Der Reformator im Einkaufswagen

Von: epd
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Reformator Martin Luther
Das Denkmal des Reformators Martin Luther (1483-1546) mit der Stadtkirche im Hintergrund. Foto: Peter Endig/dpa

Hamburg. Das Luther-Jubiläum macht auch vor Einkaufswagen nicht Halt. Zum diesjährigen Reformationstag (31. Oktober) bringt die evangelische Nordkirche einen Einkaufswagen-Chip auf den Markt, den das Porträt von Martin Luther (1483-1546) ziert.

Die Palette der Luther-Produkte ist breit: So vertreibt der evangelische WerbeDienst neben Luther-Keksen und -Bonbons auch Luther-Taschen, Luther-Socken und eine Schablone, mit der sich eine Luther-Rose auf einen Cappuccino zaubern lässt.

Die Idee mit dem Luther-Chip für Einkaufswagen entwickelte Reinhard Sieg mit seinen Mitarbeitern vor etwa drei Jahren. Seine Firma in Wismar ist spezialisiert auf Relief-Medaillen. Die ersten Luther-Chips verkaufte er noch an Gemeinden der Region. Doch Ende 2014 entdeckte das Amt für Öffentlichkeitsdienst der Nordkirche die Idee und vertreibt die Chips seitdem exklusiv über ihren kirchenshop-online.de. Übrig gebliebene Chips aus umliegenden Gemeinden musste Sieg wieder einsammeln. Mittlerweile hat er mehr als 5.000 Luther-Chips geliefert, weitere 2.500 sind bestellt.

Dass mit dem Luther-Chip künftig der große Reformator in einem Einkaufswagen steckt, stört die Pastorin des Amts für Öffentlichkeitsarbeit, Sandra Peters-Hilberling, nicht: „Martin Luther ist doch kein Heiliger.“ Er habe die Bibel ins Deutsche übersetzt und sie damit den Menschen näher gebracht. Der Chip gehöre zu den schönen Dingen, die die Menschen im Alltag an Luther erinnerten, sagt Peters-Hilberling. „Wüsste er davon, würde er es bestimmt mit einem Augenzwinkern kommentieren.“

Im Jahr 2017 ist es 500 Jahre her, dass der Reformator seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg veröffentlichte. Die Kritik am Ablasswesen und den damaligen Kirchenverhältnissen gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Kirchenreformation.

Auch andere Landeskirchen haben Luther-Artikel im Angebot. Passend zur kalten Jahreszeit vertreibt der WerbeDienst, in dem mehrere Landeskirchen kooperieren, Luther-Socken mit dem Aufdruck „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Der württembergische Pfarrer Peter Geiger hatte sie vor zwei Jahren entwickelt. Neu ist in diesem Jahr die englische Version „Here I stand, I can do no other“. Auf der Luther-Krawatte dagegen heißt es: „Here I stand, I cannot do otherwise“. Wie es richtig ist, lässt sich ja ohnehin nicht entscheiden - Luther sprach Deutsch, kein Englisch.

Bereits Anfang des Jahres wurde der Playmobil-Luther vorgestellt. Auch Kaffeetassen, Papphocker, Bierdeckel, Einkaufstaschen und Frisbee-Scheiben werden mit Luther-Porträt angeboten. Wer den Tag mit Luther beginnen möchte, findet ein Frühstücksbrettchen mit Luthers Morgensegen. Die Nordkirche hat in diesem Jahr eine Faltkarte mit Gebeten des Reformators entwickelt.

Für den Luther-Chip sind die technischen Auflagen hoch, damit er in Geldautomaten nicht als Zahlungsmittel missbraucht werden kann. So muss er durchbrochen sein und ein anderes Gewicht haben als die Ein-Euro-Münze. Weil die Geldstücke in einigen Automaten elektronisch geprüft werden, muss auch die elektrische Leitfähigkeit anders sein als die der Euro-Münze. Den Chip gib es auch einzeln, eingefasst in einen Schlüsselanhänger. Kirchengemeinden können größere Mengen in Messing- und Goldfarbe bestellen, 20 Stück kosten 35 Euro.

Sieg hat sich für seine umliegenden Gemeinden übrigens noch ein kleines Schlupfloch gelassen: Den Luther-Chip mit den berühmten Luther-Bild mit Mütze kann er zwar nur über das Amt für Öffentlichkeitsarbeit vertreiben. Ein Chip mit einem Luther-Bild ohne Mütze, den „Luther mit wirrem Haar“, wie es firmenintern heißt, verkauft er weiterhin an Gemeinden der Region.

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