Flutwelle in Holland: Was steckt dahinter?

Von: Janis Peitsch
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Welle Zandvoort
Eine Flutwelle hat am Montagmorgen den Strand zwischen Katwijk und Zandvoort getroffen. Foto: Facebook/Wim Brugman

Zandvoort/Aachen. Am Montag hat eine Flutwelle den Strand zwischen Katwijk und Zandvoort in Holland getroffen. Könnte sich das Naturspektakel wiederholen? Frank Abel ist Meteorologe und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Herr Abel, wie genau ist die Welle entstanden? Was steckt dahinter?

Abel: Teilweise wurde in einigen Schlagzeilen das Wort „Mini-Tsunami“ benutzt. Das ist allerdings falsch, die richtige Bezeichnung ist „Meteotsunami“. Das bedeutet, dass nicht Erdbeben wie bei einem Tsunami, sondern Wettervorgänge diese Wellen entstehen lassen.

Dabei erzeugt ein Unwetter über dem Meer Druckwellen, welche wiederum Wellen auf der Wasseroberfläche auslösen. Küsten- oder Hafenform müssen genau so beschaffen sein, dass diese Wellen sich in diesem Küstenbereich noch weiter aufschaukeln können.

Wenn also alles ideal aufeinander abgestimmt ist -  und nur dann -  kann es zu solch einem Meteotsunami kommen. Und dieser kommt dann in seiner Erscheinungsform einem „richtigen Tsunami“, der von einem Erdbeben erzeugt wird, tatsächlich sehr nahe.

Welche Ausmaße kann solch ein Phänomen an den Küsten annehmen, also vor allem an der Nordsee in Holland, Deutschland und Belgien?

Abel: Dadurch, dass alles genau zusammenspielen muss, gibt es nur sehr wenige dieser Flutwellen. In der Adria treten größere Meteotsunamis über einen Meter alle ein bis zwei Jahre auf.  Und viel mehr als ein Meter Wellenhöhe sind an Nord- und Ostsee bisher noch nicht registriert worden.

Größere Ereignisse wie in Zandvoort kennen wir vor allem aus Sylt am 14. Juni 1964 und am 18. Juni 2002. Die höchsten Flutwellen dieser Art haben eine Höhe von rund vier Metern, sie wurden schon häufiger im Bereich der kroatischen Adria, besonders in der Bucht von Vela Luka auf der Insel Korcula, beobachtet.

 

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, als Kurzurlauber eine solche Welle zu erleben?

Abel: Sagen wir es so: Wenn ein Tsunami, der durch ein Erdbeben ausgelöst wird, einem Hurrikan entspricht, dann entspricht ein Meteotsunami einem Tornado. So ähnlich verhält es sich auch mit der Wahrscheinlichkeit, eine solche Welle zu sehen.

Ein Unwetter müsste genau die passenden Windstöße in der passenden Zeit am passenden Ort erzeugen. Damit gleicht die Wahrscheinlichkeit, so eine Welle zu erleben, in etwa der eines Lottogewinns, ist also verschwindend klein. So ein Phänomen ist allenfalls kurzfristig vorhersagbar: Erst, wenn unsere Messgeräte die Wellen registrieren, können wir auch eine Gefahr für Küstenabschnitte hieraus ableiten.

Wie wird denn das Wetter in NRW, Holland und Belgien über das lange Wochenende?

Abel: Das Wetter über Pfingsten steht wieder im Zeichen des Wetterwandels, und das bedeutet auch unbeständiges Wetter. Am Samstag überquert uns von der Nordsee kommend eine Kaltfront. Dabei sind am Freitag bei viel Sonne in Belgien und den Niederlanden bis nach NRW noch einmal Höchstwerte von 25 bis 30 Grad zu erwarten, an der See 20 bis 25 Grad.

Ab Samstagnacht ziehen dann Schauer und Gewitter herein. Der schönste Tag wird wohl der Pfingstsonntag werden, denn es gibt nur selten Schauer, und vor allem in den Niederlanden und in Belgien scheint häufig die Sonne. Richtung Bergisches Land, Sauerland und Warburger Börde könnte es etwas häufiger wolkig und etwas unbeständiger bleiben. So langsam geht dann die Temperatur zurück.

Der Pfingstmontag wird dann wieder unbeständiger, Schauer treten häufiger auf, die Sonne scheint aber auch immer wieder. Glück haben dann die, die ihren Kurzurlaub in Holland an der Nordsee verbringen. Die leichte Jacke muss nun wieder her, die Höchstwerte liegen bei uns in NRW, aber auch in Belgien und in den Niederlanden nur im Bereich von maximal 15 bis 20 Grad.

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