Dickenwitze und Dauergrinser im Dschungelcamp

Von: Madeleine Gullert
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Schleimige Aufgaben: Das Dschungelcamp hat wieder begonnen. Foto: RTL
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Zum Glück stellen die Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow alle Kandidaten vor - ohne Reality-Show-Vorwissen sind viele Gesicht unbekannt. Foto: dpa

Berlin. Mehlwurm-Cocktail, Schafshoden-Limbo und Kakerlaken-Sonnencreme – was den Ekel-Faktor angeht, ist alles beim Alten im „Dschungelcamp“ - der Trash-TV-Sendung, die viel mehr Leute gucken, als es zugeben. In drei Stunden, drei langen Stunden, werden in der ersten Folge von „Ich bin ein Star – Hol mich hier raus“ die elf Kandidaten vorgestellt, die in den nächsten zwei Wochen Thema in der Mittagspause sind, und danach getrost wieder vergessen werden können.

Die lange Einführung ist aber auch bitter nötig, denn wer sind eigentlich Tanja, Tischewitsch, Aurelio Savina oder Angelina Heger? „DSDS“, „Bachelorette“ und „Bachelor“ haben diese drei C-, D-, oder E-Promis hervorgebracht. Die Sendungen scheinen sowieso nur den Zweck zu haben, Kandidaten für den australischen Dschungel zu produzieren. Ein Glück, dass es Trash-TV gibt, sonst wäre das „Dschungelcamp“ ziemlich leer. Während Angelina ganz realistisch sagt, dass sie sowieso kein Star ist, glaubt Rolfe Schneider - ja, das ist der Ex-„Topmodel“-Juror aus Köln, der so tut, als hätte er einen französischen Akzent: „Die Leute kennen mich.“ Nun ja, das kommt eben darauf an, wen man mit „die Leute“ meint. Wer regelmäßig Reality-Shows schaut, ist jedenfalls klar im Wissensvorteil. Aber auch so kommt man schnell rein.

Da ist Patricia Blanco (Beruf: „Tochter von...“), die genau wie Aurelio „wegen des Geldes dabei ist“ und sich von den Mitstreitern an ihre Silikonbrüste fassen lässt oder Ex-„Caught in the Act“-Sänger Benjamin Boyd, der „als gescheiterter Star noch Aufmerksamkeit“ sucht. Rebecca Siemoneit-Barum aus der „Lindenstraße“ hat ganz offensichtlich etwas zugenommen. Wer das aber noch nicht mitbekommen hat, den stößt RTL darauf, indem ihre Vorstellung mit Musik der ebenfalls korpulenten Sängerin Adele untermalt wird.

Die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich machen natürlich ein paar Witze auf Rebeccas Kosten: Scherze über Dicke gehen immer, denkt man sich bei dem Sender wohl. Rebecca scheint es geahnt zu haben und verspricht in einer Art vorauseilendem Gehorsam, dem Zuschauer nicht zu viel nackte Haut zuzumuten. Zwar nicht Dschungelkönig, aber Dramaqueen ist Walter Freiwald. Der „Preis ist heiß“-Moderator wird von einer Qualle gebissen, stößt sich den Kopf am Helikopter und vermisst seine Zigaretten. Das führt schon zu Quengelei und Ausfällen. Das kann ja noch lustig werden.

Und dann gibt es in jedem „Dschungelcamp“ noch die Übermotivierten, die das alles als ganz tolle Herausforderung sehen. Diesen Part wollte sich wohl Lottofee Maren Gilzer krallen: Dauergrinsen und das Versprechen oder die Drohung, den jungen Kandidatinnen „noch einiges beibringen“ zu wollen, deuteten darauf hin. Und die Natur findet sie auch „ganz, ganz schön“, wie sie verklärt betont, als sie den Dschungel sieht. Vielleicht auf Drogen, schon dehydriert oder einen Virus eingefangen?

Die Rolle des Übermotivierten spielt Jörn Schlönvoigt auf jeden Fall besser. Da haben die vielen „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“-Folgen, die er hinter sich hat, doch etwas gebracht. Heldenhaft sucht er sich als einziger keine zwei Luxusartikel fürs Camp aus. Beliebt sind sonst immer Ohrstöpsel oder Kissen. Das hat Jörn gar nicht nötig, schließlich hat er „Bock auf Adventure“. Die Dschungelprüfung absolvieren, das will er auch unbedingt. Die müssen allerdings Sara Kulka und Aurelio hinter sich bringen. Sechs Sterne sind das Fazit nach Eincremen mit Kakerlaken-Schleim und Co.

Mamas Traumschwiegersohn Schlönvoigt gibt derweil im Camp den Vernünftigen: „Es wäre besser, wenn du in die Toilette brichst, sonst zieht das Tiere an“, sagt er der kranken Maren. Nicht, ohne hinzuzufügen: „Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid“. Guter Junge. Seine Weisheit des Tages: „Wenn es dunkel ist, ist es genau wie am Tag“, erklärt er Sara, die Angst im Dunkeln hat und auch insgesamt etwas verpeilt, aber sehr unterhaltsam daherkommt: „Das flasht mich hier alles. Kennste geflasht?“, fragt die Ex-„Topmodel“-Kandidatin in die Kamera. Wer ihr Englisch hört, wundert sich über das schlechte deutsche Abschneiden bei Pisa nun wirklich nicht.

Beim obligatorischen Tandem-Sprung in den australischen Dschungel macht sie sich Mut, indem sie sich sagt, dass „das Camp eh‘ vorbei ist, wenn ich jetzt sterbe“. Lust auf den Sprung hatte sie ohnehin nicht, aber „da muss ich durch, ich hab das unterschrieben.“ Und schließlich braucht sie das Geld, für sich und ihre – endlich kommt ein emotionaler Moment, unter den RTL eine Schnulze legen kann – Tochter. Noch nicht einmal im Dschungel, muss Kulka schon weinen. Die ersten Schritte auf echtem Dschungelboden findet sie dann krass. „Wer geht schon im Dschungel spazieren?“ Ja, crazy shit. Nicht nur spazieren, sondern auch in die nächste Dschungelprüfung muss Sara. Das war klar, hatte sie doch groß angekündigt, alles zu schlucken – egal wie eklig. Das müsste Frau ja ohnehin des Öfteren.

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