Ein Plädoyer für die Romantik: Andrea McEwan

Ein Plädoyer für die Romantik: Andrea McEwan

Von: Michael Loesl
Letzte Aktualisierung:
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Da fährt sie vor: Die australische Singer/Songwriterin Andrea McEwan will jetzt auch bei uns durchstarten. Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht, denn Mike Batt, der schon Katie Melua groß herausbrachte, hat sie unter seine Fittiche genommen. Foto: Dramatico

Es gab eine Zeit, in der Trauer einfach nur Trauer war und nicht sofort als Depression diagnostiziert wurde, die rasch zu behandeln war. Es gab auch eine Zeit, in der die tiefe Nähe eines Menschen zum anderen die Verbindung der beiden Personen zur Welt darstellte und nicht als uncool galt, weil individuelle Freiheit und Zweisamkeit keine Widersprüche waren.

Es muss ungefähr zu dieser Zeit gewesen sein, dass die australische Singer/Songwriterin Andrea McEwan ihre Selbstbestimmung im Aufschreiben und Aufnehmen von kleinen Songideen fand. Damals war sie drei, lebte in Melbourne und nährte ihren Wissensdurst in den folgenden Kinderjahren mit endlosem Literatur- und Musikfutter.

Persönliche Bekenntnisse

Kein Wunder, dass sie heute, mit 31 Jahren, vor allem ein Ziel verfolgt - die Farbtöne ihrer Emotionen so intensiv wie möglich zu erfahren. „Das dunkelste Schwarz mag furchterregend erscheinen, aber es hält in Bewegung, wenn man sich darauf einlässt. Ich möchte mein Leben nicht als Ansammlung von Pastellfarben erleben, denn nichts ist unlebendiger, als irgendwo in der Mitte schmerzfrei zwischen den Gefühlpolen leben zu müssen”, sagt McEwan.

Die elf Songs ihres Debütalbums „Rental Property” hat sie als Ausleuchtungen der Licht- und Schattenseiten ihrer Lebenserfahrung konzipiert. Sie empfindet es als Pflicht eines Songschreibers, ehrlich zu sein und die Panik vor dem Verlassenwerden im Titelsong zu thematisieren, weil sie aus allgemeingültigen Geschichten kleine, persönliche Bekenntnisse macht, „für die man vermutlich ein paar Tequila bräuchte, wenn einem nicht das Songvehikel zur Verfügung stände”. Man könnte Andrea McEwan der verklärten Nostalgie verdächtigen, wenn sie in „Candle In A Chatroom” das Fehlen der romantischen Seite menschlicher Leidenschaften auf virtuellen Marktplätzen der Eitelkeiten skizziert.

Ein zurück in die „vermeintlich gute, alte Zeit” kommt für die Wahlberlinerin nicht in Frage. Lediglich für die sublimen, leidenschaftlichen Formen des Kennenlernens plädiert sie, wenn sie die Austauschbarkeit schneller Chatbekanntschaften der markigen Realität allgemeiner Sehnsüchte gegenüberstellt. „Ich las einen Artikel über Cyber-Beziehungen und Internet-Dating, der für mich als Fan von Emily Bront’ und Shakespeare schockierend war, weil er in der Feststellung kulminierte, dass die Regentschaft der Romantik vermutlich vorbei ist.”

Nicht mahnend, didaktisch, eher poetisch geht das Multitalent vor, das mit seinen Songs Katie Meluas „Pictures” zum Multiplatinseller machte und in Australien als Schauspieltalent gilt. Gefeierte Auftritte in australischen TV- und Theaterproduktionen machten McEwan ihr Dasein als Darstellerin aber zunehmend schwer.

Als Freidenkerin jeden einzelnen Schritt, jede Geste analysiert zu wissen, das schlug die Lebenshungrige in die Flucht nach Europa, wo sie zunächst in London als Empfangsdame im Financial District arbeitete, „weil hier nie jemand von mir als Schauspielerin gehört hatte”. Abends schrieb sie Songs, die über Umwege auf den Schreibtisch des Katie-Melua-Managers Mike Batt gelangten, der McEwan einen Autorenvertrag und schließlich einen Plattenvertrag anbot.

„Die Musikwelt ist deutlich weniger von künstlichem Make-up geprägt als die Schauspielwelt, und ich bin dankbar für die Chance, die ich durch die Kooperation mit Katie Melua erhielt, denn in meinen Songs kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen”, erzählt McEwan.

Apropos Freiheit. Die virtuelle Realität von „Second Life” findet sie durchaus interessant zu beobachten. Wie Leute ihre Avatars, ihre künstlichen Personen, sogar verheiraten, fasziniert sie. „Spielen können, eigene Freiheitsgrenzen ausloten zu können, ohne die Grundbedürfnisse hintenanstellen zu müssen, ist mein Ziel als Mensch und Musikerin.” Und wie würde sie ihren eigenen Avatar aussehen lassen? „Romantisch und langbeinig”, lacht sie. „Ich habe nämlich viel zu kurze Beine.”
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