Eurovision-Fans gespalten: Lena oder Nostalgie?

Von: Florian Parusel, dpa
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"Wetten, dass..?" in Hannover
Lena Meyer-Landrut in der ZDF-Show Wetten, dass..?. Foto: dpa

Köln. In Sachen „Eurovision Song Contest (ESC)” muss sich Ralph Siegel (65) inzwischen fühlen wie Troubadix: Der blonde Barde aus den Asterix-Comics, der sich stets aufs Neue an seine Harfe wagt, um stets aufs Neue von den Dorfbewohnern unsanft vor die Tür gesetzt zu werden - Spielen unerwünscht! Dabei gehörte der Komponist und Musikproduzent jahrzehntelang zum Wettbewerb wie Cindy zu Bert.

Doch Schlager war gestern, heute ist Pop. Eine Entwicklung, die beim Jahrestreffen einer der größten deutschen Fanclubs, dem „Eurovision Club Germany (ECG)”, am Samstag in Köln die Lager spaltete.

An dieser Stelle aber erst einmal „Ein bisschen Frieden”. Der grassierenden Lena-Euphorie zum Trotz: „Nicole ist meine ewige Siegerin!”, stellt Ralph Ludmann klar. Er ist einer von 250 Clubmitgliedern, die sich im Gloria Theater zum Jahrestreffen versammelten. 1982 heimste die Künstlerin mit weißer Gitarre und blondem Engelshaar den ersten Sieg für Deutschland ein. Zugleich war es Siegels Sternstunde bei insgesamt 18 ESC-Teilnahmen. Lena samt schwarzer Strumpfhose fand Ludmann am Anfang gar nicht prickelnd. Der 44-Jährige ist dem deutschen Schlager der 80-er verfallen. Über 500 Platten hat er zu Hause in Ludwigsburg. Die meisten ­ na klar - von Ralph Siegel.

„Der ESC musste die Entwicklung weg vom Schlager gehen, sonst hätte der Wettbewerb nicht überlebt”, ist sich Michael Sonneck sicher, um gleich einzuschränken: „Es gibt Fans, die das bedauern”. Sonneck muss es wissen. Er ist der Präsident des ECG. Über 40 solcher Vereine gibt es europaweit. Beim inzwischen zehnten Jahrestreffen gibt man sich nostalgisch und zieht auf der Bühne zahlreiche Acts durch den Kakao.

Richtig ernst nimmt den Contest hier keiner, ergab sich der ganze Charme der Veranstaltung doch oft aus der Kombination schriller Outfits, haarsträubender Darbietungen und jeder Menge Kitsch. Doch ausgerechnet Klamauk-Experte Stefan Raab schwingt inzwischen mit ungewohnter Ernsthaftigkeit das deutsche Eurovisions-Zepter. Gleich im ersten Jahr seiner Allianz mit der ARD verwandelte er „Lovely Lena” zu Gold verwandelt. Jetzt soll sie den Titel verteidigen.

Bislang gelang in der 55-jährigen Eurovisions-Historie noch keinem Interpreten dieses Kunststück. „Eigentlich ist es unmöglich, aber die Lena hat so was!”, kommt selbst der bekennende Nicole-Anhänger Ralph Ludmann ins Grübeln. Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, gibt sich kämpferisch: „Lena tritt mit dem Ziel an, für Deutschland zu gewinnen”. Selbst Schlager-Freund Ludmann will sich das nicht entgehen lassen.
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