des Humors. Wir stellen besondere Friedhöfe in Deutschland und anderen Ländern Europas vor.

Für Romantiker: Père Lachaise (Paris)

Blätter tanzen im Wind, die Wege sind sandig. Im Herbst ist Père Lachaise am schönsten, dieser wild-romantische Friedhof im Nordosten von Paris, wie ein verwunschener Märchenort. Ob es die hier begrabenen Künstler sind, die den Besucher so melancholisch machen? Oscar Wilde, Eugene Delacroix, Jim Morrison, Edith Piaf, Frederic Chopin - die Liste ist beinahe unendlich.

Benannt nach einem französischen Jesuitenpater, besuchen den ersten Parkfriedhof der Welt bis heute jährlich rund 3,5 Millionen Menschen. Wenn ein Friedhof ein Sehnsuchtsort sein kann, dann ist es der Père Lachaise mit seinen verwinkelten Gassen und prächtigen Alleen, mit seinen Gruften, Engelsstatuen und dem vielen Marmor.

Für Spaßvögel: Museumsfriedhof (Kramsach)

Dies ist ein Gottesacker ohne Leichen, auf dem man – wenn man möchte – viel Spaß haben kann. Wer in Tirol den Museumsfriedhof in Kramsach besucht, hat es vor allem auf die hintersinnigen Sprüche auf den Grabkreuzen abgesehen. Hier steht vermutlich eine der skurrilsten Sammlungen alter, metallener Grabkreuze in Europa. Kostprobe: „Hier fiel Jakob Hosenknopf vom Hausdach in die Ewigkeit“. Oder: „Hier schweigt Johanna Vogelsang, sie zwitscherte ihr Leben lang.“

Ausgestellt sind auf dem privat betriebenen Gelände seit 1965 Tiroler Friedhofskultur und Handwerkskunst. Es geht auch um einen humorvollen Umgang mit dem Tod, der heute selten geworden ist. Der Besucher soll „über das Versöhnliche von Werden und Vergehen nachdenken“, heißt es.

Für Anekdotenfans: Zentralfriedhof (Wien)

Sein Name ist eher schlicht, der Ort hat es aber in sich. Auf dem Wiener Zentralfriedhof sind die Großen Österreichs versammelt, zum Beispiel die Crème de la Crème der großen Musiker und Komponisten – bis auf Mozart. Hier liegen Beethoven, Strauss und Schubert, Arnold Schönberg bis hin zu Falco und Udo Jürgens.

Der 1874 eröffnete Zentralfriedhof beleuchtet mehr als hundert Jahre Wiener Stadtgeschichte und ist ein Umschlagplatz für Geschichten. Auf einem der größten Friedhöfe Europas mit rund 2,5 Quadratkilometer verkehren wegen der enormen Entfernungen Busse. Rund 100 Kilometer betonierte Straße und ein Wegenetz von insgesamt 450 Kilometern verbinden die 330.000 Grabstätten.

Für Biedermeierfreunde: Sankt Marxer (Wien)

Und noch ein Wiener. Nicht umsonst sang der österreichische Komponist Georg Kreisler: „Der Tod, das muss ein Wiener sein“. Hier also liegt Mozart, in einem Armengrab. Der „Marxer“ ist der einzig erhaltene von einst fünf Biedermeierfriedhöfen der K.u.K.-Hauptstadt – und hat zu allem Überfluss noch die größte Ansammlung von Fliederbüschen in Wien. Rund 5600 historische Grabmäler sind erhalten. Hier liegen zum Beispiel eine „Gastgebers-Gattin in der Leopoldstadt“ und ein „bürgerlicher Kanalräumer“. In 90 Jahren wurden hier ab 1784 rund 15.000 Menschen bestattet – bis der Zentralfriedhof 1874 die Abgelebten der werdenden Millionenstadt aufnahm.

