Flirten: In der Karnevalszeit besonders beliebt und leicht

Von: Jan Filipzik, ddp
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Tausende Fans des Karnevals fiebern seit Wochen dem närrischen Treiben entgegen. Mit der Weiberfastnacht am 19. Februar erreicht die Fastnachtszeit, die traditionell mit dem Dreikönigstag begonnen wird, ihren Hoehepunkt. Sechs Tage lang gilt dann fast überall in Nordrhein-Westfalen der Ausnahmezustand. Gefeiert und geflirtet jedenfalls wird ausgiebig. Foto: ddp

<b>Düsseldorf. </B>Tausende Karnevalfans fiebern seit Wochen dem närrischen Treiben entgegen. Offenbar mit gutem Grund: „Es ist eine verzauberte Welt, in die man dort eintaucht”

So erklärt es Wolfgang Oelsner, studierter Psychologe und „Karnevalsphilosoph”. Seit Jahren beschäftigt der Fachmann sich mit dem Thema Karneval. In einer Sache ist er sich sicher: „Das Ganze ist ein Spiel für Erwachsene.

Die Menschen verkleiden sich und schlüpfen in eine völlig andere Rolle.” Gerade die Maskerade mache es dann oft viel einfacher, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. „Beim Schunkeln zum Beispiel fasst man wildfremde Menschen an - das wäre im normalen Alltag völlig undenkbar”, erklärt Oelsner.

Wie genau man am besten mit fremden Menschen ins Gespräch kommt, weiß Rhetoriktrainerin Hilde Malcomess. „Ganz am Anfang steht der Augenkontakt. Er signalisiert dem Gegenüber: Hallo, ich habe Interesse!” Wer sich dann noch nicht sicher ist, ob der lange Blick des farbenfrohen Teufelchens vom Nachbartisch nicht doch nur pure Belustigung ist, der sollte auf die versteckten Zeichen des anderen achten.

„Frauen streichen sich gerne durch die Haare, wenn sie angesprochen werden möchten. Männer dagegen richten sich bewusst auf und machen sich dadurch größer und breiter”, erklärt Malcomess. Gerade zu Karneval seien die Leute aber so offen wie sonst fast nie. „Es ist fast schon schwieriger, nicht mit jemandem ins Gespräch zu kommen.”

„Beim Karneval werden die Schamgrenzen aufgehoben”, erklärt Oelsner die Kontaktfreudigkeit der Feiernden. Dabei spielten sowohl der Alkoholkonsum als auch die eigene Selbstinszenierung eine Rolle. Man mache die Erfahrung, dass man auch ein völlig anderer Mensch sein könne. „Dieses Spiel legt die Sehnsüchte und Triebe der Menschen frei”, sagt der Psychologe. Dies gelte aber nicht nur für die sexuelle Komponente. Auch andere Aspekte wie Kritik an der Obrigkeit, Ausgelassenheit und Heimatverbundenheit spielten beim Karneval eine wichtige Rolle.

Damit spricht Oelsner den Ursprung des heutigen Karnevals an, der eigentlich eine christianisierte Form der heidnischen Winteraustreibung ist. Einen wesentlichen Bezug hat er aber auch zur christlichen Fastenzeit (daher auch die Bezeichnungen Fastnacht und Fasching), die mit dem Aschermittwoch beginnt und bis Ostern dauert. Von diesen Ursprüngen jedoch ist auf den Straßen der Karnevalshochburgen in NRW kaum noch etwas zu sehen. Dort ziehen viele Jecken vor allem mit einem wesentlichen Ziel umher: Sie wollen Spaß haben und sich amüsieren.

Ein nettes Kompliment komme da gerade recht, sagt Malcomess. „Wenn es ehrlich gemeint ist, dann kann man seinem Gegenüber ruhig sagen, dass man ihn hübsch oder attraktiv findet.” Wichtig sei bei der Kontaktaufnahme vor allem, dass das Kostüm die Augen nicht verdecke und man nicht zu viel Schminke im Gesicht habe - so etwas schrecke eher ab.

Flirten kann jeder, davon ist Malcomess überzeugt. „Man braucht vor allem ein gutes Selbstwertgefühl und eine positive Lebenseinstellung. Wenn man sich selbst mag, dann strahlt man das auch aus.” Wie bei vielen anderen Dingen gilt aber auch beim Flirten: Übung macht den Meister. Am besten sei es, jetzt schon einmal damit anzufangen, damit man Karneval schließlich in Form ist. „In der Stadt, auf einer Party oder an der Supermarktkasse - Flirten kann man überall”, erklärt die Expertin.

Die Grenze zwischen einem angenehmen Flirt und einer stumpfen Anmache ist aber oft sehr schmal, warnt Oelsner. „Gerade beim Karneval kann das ganze Gefüge sehr schnell umkippen.” Daher sei es umso wichtiger, dass es einen fest definierten Schlusspunkt gebe, an dem das Spiel ein endgültiges Ende habe. Spätestens am Aschermittwoch ist der ganze Spuk dann auch wieder vorbei und Hexen, Mönche, Krankenschwestern und Clowns verschwinden wieder - bis zum nächsten Jahr.
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