München - Die Erlebnisse eines „Quizknackers”

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Die Erlebnisse eines „Quizknackers”

Von: Tilmann P. Gangloff
Letzte Aktualisierung:
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Was in Kandidaten vorgeht, die bei Günther Jauch Platz nehmen dürfen, hat Joachim Telgenbüscher in einem Buch beschrieben.

München. Wenn Günther Jauch potenzielle Millionäre begrüßt, sind die Teilnehmer der Sendung schon seit Wochen wieder zuhause. Sie sitzen daheim und sehen sich die Show im Kreis ihrer Lieben an, und nichts wird ihnen entgehen: nicht das nervöse Hüsteln, nicht das blöde Gesicht, das sie bei ihrer Vorstellung gemacht haben, nicht die Souveränität des Moderators, neben der ihm eigenes Verhalten an längst vergessene Schulzeiten erinnert.

Was in den Kandidaten vorgeht, wenn sie auf dem heißen Stuhl bei „Wer wird Millionär?” Platz nehmen, hat Joachim Telgenbüscher nun in einem Buch beschrieben. Es trägt den griffigen Titel „Quizknacker”, aber im Grunde ist schon das eine Mogelpackung, die durch den Untertitel noch verstärkt wird: „Ein Gewinner zeigt, wie´s geht.”

Ganz abgesehen davon, dass Telgenbüscher eher beschreibt, wie man es nicht angehen sollte, ist sein Buch alles andere als eine Betriebsanleitung für erfolgreiche Quizshow-Teilnehmer. Er hat ohnehin bloß bei vier Sendungen mitgemacht; es gibt mit Sicherheit notorische Quizshow-Junkies mit ungleich größerer Erfahrung.

Empfehlenswerte Lektüre

Trotzdem ist „Quizknacker” eine empfehlenswerte Lektüre: weil Telgenbüscher ein guter Autor ist. Der Absolvent der renommierten Hamburger Henri-Nannen-Schule arbeitet heute für „Geo Epoche”, Schreiben ist also sein Beruf. Und weil er seine kurze Quiz-Karriere mit viel Selbstironie schildert, macht es großen Spaß, das Buch zu lesen.

Der größere Reiz liegt allerdings im Blick hinter die Kulissen. Die Praxistipps gegen Ende mögen ganz nützlich sein, wenn man tatsächlich mal Jauch oder Jörg Pilawa gegenüber sitzt; aber das trifft ja nur auf die wenigsten Menschen zu.

Aus Zuschauersicht ist es jedoch überaus interessant, aus erster Hand zu erfahren, wie solche Sendungen funktionieren. Gewisse Desillusionierungen werden sich dabei allerdings nicht vermeiden lassen, denn das Fernsehen lebt von der Täuschung: Was auf dem Bildschirm so prachtvoll aussieht, ist in Wirklichkeit bloß Pressspan und Plastik.

Das eindrucksvolle „Wer wird Millionär?”-Studio wirkte auf Telgenbüschel wie eine Mischung „aus Turnhalle und Lampenladen”, mit Zuschauertribünen wie beim Schützenfest. Und wer sich auf eine Teilnahme einlässt, muss vor allem Geduld mitbringen: Nach der Ankunft am frühen Morgen irgendwo in einem öden Gewerbegebiet muss man stundenlang warten, bis man endlich an der Reihe ist.

Geschickt steigert der Westfale aus Paderborn, der mit seinem ersten Quiz-Gewinn sein Studium im britischen Cambridge finanziert hat, die Spannung, indem er schon früh immer wieder aufs Finale vorgreift. Und weil er so nett erzählt, liest man sich auch klaglos durch seine biografischen Erinnerungen an die Achtziger, als er einen ungeheuren Wissensdurst entwickelte und unter gütiger Mithilfe seiner Großeltern lernte, das Fernsehen zu lieben; daheim war die „Fernsehstube” meist verschlossen.

Am Anfang seiner TV-Karriere stand die Teilnahme an der längst vergessenen ZDF-Sendung „Cah” mit Ulla Kock am Brink. Das war vor knapp zehn Jahren; immerhin 50.000 Mark hat der damals angehende Abiturient gewonnen.

Danach bewarb er sich vor allem vergeblich; „Risiko” (ebenfalls ZDF) blieb hierzulande zunächst sein einziger weiterer TV-Auftritt. Während des Studiums in England nahm er zwar ebenfalls an einem Quiz teil, aber das ist unterm Strich wahrlich keine Fernsehlaufbahn; und erst recht viel zu wenig TV-Präsenz, um als „Quizsöldner” durchzugehen, wie er sich mal tituliert.

Doch dann kam „Wer wird Millionär?”, und wie der Zufall so spielt: Seine Mutter, die sich jahrelang vergeblich beworben hatte, wurde ebenfalls ausgewählt, und so landeten beide in derselben Sendung.

32.000 Euro bei Jauch

In die Annalen des RTL-Dauerbrenners ist Telgenbüscher mit seinem Auftritt nicht eingegangen; aber immerhin hat er 32000 Euro eingestrichen. Das ist ziemlich viel Geld für relativ wenig Arbeit, aber wenn man liest, wie viele Tode man als Kandidat dafür sterben muss, ist es als Schmerzensgeld eher lächerlich; zumal der richtiger Spießrutenlauf erst später beginnt, wenn die Sendung ausgestrahlt worden ist.

Am Nimbus der Show kratzt Telgenbüscher allerdings nicht, zumal er mit großem Respekt über Günther Jauch schreibt; aber man wird sie nach der Lektüre mit anderen Augen sehen.

Für Quiz-Teilnehmer ist die Lektüre des Buches übrigens tatsächlich sinnvoll, denn nun wissen sie, was auf sie zukommt. Doch wenn es soweit ist, werden sie Telgenbüschers Tipps vor lauter Aufregung garantiert wieder vergessen haben.

Joachim Telgenbüscher: „Quizknacker. Ein Gewinner zeigt, wie´s geht”. Bastei Lübbe, Köln. 238 Seiten, 7,99 Euro.


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