Für Freunde der Stille: Protestantischer Friedhof (Rom)

Es ist ein exotischer Ort im chaotischen Rom: der protestantische Friedhof. In der katholischen Hauptstadt ist er mit seinen etwa 5000 Gräbern nach 300 Jahren zu einem Garten der Ruhe für Tote wie Lebende geworden. Der Friedhof entstand praktisch mit dem Segen des Papstes. Als 1688 die katholische Königsfamilie der Stuarts aus England ins Exil nach Rom ging, gewährte Clemens XI. (1700-1721) den anglikanischen Mitgliedern des Hofstaats, ihre Toten bei der Cestius-Pyramide zu bestatten. Heute sind es etwa 20 Begräbnisse pro Jahr, es gelten strenge Kriterien: Nur in Italien residierende Ausländer, die zudem Nichtkatholiken sind, können auf einen Platz hoffen.

Für Naturliebhaber: Campo Santo Teutonico (Vatikanstadt)

Der traditionsreiche Friedhof der deutsch- und flämischsprachigen Länder liegt wie eine grüne Oase mit Palmen, Kapern und Oleander neben dem Petersdom im Vatikan. Der Boden des Friedhofs ist geradezu mit Grabplatten gepflastert, die Wände ebenso. Darunter sind auch besonders gestaltete Grabstätten etwa mit Engelsskulpturen oder Kreuzwegszenen zu entdecken. Und: Es ist das Gebiet des Circus des Caligula und des Nero. In der hier um etwa 40 vor Christus erbauten Arena sollen der Heilige Petrus und die ersten Märtyrer der Stadt Rom ihren Tod gefunden haben. Heute erinnert daran eine Gedenkplatte auf dem Boden, nur wenige Meter neben dem Campo Santo Teutonico.

Für Leser: Historischer Friedhof (Weimar)

Der Historische Friedhof in Weimar ist ein Juwel der Klassik und eine Pilgerstätte für Dichterfreunde. Dort sind die Geistesgrößen von einst und ihre weniger berühmten Zeitgenossen im Tod vereint. Der 1818 eröffnete Friedhof verfügt über eine Fürstengruft: Es ist die Grablege der Herzöge, in der auch die Särge der Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller aufbewahrt sind – wobei in Schillers Sarg gar nicht seine Gebeine liegen.

Insgesamt gibt es einen bunten Querschnitt durch die Trauer- und Gedenkkultur der vergangenen zwei Jahrhunderte zu sehen. Auf dem Gelände steht auch eine russisch-orthodoxe Kapelle.

Nicht nur für Jecken: Melatenfriedhof (Köln)

Karnevalisten, Schauspieler, Parfümeure: Der Melatenfriedhof in einer der rheinischen Karnevalshochburgen beherbergt Tote verschiedener Provenienzen. Neben den schon erwähnten Karnevalsgrößen liegen hier auch zum Beispiel der Schauspieler Dirk Bach und die Familie Farina. Eröffnet wurde der Friedhof 1810. Bis 1829 durften nur Katholiken dort bestattet werden.

Das Gelände des Gutes Melaten war im Mittelalter die öffentliche Hinrichtungsstätte der Stadt. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden mehr als 30 Frauen und Mädchen als vermeintliche Hexen getötet. Der Name Melaten basiert auf dem französischen „malade“ (krank): Vom 12. Jahrhundert an befand sich auf dem Gelände vor den Stadttoren ein Heim für Leprakranke, zu dem auch der Hof Melaten gehörte.

Für Historiker: Jüdischer Friedhof (Hamburg)

Der Jüdische Friedhof in Hamburg-Altona könnte bald auf der Unesco-Welterbeliste stehen. Gerade hat ein Gutachter die 400 Jahre alte Begräbnisstätte unter die Lupe genommen, 2018 soll eine Entscheidung über die Aufnahme fallen. Der Friedhof gilt Forschern wegen der hohen Zahl gut erhaltener Grabsteine als einzigartig. Von fast 9000 Grabsteinen gibt es noch rund 6000. Auch ist der Friedhof der älteste Begräbnisort sephardischer und aschkenasischer Juden in Nordeuropa.

1611 erwarben drei portugiesische Juden ein Grundstück in Altona als Gemeindefriedhof. Außergewöhnlich ist, dass die deutsche Jüdische Gemeinde 1616 ein angrenzendes Areal als Friedhof kaufte. Das rund 1900 Hektar große Gelände wurde bis 1869 genutzt. 2014 war bei Forschungsarbeiten auf dem Friedhof der Grabstein von Samson Heine, Vater des Dichters Heinrich Heine (1797-1856), wiedergefunden worden.

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