Bremerhaven - Eisforscher: Temperatur und Feuchte formen die Flocken

Eisforscher: Temperatur und Feuchte formen die Flocken

Von: dpa
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Schneeflocke
Der sechszackige Stern gilt als die klassische Form der Schneeflocke. Foto: ddp

Bremerhaven. Der sechszackige Stern gilt als die klassische Form der Schneeflocke. Doch tatsächlich können die Kristalle vielfältig Gestalt annehmen. „Die Bandbreite reicht von gezackten Dendriten bis zu sechskantigen Säulen”, sagt der „Schneeexperte” des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung, Frank Wilhelms.

Der Neuschnee, der am Wochenende massenweise über Deutschland vom Himmel fallen soll, ist für den Glaziologen aus wissenschaftlicher Sicht eher uninteressant: „Die zu Gletschereis zusammengepressten Reste richtig alten Schnees insbesondere aus der Antarktis und Grönland geben dagegen Aufschluss über die Klimageschichte der Erde.”

Insgesamt kennt die Wissenschaft 13 kristalline Formen von Eis sowie zwei Arten, in denen das gefrorene Wasser unregelmäßige Strukturen annimmt. „Entscheidend sind Feuchtigkeitsgehalt und Temperatur der Luft”, erläutert Wilhelms.

Bei Temperaturen zwischen 0°C und -3°C entwickeln sich bei geringer Luftfeuchtigkeit beispielsweise sechseckige Schneeplättchen; steigt der Sättigungsgrad der Luft entstehen die ersten ausgeprägten Schneesternchen, die allerdings noch nass vom Himmel fallen.

Pulverschnee gibt es erst bei Temperaturen unter -3° C; die Kristalle sind alles andere als flockig: „Es entstehen dünne Nadeln oder etwas körnigere Prismen”, sagt Wilhelms.

In dem hierzulande eher seltenen Temperaturbereich zwischen -10°C und -20°C fallen große, leichte und flockige Dendriten zu Boden, wie die sternförmigen Schneeflocken im Fachjargon heißen. Voraussetzung ist ein ausreichender Wassergehalt in der Luft; je trockener es ist, desto klarer und einfacher werden die Kristallformen; bei -35°C sind es nur winzig kleine sechseckige Säulen.

Ob gezackt, platt oder säulenartig: „Zumeist haben Schneekristalle eine sechseckige Grundstruktur”, sagt Wilhelms. Erst unterhalb von - 85°C oder oberhalb eines Druckes von 1000 bar könnten die Kristalle andere Formen annehmen: „Es ist denkbar, dass es derartige andere Formen in der oberen Atmosphäre gibt.”

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