Dschungelcamp: Von verhinderten Bundespräsidenten und Kamelhoden

Von: Madeleine Gullert
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Auch am fünften Tag war einiges los im Dschungelcamp. Foto: RTL
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Auch am fünften Tag war einiges los im Dschungelcamp. Foto: RTL
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Auch am fünften Tag war einiges los im Dschungelcamp. Foto: RTL

Berlin. Eines vorweg: Die ekligste Folge des „Dschungelcamps“ ist überstanden. Mehr oder weniger bravourös haben Jörn „der Streber“ Schlönvoigt und der alte grumpige Mann, Walter Freiwald, Kotzfruchtcocktails, gebackene Tarantel und Kamelpenis gegessen. Fünf Sterne gab es dafür.

Was immer als Hauptargument gegen die Sendung benannt wird und was ihr den Stempel „Ekel-TV“ eingebracht hat, ist doch irgendwie jedes Jahr dasselbe.

Ein bisschen Würgen hier, Gesicht verziehen da – und sicher nicht der Grund, „Ich bin ein Star. Holt mich hier raus“ zu gucken. Das sind dann doch eher die menschlichen Abgründe, Sticheleien, Tratschereien, Heulerei, Streiterei. Doch davon gab es bislang leider zu wenig: Ekelhaft harmonisch ging es zu.

Niemand wollte sich in die ihm angedachte Rolle fügen. Zumindest sondert Aurelio endlich mal einen Machospruch ab: „Auf alten Pferden lernt man das Reiten“, erklärt er, und natürlich habe er als Italiener schon an einem Tag mit mehreren Frauen geschlafen. Alles andere käme einer Beleidigung gleich. Die größte Diskussionen der Folge ansonsten: Welcher Dialekt sexy ist? Bayrisch oder Sächsisch? Nun ja, es gibt ja für alles Liebhaber, aber sächsisch?

Um die Kandidaten richtig aufzuwiegeln, hat sich RTL aber ein gemeines Psychospiel ausgedacht: Bei der Schatzsuche müssen Sara und Rolfe alle Campbewohner in drei Kategorien einstufen: Wer ist am attraktivsten, am bekanntesten, am fleißigsten? Wie bei den fürchterlichen Hochzeitsspielen, bei denen die Antworten auf möglichst peinliche Fragen von Braut und Bräutigam verglichen werden, wird das Ranking von Sara und Rolfe mit dem der Kandidaten abgeglichen. „Ich finde das scheiße“, kommentiert Patricia Blanco, die auf dem vorletzten Rang bei Attraktivität landet und schmollt wie ein Schulkind, das beim Sport als letztes in die Mannschaft gewählt wurde.

Und das, obwohl sie doch vor dem Dschungel extra abgenommen hatte und, und, und. Auch Walter sieht sich nicht auf dem letzten Platz, der ihm von der Gruppe zugedacht wurde, sondern ganz klar im Mittelfeld. Mindestens. Belohnt werden die Kandidaten mit dem Schatz in Form von Tee und Kaffee. Seit dem Krieg hat sich wohl niemand mehr so sehr über ein bisschen Kaffee gefreut, wie die Campbewohner.

Nur Sara hätte lieber etwas Süßes gehabt und hat die Einsicht des Tages: „Hätten wir was studiert, säßen wir jetzt hinter der Kamera und hätten Süßes und Cola.“ Bei einer Gage von angeblich 135.000 Euro für die Dschungelteilnahme kann sich Kulka nach dem Camp in Gummibärchen baden. Die Summe hätte ihr kein Studium der Welt für zwei Wochen Rumlungern eingebracht.

Es sei denn natürlich man strebt nach ganz oben, wie Walter, der im Camp die Rolle des verrückten Onkels, für den man sich immer fremdschämt, den man aber trotzdem zu Familienfesten einladen muss, übernimmt. Nicht weniger als Bundespräsident wollte der Gute werden. Beworben hatte er sich bei der SPD. „Das ist für mich genau der richtige Job, weil ich die Aura habe, die Ausstrahlung, ich habe die Rhetorik drauf, die ich auch fürs Ausland brauche, um mich im Ausland mit anderen Regierungsonkels zu treffen“, haut der größenwahnsinnige – oder vielleicht doch völlig unterzuckerte Freiwald noch einmal eine Bewerbung für das politische Amt raus.

„Da kannste nix mit falsch machen“, erklärt er Sara. Hätte sie studiert, hätte sie jetzt nicht nur Süßes, sondern wüsste vielleicht auch, dass die Bundespräsidenten-Karriere von einem gewissen Christian Wulff nicht ganz optimal verlief. Aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein. Und so richtig ernst nimmt den guten Walter inzwischen ja ach keiner mehr so recht. Nicht zum Bundespräsidenten, aber immerhin in die nächste Dschungelprüfung wurde Walter auch für Mittwochabend gewählt. Seine temporäre First Lady ist dann Tanja.

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