Deutscher Designnachwuchs gibt beim Akkuschrauberrennen Gas

Von: Adriana Mertens, ddp
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Akkuschrauberrennen
Arne Amtsfeld (32) aus Kassel beim sechsten Akkuschrauberrennen. Foto: ddp

Hildesheim. In der engen Boxengasse herrscht hektisches Treiben. Die Teams legen letzte Hand an ihren Rennmobilen an. Dann stehen die ersten Fahrer auf der 18 Grad steilen Startrampe bereit und warten auf das Startsignal. Als der schrille Pfiff erklingt, düsen sie unter dem Applaus des Publikums los.

Die Vehikel auf der Rennstrecke erinnern an Mountainbikes, Gokarts oder überdimensionale Dreiräder. Ihren Antrieb erhalten sie nicht etwa von einem dröhnenden Benzinmotor, sondern von zwei kleinen, leise surrenden Elektromotoren - genauer gesagt von zwei handelsüblichen Akkuschraubern.

Um die Leistungsfähigkeit der kleinen 18 Volt starken Werkzeuge dreht sich alles beim sechsten Akkuschrauberrennen der Fakultät Gestaltung der Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK). In der Hildesheimer Sparkassenarena, wo normalerweise Handballer über den braunen Hallenboden laufen, kämpft der deutsche Designnachwuchs vor rund 1200 Zuschauern auf selbst entworfenen und gebauten Fahrzeugen um den Titel. Den richtigen Drive verschaffen sich die Akku-Jockeys dabei mit Hilfe der Drehzahl der zweckentfremdeten Werkzeuge.

Kopf und Erfinder des „Rennens der etwas anderen Art” ist Andreas Schulz, Professor für Produkt-Design an der HAWK. „Alles fing vor sechs Jahren ganz klein auf dem Hinterhof der Hochschule an”, erinnert er sich. „Meine damaligen Studenten sollten ein Renngefährt bauen, dass nur mit Hilfe eines Akkuschraubers angetrieben werden durfte und mindestens eine Person tragen musste.” Das erste Hildesheimer Akkuschrauberrennen war geboren.

Mittlerweile hat sich der hochschulinterne Wettbewerb zu einem großen Event gemausert. Mehr als 70 Studenten gestalterischer und technischer Studiengänge aus ganz Deutschland liefern sich beim bisher größten Akkuschrauberrennen einen spannenden Wettkampf. An den damaligen Vorgaben hat sich nur die Anzahl der Akkuschrauber geändert - heute dürfen erstmals zwei für den Antrieb der Rennmobile eingesetzt werden. Die 15 Teams haben teils mehr als zwei Monate getüftelt, gezeichnet, experimentiert und gebaut. Herausgekommen sind dabei zwei- bis vierrädrige Gefährte aus Aluminium, Carbon und sogar Pappe.

Auf der 150 Meter langen, achtförmigen Rennstrecke zeigt sich nun, ob sich ihre kreative Arbeit gelohnt hat. Auf die Rennfahrer warten verschiedene Schikanen: eine fast um zehn Prozent ansteigende Steilkurve, eine neblige Tunnelpassage sowie der Kreuzungspunkt in der Mitte des Rennparcours. Diese Tücken müssen sie mit Feingefühl meistern. „Gas geben allein reicht für einen Sieg nicht aus”, weiß Schulz.

Auch die erstmals für den Antrieb verwendeten Lithium-Ionen-Akkuschrauber stellen die Rennteilnehmer vor eine neue Herausforderung. „Sie sind zwar leichter und kompakter als die Vorjahresmodelle, dafür aber auch mit einem Überhitzungsschutz ausgestattet”, erläutert Michael Schmidtke von Sponsor Bosch Power Tools. „Werden die Akkumulatoren überlastet, schalten sie ab und das Rennen ist vorbei.”

Während der Wettkampf in der Sport- und Veranstaltungsarena in die spannende finale Phase geht, gestaltet ein Eiskünstler im Eingangsbereich aus fast tausend Liter gefrorenem Wasser parallel zum Renngeschehen eine mannshohe Skulptur in Form eines flammenden Akkuschraubers - den späteren Siegerpokal.

Das Team „Windstärke 18V” von der Fachhochschule OOW Emden kann ihn am Ende des Renntages jubelnd entgegennehmen. Ihr Fahrer Björn Schlingmann beweist im Finale ein Gespür für die richtige Akku-Drehzahl und erreicht auf seinem grünen Alu-Sitzdreirad knapp 30 Stundenkilometer. Neben dem Geschwindigkeitspreis erhalten die Ostfriesen auch noch den Zuschauerpreis für das beste Design.
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