Dresdnerin hilft bei Restaurierung in Angkor Wat

Von: Thomas Kunze, dpa
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Dresdnerin Angkor Wat
Restauriert in Kambodschas Tempelstadt Kambodscha: die Dresdnerin Emmeline Decker. Foto: dpa

Siem Reap/Kambodscha. „Manchmal kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich hier arbeiten darf”, schwärmt Emmeline Decker. Die junge Restauratorin aus Dresden lässt den Blick über ihre Wirkungsstätte schweifen - die sagenumwobene Tempelstadt von Angkor Wat mit ihren markanten Türmen, Terrassen und Wandelgängen, den kunstvollen Skulpturen und Reliefs.

Fast lotrecht steht die Sonne über dem weltberühmten Ensemble im Norden Kambodschas. Ungeachtet der Mittagsglut drängen Touristenscharen durch das große Tor.

In dem weitläufigen Gelände fallen Gerüste und abgesperrte Teile kaum auf, doch das rund 900 Jahre alte Angkor Wat ist auch eine große Baustelle. Fachleute aus der ganzen Welt helfen, das einzigartige Ensemble zu erhalten. Decker geht zu einem eingerüsteten Pavillon an der Südwestseite. German Apsara Conservation Project (GACP)” steht auf einem großen Schild. „Der Name leitet sich von den Apsara her, den Himmlischen Tänzerinnen, die zu Tausenden die Reliefs in den Galerien schmücken”, erklärt die 29-Jährige.

Decker liebte schon als Kind die Architektur der Kunststadt Dresden. Nach der Schule lernte sie bei einem Steinmetz und bei Restauratoren, studierte an der Fachhochschule Köln. 2005 folgte ein Praxissemester in Kambodscha, wo sie den Zustand der Buddhafiguren in Angkor Wat untersuchte. Für ihre Diplomarbeit flog sie immer wieder nach Asien - und wuchs in das Projekt hinein. Seit 2008 ist sie Mitarbeiterin des Teams und Assistentin von Professor Hans Leisen, unter dessen Leitung das vom Auswärtigen Amt finanzierte Projekt Angkor Wat steht.

König Suryavarman II. hatte das Meisterwerk der Khmer-Architektur im 12. Jahrhundert zu Ehren des Hindu-Gottes Vishnu errichten lassen. Mit dem Niedergang des Angkor-Reiches wurde es weitgehend verlassen, vergessen und vom Dschungel überwuchert. Ende des 19. Jahrhunderts machten französische Forscher das einzigartige Ensemble in Europa bekannt. Der Beginn einer Restaurierung der weitläufigen Anlage sollte noch Jahrzehnte dauern.

Decker steigt über das Gerüst ins dritte Stockwerk, wo sie mit den kambodschanischen Mitarbeitern des GACP-Projektes arbeitet. Viele der Reliefs sin verwittert. Häufig sind die Plastiken ausgewaschen, und tiefe Risse ziehen sich über die Flächen. „Manche Schäden erkennt man auf den ersten Blick gar nicht”, sagt die Restauratorin. Sie klopft an eine Stelle; es klingt hohl. Ohne sachkundige Sanierung würden viele der kostbaren Reliefs irgendwann einfach abfallen.

Die deutschen Fachleute und ihre kambodschanischen Mitarbeiter gehen mit unterschiedlichen Methoden vor: Risse und Hohlräume werden mit Spezialmörtel gefüllt, Oberflächen mit Schutzbeschichtungen gesichert, Reliefs mit Glasfaserdübeln befestigt. Die Restauratoren kommen nur zentimeterweise voran, Geduld und Präzision sind gefragt. 1997 hatte das deutsche Team praktisch bei Null begonnen. Zunächst mussten das Ausmaß der Schäden erfasst, Methoden zur Konservierung des Sandsteins gefunden und Einheimische zu Restauratoren ausgebildet werden.

„Unter den Teams aus aller Welt hat sich herumgesprochen, dass wir als einzige auf die Konservierung von Stein spezialisiert sind”, erzählt Decker. Die Deutschen würden daher oft von anderen Teams um Hilfe gebeten. Längst arbeiten sie auch an anderen Tempeln des Weltkulturerbes, das sich über rund 400 Quadratkilometer erstreckt.

Zwei Jahre lang war Decker nicht zu Hause. Einen Acht-Stunden-Tag kennt sie nicht. Da das Angebot in Siem Reap, der Stadt nahe Angkor, überschaubar ist, trainiert sie in ihrer knappen Freizeit Tae-Kwon-Do oder geht mit Freunden essen. Konzert oder Kino will sie jetzt nachholen - im Urlaub in Dresden. Aber: „Am meisten freue ich mich auf meine Familie.”
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