Kleve - Drogenschnüffler in Gefängnissen

Drogenschnüffler in Gefängnissen

Von: Christina Horsten, dpa
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Drogenhunde
Die belgische Schäferhündin Maja und ihr Herrchen, der Justizbeamte Hugo Hinkelmanns, untersuchen eine Gefangenenzelle in der Justizvollzugsanstalt in Kleve nach DrogenDie dreijährige Hündin wird im Gefängnis zum Auffinden von Drogen gebraucht. Sie erschnüffelt auch in den kleinsten Winkeln der Zellen bis zu acht verschiedene mikroskopisch kleine Drogen. Foto: dpa

Kleve. Das große Gefängnistor geht langsam auf und heraus kommt ein Hund: Maja - belgische Schäferhündin mit ganz besonderen Fähigkeiten. Acht verschiedene Drogenarten kann Maja erschnüffeln, auch in mikroskopisch kleinen Mengen.

Mehrmals täglich läuft sie gemeinsam mit Hundeführer Hugo Hinkelmanns das Gelände der Justizvollzugsanstalt in Kleve ab. „Auf 15 Minuten Einsatz muss immer eine dreiviertelstündige Pause folgen”, sagt Hinkelmanns. „Wenn Maja arbeitet, atmet sie bis zu 300 Mal pro Minute - das ist Hochleistungssport.”

Gemeinsam mit ihren vierbeinigen Kolleginnen Anni, Gina und Irma ist Maja Teil eines Projekts des nordrhein-westfälischen Justizministeriums. Die vier Rauschgiftspürhunde sollen versteckte Drogen in den Gefängnissen Nordrhein-Westfalens erschnüffeln.

In anderen Bundesländern wie Bayern und Niedersachsen seien bereits gute Erfahrungen mit Rauschgiftspürhunden gemacht worden, sagt ein Sprecher des Justizministeriums. Anfang des kommenden Jahres soll entschieden werden, ob Maja, Anni, Gina und Irma bleiben dürfen und vielleicht sogar noch ein paar tierische Kollegen bekommen. „Die bisherigen Erfahrungen sind positiv.„

Schnüffelbedarf gibt es genug: Mehr als jeder dritte Insasse in den 36 Gefängnissen Nordrhein-Westfalens ist nach Angaben des Ministeriums drogenabhängig - überwiegend von illegalen Drogen. Trotz harter Strafen und zahlreicher Kontrollen schmuggelten die Gefangenen immer wieder Drogen in ihre Zellen und versteckten sie äußerst raffiniert, sagt Evelyn Freitag, die bei der JVA in Kleve für den Bereich „Sicherheit und Ordnung” zuständig ist.

Menschen können diese Verstecke nur selten entdecken - für Maja ist das kein Problem. Sekundenschnell findet die braune, drahtige Schäferhündin kleinste Mengen Haschisch, Marihuana, Opium, Heroin, Kokain, synthetische Amphetamine, Ecstasy und spezielle Schmerzmittel. Sogar vorübergehend leere Verstecke spürt Maja auf.

Alles eine Frage des Trainings, sagt Hundeführer Hinkelmanns. Fast vier Monate lang hat er mit Maja eine spezielle Ausbildung absolviert. Immer wieder hat er die drei Jahre alten Hündin an den Gerüchen trainiert und sie nach Drogenpäckchen suchen lassen, die er selbst versteckte. Und auch nach jedem Einsatz heißt es für Maja: weiter trainieren.

Findet die Hündin etwas, legt sie sich ruhig vor ihre „Beute”. Zur Belohnung spielt Hinkelmanns mit ihr einige Minuten mit einer roten Beißwurst aus Stoff. Maja weiß auch, wann sie arbeitet und wann sie frei hat. „Die Häftlinge versuchen oft, sie mit Leberwurstbroten oder Würsten zu verwirren, aber Maja ist bei der Arbeit hochkonzentriert und geht nicht darauf ein”, sagt Hinkelmanns. „Und wenn sie frei hat, würde sie an Drogen vorbeilaufen.”

Für den 54-jährigen ehemaligen Bürokaufmann aus dem niederrheinischen Goch ist die Arbeit mit Maja ein Vollzeit-Job. Um sechs Uhr morgens drehen die Beiden die erste Runde, um sechs Uhr abends die letzte. Die Kollegen lieben den verspielten Hund. „Manchmal muss ich sie sogar bremsen, weil alle ihr immer Leckerlis geben wollen”, sagt Hinkelmanns. „Aber das geht nicht - Maja muss auf ihre Ernährung achten.”

Abends gehen Maja und ihr Hundeführer gemeinsam nach Hause. Nach der Ausbildung ist die Hündin bei Hinkelmanns und seiner Familie eingezogen. „Man sieht die Beiden nur noch zusammen, sie sind ein echtes Team”, sagt JVA-Mitarbeiterin Freitag. Mindestens acht Jahre wollen sie das auch noch bleiben, ergänzt Hinkelmanns. „Vielleicht können wir dann gemeinsam in Rente gehen.”
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