Berlin - Der „Kannibale von Rotenburg” im Kino: Horrorthriller „Rohtenburg”

Der „Kannibale von Rotenburg” im Kino: Horrorthriller „Rohtenburg”

Von: Axel Schock, ddp
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Der Kinofilm erzählt die Geschichte des Kannibalen von Rothenburg. Foto: ddp

Berlin. Mit dreijähriger Verspätung darf „Rohtenburg” nun doch in den deutschen Kinos gezeigt werden. Der als „Kannibale von Rotenburg” bekannt gewordene Armin Meiwes hatte zunächst erfolgreich geklagt, da er durch den Spielfilm seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah.

Ende Mai hob der Bundesgerichtshof das Verbot aber auf, da im Falle von „Rohtenburg” die Freiheit der Kunst höher einzuschätzen sei. Hehre Kunst dürfte dem deutschen Videoclipregisseur Martin Weisz bei seinem Spielfilmdebüt allerdings weniger vorgeschwebt sein. Vielmehr ging es darum, den Kriminalfall in all seiner Monstrosität auf die Leinwand zu bringen und Neugierde und Sensationslust zu befriedigen. „Manche Geschichten sollten nie erzählt werden”, steht denn auch verheißungsvoll auf dem Filmplakat.

In Rückblenden erzählt „Rohtenburg” die wichtigsten Stationen im Leben der Filmfigur Oliver Hartwin (Thomas Kretschmann), die Armin Meiwes nachempfunden ist, sowie des Opfers Simon Grobeck (Thomas Huber). Im Zentrum steht die detailgenau ausgemalte Begegnung der beiden.

Das Drehbuch orientiert sich eng an den Erkenntnissen, die beim ersten Prozess gegen Meiwes zu Tage getreten waren. Meiwes hatte die Tat mit der Videokamera festgehalten. Anschauen mussten sich diese Aufnahmen damals die Richter, Staatsanwälte und Gerichtspsychologen.

Mit der Nachinszenierung in „Rohtenburg” kann nun jeder Kinozuschauer über 18 Jahren sehen, was vor acht Jahren in Meiwes Keller passierte - sofern man die unappetitlichen Einzelheiten wirklich sehen will.

„Rohtenburg” wird unweigerlich zu einem voyeuristischen Horrorfilm und bedient sich auch allenthalben dessen Mittel. Zwar liefert Weisz auch Rückblenden in die Kindheit von Hartwin und Grobeck in Gestalt von verwackelter, Authentizität suggerierender Super-8-Homevideoschnipsel. Zum Verständnis der Psyche und Beweggründe der beiden tragen diese klischeeüberfrachteten, kolportagehaften Erklärungsversuche allerdings wenig bei.

Den Vorwurf, mit „Rohtenburg” habe man auf schlichte, schnelle Weise nur den internationalen Hype um den spektakulären Mordfall ausschlachten wollen, vermögen sie indes nicht zu entkräften. Aufmerksamkeit verdient haben allerdings die beiden Hauptdarsteller Thomas Huber und Thomas Kretschmann.

Mit einer derartigen Intensität stürzen sie sich in die Darstellung dieser von Gewalt und Todesfantasien getrieben Männer, dass ihr Spiel bisweilen an die psychischen wie physischen Grenzen zu gehen scheint.

Und wenn Kretschmann mit dem Rücken zur Kamera am Tisch sitzt und angestrengt auf etwas Zähem herumkaut, hat der Film einen der wenigen großen, makaber-komischen Momente. Da wird gleichermaßen die abgründige Fantasie des Zuschauers in Gang gesetzt und dessen Lust an schauerlicher Sensation bloß gestellt.

„Rohtenburg”, Horror-Thriller, D/USA 2005, 90 Minuten, FSK: 18, Regie: Martin Weisz, Darsteller: Keri Russel, Thomas Kretschmann, Thomas Huber, Rainer Meissner, Angelika Bartsch u. a.) Kinostart: 18. Juni 2009
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