Engel und Esel: Krippenfiguren als Export-Schlager

Von: Stephanie Lettgen, dpa
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Krippenfiguren aus einer Holzschnitzwerkstatt
Hatice Güz malt am 01.12.2009 in der Spielzeug- und Holzschnitzerwerkstatt Sievers-Hahn im niedersächsischen Brockel (Kreis Rotenburg-Wümme) eine Mutter-Kind-Figur an. Im Hintergrund steht eine größere Ansammlung von geschnitzten Heiligen-Drei-Könige-Figuren zu weiteren Bemalung bereit. Die hölzernen Figuren sollen später einmal als Krippenfiguren dastehen. In der vor 80 Jahren gegründeten Werkstatt entstehen Krippenfiguren, die in die ganze Welt exportiert werden. Foto: Ingo Wagner dpa/lni (Zu dpa-KORR "Schnitzer fertigen Krippenfiguren" vom 20.12.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Brockel. Zielsicher setzt Heike Simritzky das Messer an und formt mit schnellen Schnitten die Beine des kleinen Holzschafes. Sie dreht das Tier in ihrer Hand und schnitzt innerhalb von Sekunden mit mehreren Kerbschnitten warme Wolle auf den Körper. Die 48-Jährige arbeitet seit 32 Jahren in der Holzschnitz- und Spielzeugwerkstatt Sievers-Hahn im niedersächsischen Brockel.

In der Werkstatt entstehen Krippenfiguren, die weltweit exportiert werden. Ob blond gelockte Engel, Könige oder die schwangere Maria auf dem Esel - an den bunt bemalten Figuren sparen die Kunden trotz Wirtschaftskrise nicht. „Sie vermitteln in einer schwierigen Zeit so etwas wie Heimat”, sagt Geschäftsführer Gerd Sievers.

Seine Mutter Lotte gründete die Werkstatt vor 80 Jahren. Zuvor hatte sie zwei Jahre lang in einer Schnitzschule im Erzgebirge ihr Handwerk gelernt. In ihrem Elternhaus begann sie 1929 zusammen mit einer Mitarbeiterin Entwürfe auf Lindenholz-Bretter zu zeichnen und aussägen zu lassen. Mit kargen, flächigen Schnitten gab sie den Figuren ihr unverwechselbares Profil. „Das Typische ist die Schlichtheit. Meine Mutter hat sich mit wenigen kantigen Schnitten auf das Wesentliche beschränkt”, erklärt Sievers.

Nach ihrer Heirat zog Lotte 1933 nach Brockel. Nach Angaben ihres Sohnes gibt es heute keine ähnliche Holzschnitz-Werkstatt in Norddeutschland. Für den 68-Jährigen ist es wichtig, den Stil seiner 1987 gestorbenen Mutter beizubehalten. Noch heute werden deshalb die in Handarbeit gefertigten Figuren so mit Künstler-Ölfarben gemalt, dass das Holz durchschimmern kann. In der Tradition liegt Sievers Ansicht nach das Erfolgsrezept: „Viele Leute sammeln Krippen, vererben sie.” Sollte nach Jahrzehnten mal eine Figur verloren oder kaputt gehen, wollen seine Kunden genauso eine wiederhaben. „Die alten Artikel bleiben, auch wenn wir zusätzlich neue entwickeln.”

Meist beginnt die Sammelleidenschaft mit der heiligen Familie - Könige, Hirten, Ochs und Esel folgen. Viele erweitern ihre Krippen- Welt auch mit Tieren, die nicht jeder sofort mit Jesu Geburt in einem Stall in Verbindung bringt: Affen, Elche oder Giraffen. Die Artikel werden nach Westeuropa, Australien, Südafrika, Japan oder in die USA geliefert. Die Figuren variieren zwischen 12 und 72 Zentimeter, für Kirchen werden auch größere Figuren geschaffen.

Nach Angaben von Sievers ist es für ihn in Deutschland schwierig, Mitarbeiter zu finden. „Schnitzer ist kein Lehrberuf”, erklärt er. In der Slowakei gebe es eine Schule für diese Ausbildung. Deshalb gründete er dort 2001 eine Tochterfirma mit etwa 50 Mitarbeitern. In Brockel gibt es noch 10 Beschäftigte. Der Lohn der Schnitzer richtet sich danach, wie viele Figuren der einzelne schafft.

„Ich bin Akkordarbeiterin”, sagt Heike Simritzky. Ihre Hände sind voller Hornhaut und Narben. So manches Mal ist die Schnitzerin mit dem Messer schon abgerutscht, hat sich Sehnen und Nerven verletzt. „Es sieht leicht aus, aber es ist Knochenarbeit”, sagt sie. Die 48- Jährige schnitzt nur Tiere, sie findet es schön, wenn sie kleine Wildschweine, Esel und Rehe entstehen lässt. „Auch wenn sie sich so ähnlich sehen, hat das Gesicht jedes Tieres seinen eigenen Ausdruck.”
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