Farbenfrohe Osterboten: Geschichten rund um die Narzisse

Von: Helga Panten, dpa
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Schon allein das sonnige Gelb ruft Frühlingsgefühle hervor - um Narzissen ranken sich zahlreiche Mythen und Geschichten. Foto: dpa

Bonn. Ostern ohne Narzissen - das ist für viele Pflanzenfreunde undenkbar. Die strahlend gelben oder weißen Blumen gehören einfach dazu. Sie verbreiten Frühlingsstimmung und machen gute Laune. Aber es steckt mehr hinter dem Frühlingsboten, als der erste Blick vermuten lässt.

Seit Jahrhunderten ranken sich Mythen um die Zwiebelblume, die an ihren Lebensrhythmus und Wuchs anknüpfen und die Gefühle ihrer Betrachter widerspiegeln.

Auferstehung feiert das Christentum mit den Osterglocken. Wenn ihre Knospen nach der Winterkälte aufbrechen, ist sie die Überwinderin der Dunkelheit und des Todes. In dieser Rolle reiht sie sich seit dem Mittelalter ein in die Schar der Marienblumen.

Nach wenigen Monaten zieht sie ein, schlummert in der Erde und wartet auf das nächste Frühjahr, um erneut den Kreislauf des Blühens, Fruchtens und Absterbens zu vollziehen. Die Osterglocke wurde so zum Symbol des ewigen Lebens.

Bei den Narzissen wusste man um ihre geheimen Kräfte. Als Brechmittel war sie in Gebrauch, denn sie enthält in all ihren Teilen Alkaloide, die Übelkeit hervorrufen. Für die Narzissen-Dermatitis, die vor allem Floristen plagt, sind Oxalatnadeln im Schleim verantwortlich. Keine medizinische Wirkung besitzt dagegen der Duft, auch wenn er bei der Dichternarzisse (Narcissus poeticus) und bei der Tazette (Narzissus tazetta) betäubend - auf griechisch „narke” - sein kann. Die Begriffe „Narkotisieren” und „Narkose” verbinden sich eng mit der Narzisse.

Den Griechen verdankt die Narzisse aber nicht nur ihren Namen. Sie erfanden auch die schönsten Mythen rund um ihr Wachsen und Vergehen. Sie glaubten, Hades, der Gott der Unterwelt, habe lange Zeit vergeblich versucht, eine der Göttinnen zu einem Leben zusammen mit ihm in der Unterwelt zu bewegen. Aber allen graute es vor dem düsteren Ort. Da griff er zur List.

Als Persephone, liebreizende Tochter von Demeter, auf einer Wiese Blumen pflückte, ließ er die schönste Narzisse vor ihrem Fuß aufbrechen. 100 Blütenköpfchen voll süßen Duftes trug sie auf ihrem Stängel. So etwas hatte die Götter-Tochter noch nie gesehen. Aber als sie danach greifen wollte, brach die Erde auf. Hades stürmte mit seinen schwarzen Pferden heran, zog sie in seine goldene Kutsche und verschwand.

Demeter trauerte. Die Pflanzen und Tiere, ihrer Herrschaft unterstellt, trauerten mit ihr, stellten das Wachstum ein und vermehrten sich nicht mehr. Bald hungerten die Menschen und die Erde wurde öde. Da griff Göttervater Zeus ein: Persephone solle die eine Hälfte des Jahres auf der Erde, die andere unter der Erde leben, entschied er. Seither hält sie alljährlich im Frühjahr mit den Narzissen Einzug in die oberirdische Welt, bringt Leben und Fruchtbarkeit zurück und bleibt, bis der Winter sie wieder hinunter schickt.

Die Phantasie der Griechen bewegte auch die Haltung der Narzissen: Straff aufrecht stehen sie da. Mit goldenem Trompetchen auf gelbem Grund oder mit rotem Auge vor weißer Blütenkrone blicken sie selbstbewusst umher. So als wollten sie sagen: Schaut her, wie schön ich bin. Genau das tat auch der Jüngling Narziss. Seine Mutter, die Nymphe Liriope, hatte ihr schönes Kind sorgsam behütet, denn ihr war geweissagt worden, ihr Sohn werde früh sterben. Götter und Menschen hielt sie auf Distanz.

Eines Tages entdeckte ihn die Nymphe Echo und verliebte sich über alle Maßen. Sie verfolgte ihn, rief ihn, weinte und klagte, als er sie nicht erhörte. Das Herz des jungen Mannes rührte das nicht. Schließlich verzehrte sie sich vor Sehnsucht und schwand dahin, bis nichts mehr von ihr übrig war, als ihre Stimme.

Nemesis, die Göttin der Vergeltung, sah die Gleichgültigkeit von Narziss voll Zorn. Sie wollte ihn die Schmerzen der Liebe lehren. Als der Jüngling sich durstig hinab zur Oberfläche eines Teiches neigte, um zu trinken, zeigte sie ihm sein Spiegelbild, und er verliebte sich in die eigene Schönheit. Voller Sehnsucht näherte er sich seinem Ebenbild und ertrank. Die Götter aber hatten Mitleid mit ihm, fingen ihn auf und verwandelten ihn in die Narzisse. Seither blickt sie stolz umher und hält Ausschau nach sich selbst.

Tipps zum Umgang mit Narzissen

- Narzissen möglichst knospig in die Vase stellen. Voll erblüht halten sie meist nicht lange.

- Frisch geschnittene Narzissen entweder solo verwenden oder 24 Stunden ausschleimen lassen. Sonst welken andere Blumen.

- Wer mit dem Schleim in Berührung gekommen ist, sollte gründlich die Hände waschen.

- Narzissentöpfe halten am besten draußen in Kasten oder Schale.
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