Fahrrinne im Eis vor Hiddensee: Hoffnung auf Normalität

Von: Birgit Sander, dpa
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Görmitz / Hiddensee
Die Bewohner der seit Tagen vom Eis eingeschlossenen Ostseeinsel Hiddensee schöpfen neue Hoffnung. Der Eis brechende Tonnenleger „Görmitz” - ein Spezialschiff zum Auslegen und Einholen von Seezeichen - hat am Samstag den Vitter Bodden erreicht, sagte Bürgermeister Manfred Gau. Foto: dpa

Vitte. Die Einwohner der vom Eis eingeschlossenen Ostseeinsel Hiddensee schöpfen neue Hoffnung: Am Samstag hat der Eis brechende Tonnenleger „Görmitz” - ein Spezialschiff zum Auslegen und Einholen von Seezeichen - eine Fahrrinne zum Hafen von Schaprode auf Rügen gebrochen.

Am Sonntag soll er Lebensmittel nach Hiddensee bringen, kündigte der Koordinator Thomas Bay von der Usedomer Fluggesellschaft an, die derzeit per Hubschrauber die einzige Verbindung nach Hiddensee aufrechterhält. Bay arbeitet nach eigenen Angaben eng mit der Reederei Hiddensee zusammen. Auf dem Luftweg kamen am Samstag erstmals seit langem wieder Zeitungen auf die Insel - und rund 30 Touristen.

Am Sonntag könnte dann nach zehn Tagen wieder das erste Schiff die Insel erreichen. Zuletzt war am 28. Januar ein Schiff nach Hiddensee durchgekommen. Seit Dienstag wird das Eiland per Hubschrauber mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt, festsitzende Urlauber wurden ausgeflogen. Neben der privaten Fluggesellschaft flogen Hubschrauber der Bundeswehr. Die Bundespolizei hatte für die kommende Woche Hilfe per Helikopter zugesagt.

„Heute gab es zum ersten Mal wieder Zeitungen zu kaufen”, sagte der Hotelier Michael Kiesow. Die Lebensmittelläden aber seien „total leer”. Es sei nicht gerade zu Hamsterkäufen gekommen, aber wer vorausschauend sei, habe schon mal eine Gurke oder ein Kilo Kartoffeln mehr mitgenommen, sagte er. Probleme bereite auch die Entsorgung. Die Müllabfuhr, die sonst drei bis vier Mal pro Woche per Schiff auf die Insel komme, sei ausgeblieben.

Der Usedomer Hubschrauber flog am Samstag, dem ersten Ferientag in Mecklenburg-Vorpommern, auch wieder Touristen auf die Insel. „Wir haben etwa 30 Urlauber nach Hiddensee geflogen”, sagte Bay. Sie zahlen für die Strecke von Schaprode nach Vitte 50 Euro pro Person.

Dennoch müssen sich die Vermieter wegen ausgebliebener Gäste auf Einbußen einstellen. Immerhin seien Hotels und Pensionen fast zur Hälfte ausgebucht gewesen, sagte der Leiter des Hafen- und Kurbetriebes Hiddensee, Alfred Langemeyer.

Mit der neuen Fahrrinne ist Langemeyer zufolge nun auch der Weg frei, um die defekte Fähre „Vitte”, die normalerweise zwischen Rügen und Hiddensee verkehrt, zur Reparatur nach Rostock zu schleppen. Sie lag bisher im Hafen Schaprode im Eis fest. Wie die Verbindung zur Insel Hiddensee weiter gestaltet werde, ist noch nicht geklärt.

Die „Görmitz” solle nur am Wochenende im Revier bleiben. Möglicherweise könne der Tonnenleger „Ranzow” die Versorgung übernehmen, wenn er repariert ist. Das Schiff war vor wenigen Tagen an einer Eisbarriere vor Hiddensee gescheitert und beschädigt worden.

Hotelier Kiesow ist auf die Reederei Hiddensee nicht gut zu sprechen. Sie habe schließlich einen Versorgungsauftrag übernommen und mache für sich Sonderrechte geltend, weil sie auch im wenig lukrativen Wintergeschäft die Fähre betreibe. So gebe es für sie keinen Mit-Wettbewerber auf der Strecke. Daher dürfe sie eigentlich nicht mit einem uralten, störanfälligen Schiff fahren, kritisierte Kiesow.
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