Ein letztes „Tröööt” vom Kap: WM-Sieger heißt Vuvuzela

Von: Ralf E. Krüger, dpa
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Von den einen geliebt, von den anderen gehasst: Die Vuvuzela hat Afrikas Fußball-WM den Stempel aufgedrückt. Foto: dpa

Johannesburg. Afrikas erste Fußball-Weltmeisterschaft ist noch nicht abgepfiffen, da steht ein Sieger bereits fest: die Vuvuzela! Ihr Getöse war der inoffizielle Soundtrack der WM am Kap - und der Aufreger der vergangenen Wochen.

Der bienenschwarmähnliche Klang des heimlichen WM-Stars Vuvuzela hatte auch hartgesottene Fußballfans rund um den Globus aufgeregt wie kaum ein anderes WM-Thema. Im Internet gehörte die Fan-Fanfare während der vergangenen 30 Tage zu den zehn weltweit am häufigsten diskutierten Begriffen.

„Die Vuvuzela ist sicherlich eines der heißesten Gesprächsthemen der WM gewesen und hat seitdem weit über unsere Grenzen auch andere Länder erreicht”, bestätigte am Freitag die Sprecherin von Google Südafrika, Judy Taylor. Passionierte Anti-Vuvuzela-Gruppen formierten sich, um die „Stimme der Fußball-WM 2010” zum Schweigen zu bringen.

Ausgerechnet die Briten waren im Internet diejenigen, die am verzweifelsten nach Kaufgelegenheiten für die lärmige WM-Tröte gesucht hätten, sagt Taylor. Dabei hatte die Dauerbeschallung gerade bei ihnen zunächst für so manchen Missklang gesorgt.

Die armlange Trompete trieb mit ihrer quälend lauten Beschallung viele Sportfans an den Rand des Wahnsinns - oder zum Ohrenarzt. Wissenschaftler fanden heraus, dass der Schallpegel mit 123,9 Dezibel der Lautstärke eines Düsenjets im Probelauf entsprach. Das monoton nervende Bienensummen in den südafrikanischen Stadien sorgte weltweit für kollektives Aufstöhnen - und die Erfindung des Vuvuzela-Filters. Die Krachmacher vom Kap waren nichts für europäische Ohren.

Doch alles Meckern und Jammern half letztlich nicht: die Organisatoren hielten unbeirrt an der Plastiktröte fest und verklärten sie als Bestandteil der afrikanischen Kultur. Irgendwann gewöhnten sich auch die Fans an den anhaltend hohen Schallpegel - und begannen kräftig mitzublasen. Die Vuvuzela wurde „kultig” und gilt mittlerweile als wichtigster Exportschlager des WM-Gastgeberlandes.

„Rund um den Globus wird alle zwei Minuten eine Vuvuzela verkauft - sie gehört in den USA bei Amazon.com zu den zehn am besten verkauften Spielzeugartikeln”, erklärte am Freitag der Sprecher des Organisationskomitees, Rich Mkhondo. Er ist sicher: „Die WM wird Afrika verlassen - aber überall, wo auf dieser Welt eine Vuvuzela ertönen wird, wird man sich an diese WM erinnern!”

Im holländischen Königshaus ertönt sie mittlerweile ebenso wie auf dem Berliner Kudamm. Fußballverrückte Eltern in Uruguay wollten sogar ihre Tochter nach dem Krachmacher benennen. Eine ganze Industrie entwickelte sich um die Tröte - vom Ohrenschützer in den jeweiligen Landesfarben über Vuvuzela-Schützer bis zur Edelstein-besetzten Schmucktröte. Und Beobachter sehen noch eine Menge Musik in der Vuvuzela.

OK-Sprecher Mkhondo forderte die Südafrikaner in einem Gastbeitrag für die Zeitung „The Star” dazu auf, das Potenzial dieses „Musikinstruments” zu entdecken und weiter zu entwickeln.

„Wer jemals ein Saxophon, eine Klarinette, eine Geige oder ein Cello zu spielen versucht hat weiß, wie das Instrument quietscht, sich beschwert, brüllt und fiept, wenn es nicht richtig gespielt wird.” Komponisten in aller Welt seien nach der WM nun gefordert, der Vuvuzela ihren Platz in der Musikgeschichte zu sichern.
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