Der Banker-Look ist „out”, „Bling-Bling” „in”

Von: dpa
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Der Banker-Look ist „out”, „Bling-Bling” „in”
Rapper Paul Wall zeigt sich mit viel Schmuck, Ohrsteckern, veredelten Zähnen, einer Kette mit einem Becher als Anhänger, Ring und Uhr sowie einem auffällig bedruckten schwarzen T-Shirt bei den MTV Video Music Awards in Miami. Als Vorreiter repräsentiert er mit seinem Look eine neue Moderichtung, denn der Banker-Look ist „out” und der Proll-Look ist „in”. Die Krise ist längst auch in Stilfragen im Anzug. Folge ist, dass weniger Männer zurzeit einen Zwei- oder Dreiteiler tragen wollen. Stattdessen gibt es einen Boom des sogenannten Bling-Bling. Im Amerikanischen steht das für funkelnden Schmuck, im Französischen für einen protzigen Stil, der auf Glitzer setzt und dick aufträgt. Foto: dpa

Hamburg. Der Banker-Look ist „out”, der Proll-Look ist „in”. Die Krise ist längst auch in Stilfragen im Anzug. Folge ist, dass weniger Männer zurzeit einen Zwei- oder Dreiteiler tragen wollen. Stattdessen gibt es einen Boom des sogenannten Bling-Bling.

Im Amerikanischen steht das für funkelnden Schmuck, im Französischen für einen protzigen Stil, der auf Glitzer setzt und dick aufträgt.

„Der Absatz von Anzügen ist im ersten Halbjahr vielerorts eingebrochen”, sagt der Männermode-Experte Oliver Bachmann von der Fachzeitschrift „TextilWirtschaft”. „Die Kunden haben zurzeit wenig Lust auf Business-Wear und formelle Bekleidung.” Händler und Anbieter in der Mode-Branche machten dies in Gesprächen sehr deutlich, sagt Bachmann, auch wenn dazu ungern genaue Zahlen preisgegeben werden. Nur wer dringend einen Anzug braucht, kauft sich zurzeit einen. Dabei profitieren Modelle in mittleren Preislagen bis 299 Euro. Marken mit Anzügen ab 399 Euro haben es derzeit schwerer.

„Eigentlich ist der Markt für Anzüge ein solides Geschäft und unterliegt nicht so großen Schwankungen”, sagt Bachmann. Deshalb sei es sehr bemerkenswert, wenn Händler nun ihre Vorbestellungen für das nächste Frühjahr im Schnitt um 10 bis 15 Prozent senken wollen. Stirbt der Anzug aus? Ist sein Ruf ruiniert, weil sogenannte Nieten in Nadelstreifen die Wirtschaft gegen die Wand gefahren haben?

Bankmitarbeiter machen zumindest erstaunliche Erfahrungen. „Bis zum letzten Herbst hat es mir nichts ausgemacht, als Banker erkannt zu werden. Es ergaben sich dann oft interessante Gespräche”, sagt der Bankkaufmann Mark Schulze. „Aber jetzt erwische ich mich dabei, wie ich mich nicht mehr so offen zu erkennen gebe. Ich will anstrengenden Diskussionen über Raffgier, Boni und Abzocke entgehen”, sagt der 29- Jährige. Das wirke sich auch auf Freizeitverhalten und Kleidungsstil aus. „Anstatt nach der Arbeit mit Krawatte und Sakko in den Biergarten zu gehen, ziehe ich mich heute lieber um und gehe in Polohemd und Turnschuhen.”

Bezeichnend war auch der Weltfinanzgipfel Anfang April in London. Damals empfahlen die Behörden Angestellten aus der Finanzbranche, während des G20-Treffens auf Anzug, Hemd und Schlips zu verzichten. Um Übergriffe durch Aktivisten zu vermeiden, sollten Banker in Freizeitkleidung zur Arbeit gehen.

Und so geht der Siegeszug der Wohlfühlklamotten, den es seit Jahrzehnten gibt, in Schüben weiter. In jüngster Zeit werden beim Ausgehen sogar schlabberige Jogginghosen getragen und in der Frauenmode feiern die Leggins ein Comeback.

Insgesamt könnte man sagen, dass legere Kleidung im Trend liegt, die mit den Insignien der „Unterschicht” spielt. Ist das nur ein Spaß, so wie bei Topmodel Heidi Klum und Sänger Seal, die ihren diesjährigen Hochzeitstag mit einer Bad-Taste-Party im Proll-Look feierten? Oder ist das Ganze eine Art Wende in der Mode, in der nun das, was früher als derb galt, Mainstream wird und chic?

Auffällig ist jedenfalls der Hype um die Modemarke „Ed Hardy by Christian Audigier”. Don Ed Hardy ist eigentlich ein kalifornischer Tattoo-Künstler, dessen Motive - Pin-up-Girls, Totenköpfe, Herzen mit Dolchen - auf Textilien gedruckt, reißenden Absatz finden. Vor gut fünf Jahren hatte der französische Unternehmer und Marketing-Profi Christian Audigier die Idee, Ed Hardy Motive abzukaufen und sie mit Glitzer und Strass auf Shirts und Hosen zu bringen. Gekonnt „platzierte” er die „tätowierte Kleidung” auf Weltstars wie Madonna oder Mick Jagger. Der Stil der Vorstadt wurde reif für den roten Teppich. Auch deutsche Fußballstars oder der Comedian Mario Barth wurden bereits in diesen Sachen gesehen, die verschnörkelte Schriftzügen zieren, zum Beispiel „Love Kills Slowly”.

Ein anderes Beispiel für den Erfolg des Billig-Looks ist das türkische Streetwear-Label Picaldi. „Die Krise spüren wir nicht”, sagt Mitgesellschafter Erhan Akarsu. Auch wenn seiner Marke das Image anhafte, vor allem im Migranten-Milieu und sogenannten Prekariat verbreitet zu sein (einstiger Slogan: „Nix Aldi, Picaldi”), sieht er die Marke inzwischen mit einer „breiten Kundenskala”.

Oliver Bachmann von der Zeitschrift „TextilWirtschaft” gibt jedoch zu bedenken: „Es sind natürlich nicht immer die gleichen Leute, die jetzt keine Anzüge mehr kaufen und auf diesen Style umsatteln. So schnell geht das nicht.”

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