Cindy aus Marzahn auf Tour

Von: Caroline Bock, dpa
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Cindy aus Marzahn
Preisgekrönte Wuchtbrumme: Cindy aus Marzahn ist Volkes Stimme in schrillster Tonart - und wird dafür geliebt.

Berlin. Pinkfarbener Lippenstift, Jogginghose, blonde Wuschelfrisur und, nun ja, nicht ganz schlank. Das ist Cindy aus Marzahn, die „Prinzessin aus dem Plattenbau”, ein Phänomen der deutschen Comedyszene. Seit 12 Jahren ist Cindy arbeitslos, plagt sich mit dem „Joop-Center” herum und bekommt mittlerweile „Hartz VIII”.

Dahinter steckt die Berlinerin Ilka Bessin (37), die es mit derbem Humor zum Fernsehstammgast geschafft hat.

Die RTL-Sendung „Cindy aus Marzahn & Die jungen Wilden” wurde von dem Kölner Unternehmen Brainpool produziert, das mit Stars wie Stefan Raab und Oliver Pocher den Zeitgeist trifft. Ein zweiter Teil ist geplant. Auch in der Sat.1-Show „Schillerstraße” spielt sie mit.

Auf der Bühne der „Wühlmäuse” stand Cindy aus Marzahn neben Dieter Hallervorden - ein Beispiel für die schwindende Grenze zwischen Comedy und Kabarett. Sie tourt quer durch die Lande, von ihrer Heimatstadt Luckenwalde in Brandenburg bis nach Zürich.

Warum kommt die Show so gut an? „Naja, das ist nicht bei allen so, es gibt auch viele Kritiker, gottseidank. Wenn man allen gut gefallen würde, wäre das auch ein bisschen langweilig”, meint Bessin. „Meine Schwester sagt immer, ich mache Comedy fürs Volk. Ich nehme mir schon Zeit, hinterher mit den Leuten zu quatschen, je nachdem, wie ich drauf bin.”

Bessin (1,83 Meter groß) hat Mut zur Peinlichkeit. Die Leute kichern schon, kaum dass „Frau Cindy” auf der Bühne steht. Im Publikum sitzen Comedyfans, auch dicke Frauen, die hemmungslos lachen können über Cindy, die vielleicht noch größere Problemzonen hat als sie selbst, bei Rudis Resterampe einkauft und eine Tochter hat, die „Jennifer Justine Cheyenne Chantal Janice” heißt.

Bessin war dreieinhalb Jahre arbeitslos, nachdem sie ihren Job als Barchefin in Berlin verloren hatte. Sie erzählt Geschichten aus ihrem Leben, sagt sie. Und freut sich, wenn die Leute bei ihr abschalten und drei Stunden entspannt lachen.

Bessin lernte laut ihrer Homepage Köchin im VEB Wälzlagerwerk Luckenwalde und konnte dann 750 Menschen mit Kartoffelbrei versorgen. „Aber wer will das denn?”, fragte sie sich.

Dann machte die Brandenburgerin eine Ausbildung als Hotelfachfrau. Sie arbeitete in Discos, Restaurants, hatte kleinere TV-Rollen und war schließlich als Animateurin auf einem Schiff unterwegs. Von dort war es nicht weit ins Bühnengeschäft. 2005 gewann sie den Talentwettbewerb des Quatsch Comedy Clubs von Thomas Hermanns.

Ilka ist nicht gleich Cindy. Ihre Selbstbeschreibung: „Ganz normal, blonde Haare, groß, kräftig. Nicht so grell geschminkt, eher dezente Farben, das Gegenteil von dem, wie ich auf der Bühne aussehe.”

Bessin kennt zwar echte Cindys aus Marzahn, die jetzt nach einem gewissen Enrico gefragt werden. Zu tiefgründig sollte man das alles aber nicht sehen. Cindy aus Marzahn ist nur die Karikatur eines Hartz-IV-Empfängers. Sie stellt sich nicht über ihr Publikum, das mögen die Zuschauer.

Marzahn sei nicht nur „asi”, findet Bessin, die in einem anderen Berliner Kiez lebt. „Jeder Bezirk in Berlin hat seine schöne Ecken.” Das Viertel sieht sie als „Herstellungsort”: „So wie Paris Hilton in Paris im Hilton gezeugt wurde, war es bei Cindy Marzahn.”

Hat sie mit der Karriere gerechnet? „Um Gottes willen nee, nee”, sagt Bessin. „Es ist immer noch so ein ein Traum von mir, so ein kleines Hotel zu haben, wo die Leute im Urlaub hinkommen und ich sie bekochen kann.” Gastronomie sei immer ihr Steckenpferd gewesen und werde es bleiben. Die Comedy, das sei halt so passiert. „Das finde ich aber auch ganz schön.”
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