Freiheitskämpferin mit Schattenseite - Winnie Mandela polarisiert

Von: Ann Kathrin Sost, epd
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Berlin. Gefeierte Freiheitskämpferin, notorische Betrügerin, für manche eine Mörderin - keine Politikerin ist in Südafrika so umstritten wie Winnie Madikizela-Mandela.

Manche nennen sie stolz „Mama Wethu”, die Mutter der Nation, andere „The Mugger of the Nation”: die größte Räuberin der Nation. Die ehemalige Ehefrau des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela scheint alle Skandale und Vorwürfe recht unbeschadet zu überstehen. Am 26. September wird die Politikerin der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) 75 Jahre alt.

Die Geschichte von Nomzamo Winnifred Madikizela, wie ihr vollständiger Geburtsname lautet, klingt zunächst wie eine wahre Heldinnen-Sage. Winnie Mandela, die auf dem Land aufwächst, legt 1956 in Johannesburg ihr Examen als erste schwarze Sozialarbeiterin ab. Die Arbeit im Baragwanath-Krankenhaus in Johannesburg politisiert sie, so dass sie 1958 zu einem aktiven Mitglied des ANC wird und gegen den Apartheidstaat rebelliert. Dabei trifft sie Nelson Mandela. Die beiden heiraten im selben Jahr. Doch lange hat das Paar nichts voneinander: Mandela wird 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt, aus der er erst 1990 freikommt.

Auch Winnie Mandela wird vom Regime verfolgt, sitzt eineinhalb Jahre in Einzelhaft und mehrere Jahre im Gefängnis. Nach dem weltweit bekannten Schüleraufstand in Soweto von 1976, bei dem sie die Elternvereinigung anführt, wird sie für acht Jahre aufs Land in die Verbannung geschickt. Beim ANC erwirbt sie sich den Ruf einer starken und furchtlosen Frau, die sich trotz aller Repressalien ihre Geduld und Würde bewahrt. Doch ohne Widerspruch bleibt dieses Bild nicht.

Nach ihrer Rückkehr aus der Verbannung tut sich Winnie Mandela mehrmals mit blutrünstigen Aussagen hervor. 1985 etwa heißt sie Lynchmorde an ANC-Spitzeln gut: Durch das „Necklacing”, bei dem die Verräter Autoreifen umgelegt bekommen und die dann angezündet werden, werde das Land „befreit”.

1989 scheint sie ihr Ansehen gänzlich verloren zu haben. Ihre Leibwächter stehen unter Verdacht, in ihrem Haus Kinder gefoltert und den 14-jährigen Stompie Seipei als vermeintlichen Spitzel ermordet zu haben. ANC und Bevölkerung entziehen ihr die Unterstützung, ihr Haus in der Schwarzensiedlung Soweto wird angezündet. Wegen der Misshandlung Jugendlicher in ihrem Haus wird sie in einem Prozess von 1991 zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt. Einer der Leibwächter beschuldigt sie später sogar in einem Buch des Mordes und der Anstiftung zum Mord.

Doch Winnie Mandelas politisches Ende wird durch den Lauf der Geschichte abgewendet: 1990 wird Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft freigelassen. Winnie zieht an seiner Seite wieder auf wichtige Posten des ANC und verfolgt erneut ihre politische Karriere.

Sie wird 1993 Präsidentin der nationalen ANC-Frauenliga, 1994 stellvertretende Kulturministerin im ersten demokratischen Kabinett des Landes. Dies dürfte Präsident Nelson Mandela bereut haben: Im In- und Ausland kritisiert Madikizela-Mandela die neue Regierung, zugleich verschwindet viel Geld in einer dubiosen Stiftung der stets extravagant auftretenden Frau. 1995 wird sie wegen Korruption und Amtsmissbrauchs aus der Regierung entlassen. Bereits 1992 haben sich die Mandelas getrennt, 1996 folgt die Scheidung.

Auch die nächsten Jahre gehen ähnlich wechselhaft weiter: 1999 erhält sie überraschend einen guten Listenplatz bei den Wahlen, zwei Jahre später folgt eine vorübergehende Festnahme wegen Betrugs und Diebstahls. 2003 wird sie zu fünf Jahren Haft verurteilt, die Strafe aber später erneut in Bewährung umgewandelt.

Zwar legt sie zunächst alle politischen Ämter nieder, doch 2007 wird sie rehabilitiert und erneut in ein ANC-Führungsgremium gewählt. Auch heute noch sitzt sie im Parlament dank eines günstigen Listenplatzes. Erklärung dafür ist wohl ihre Beliebtheit bei der armen Bevölkerung; die ist vom Rest des ANC zunehmend enttäuscht.
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