Washington - Ein Katzensprung vom Weißen Haus: Familie Obama wohnt im Spukhotel

Ein Katzensprung vom Weißen Haus: Familie Obama wohnt im Spukhotel

Von: Antje Passenheim, dpa
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Washingtoner „Hay Adams” Hotel wird Übergangsquartier der Obamas
Washingtoner „Hay Adams” Hotel wird Übergangsquartier der Obamas. Foto: dpa

Washington. Jetzt ist er nur noch ein Katzensprung vom Weißen Haus entfernt. Von der Suite seiner Familie im obersten Stock des gediegenen Washingtoner „Hay Adams” Hotels könnte Barack Obama förmlich in seinen zukünftigen Garten spucken. Würden nicht turmhohe, verkleidete Tribünen für seine eigene Amtseinführungsfeier jeden Blick darauf versperren.

Eine Straße und ein kleiner Park liegen zwischen dem Präsidentensitz und dem traditionsreichen Hotel, das seit dem Wochenende das Übergangsheim der künftigen First Family ist. „Welcome home! Wie wunderbar, dass wir sie jetzt endlich in unserer Mitte haben!”, jubelt eine Passantin.

Sie hat mit Dutzenden anderer Obama-Fans Stunden vor dem dezent abgesperrten Säulenportal gewartet. Dass Obamas Frau Michelle mit ihren Töchtern Sasha (7) und Malia (10) am Samstagabend unbemerkt in den Eingang geschlupft sind, stößt bei den Frauen auf großes Verständnis. „Es ist unmöglich, dass sie mit den beiden Schulkindern erst noch ins Hotel ziehen müssen - die Kinder müssen sich sooft umstellen und Michelle braucht starke Nerven”, meinen sie.

Dass ihr Umzug derart über Bande verlaufen würde, hatten sich die Obamas auch nicht vorgestellt. Eigentlich wollte der 44. US-Präsident in spe schon mal ins Blair-House, dem Gästehaus des Weißen Hauses ziehen. Doch dessen Antwort hieß: Full House. Das Gästehaus sei durch die Abschiedsfeiern der scheidenden Regierung durchweg belegt. Erst fünf Tage vor seinem Amtsbeginn am 20. Januar steht es Obama und seiner Familie traditionsgemäß zu, dorthin zu wechseln.

Solange konnte die Familie aus Chicago mit ihrem Umzug nicht warten. Die Mädchen mussten pünktlich zum Schulbeginn in Washington sein. An der schicken Privatschule „Sidwell Friends” sind die Weihnachtsferien vorbei. Sasha und Malia werden dort die Schulbank drücken, wo schon Clinton-Tochter Chelsea gebüffelt hat und vor ihr fast alle Präsidentenkinder bis in die Zeit von Teddy Roosevelt.

Umgerechnet 20.000 Euro kostet die Schule der Religionsgemeinschaft der Quäker pro Kind und Jahr. Doch über den Preis erhoffen sich die Obamas mehr Sicherheit und Privatsphäre für ihre Töchter.

Die zu wahren ist auch oberstes Ziel des von einem Deutschen geführten „Hay Adams”-Hotels. Manager Hans Bruland, der aus dem westfälischen Ort Lippborg bei Soest stammt, sei bis nach Obamas Amtseinführung nicht für Interviews zu haben, teilen seine Mitarbeiter höflich mit.

„Diskretion und Sicherheit” seien oberstes Gebot. Daneben müsse der Hotel-Betrieb aber trotz seiner hohen Gäste für die restlichen Bewohner der 145 Zimmer und zahlreichen Suiten weiterlaufen. Die wiederum dürfen sich nicht dran stören, dass seit Sonntag alle Straßen ums Hotel für Autos gesperrt sind.

Die Ruhe der Obamas könnte wiederum von ganz anderer Seite gestört werden. Denn wie schon das US-Magazin „Forbes Traveller” warnt, soll es in dem altehrwürdigen Luxushotel gelegentlich spuken. An der Stelle des achtstöckigen hellen Kastens im italienischen Renaissance- Stil standen einmal die Häuser seiner Namensgeber: des Sekretärs von Abraham Lincoln und späteren Außenministers, John Hay, sowie des Autors und Präsidenten-Abkömmlings, Henry Adams.

Dessen Ehefrau Clover hatte sich 1885 das Leben genommen. Seitdem soll sie nächtens manchmal weinend über die schweren Teppiche der Hotelflure geistern. Das Personal berichtet von verschlossenen Türen die sich auf geheimnisvolle Weise öffnen und von Radioweckern, deren Weckruf wie von Geisterhand losschrillt.

Im Keller des Hotels geistern unterdessen munter Heerscharen von Journalisten herum. Auf den roten Lederhockern hoffen sie im schummrigen Licht der „Off the Record Bar”, den ein oder anderen Mitarbeiter des Obama-Teams zu fassen zu bekommen.
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