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Bilder mit farbiger Kartoffelstärke - 100 Jahre Farbfotografie

Von: Thilo Resenhoeft (dpa)
Letzte Aktualisierung:

Hamburg. Seien es Blumen, Warnschilder oder appetitliche Früchte: Die Welt ist bunt. Farben dienen der Orientierung oder können alarmieren.

Das Auge kann viele Millionen Farbtöne voneinander unterscheiden, Farben beeinflussen das Gefühl und die Reaktion von Menschen - zu roten Lippen fühlt er sich eher hingezogen, vor giftgrünen Schlangen schreckt er meist zurück. Viele Maler sind seit Jahrhunderten bemüht, das Original so exakt wie möglich wiederzugeben - ebenso wie die Fotografen.

Nachdem Fotos in den ersten 60 Jahren nach ihrer Erfindung um das Jahr 1840 herum zunächst fast nur in schwarz und weiß möglich waren, ist die Fotografie von heute fast ausschließlich bunt. Diese Wandlung begann am 10. Juni 1907. Damals stellten die französischen Brüder Louis und Auguste Lumière in Paris eine Revolution vor: Das Autochrom. Dies war der Beginn der kommerziellen Farbfotografie, sagt Bodo von Dewitz, Leiter der Fotoabteilung am Museum Ludwig in Köln.

Autochrome fingen die Farben des Motivs mit einer Mischung farbiger Körnchen aus durchsichtiger Kartoffelstärke ein, die trickreich auf einer Glasplatte ausgewalzt wurden. Eine herkömmliche Fotoemulsion vervollständigte die Platte. Bis dahin war die Fotografie in Farbe eher ein technisch-chemisches Unterfangen denn ein künstlerisches oder gar privates Vergnügen. Zwar gab es bereits zuvor mehrere Verfahren - die aber beherrschten vielfach nur deren Erfinder selbst.

Louis Jean (1864 - 1948) und Auguste Marie Nicolas Lumière (1862 - 1954) hatten über viele Jahre experimentiert, bevor sie ihre Entwicklung schließlich vorstellten. Aus heutiger Sicht ist es eine überaus aufwendige, ja exotische Methode. Andererseits ließen sich die damals teueren Platten in herkömmlichen Kameras verwenden und führten mit nur einer Belichtung zum Ergebnis.

100 Jahre später ist die Fotografie ein Kinderspiel, egal ob mit Analog- oder Digitalkameras. Das schwarz-weiße Bild ist inzwischen die Ausnahme von der Regel. Bei der CeWe Color AG in Oldenburg etwa, Europas größtem Hersteller von Abzügen, laufen jährlich rund drei Milliarden Fotos vom Band. Schwarz-weiß sind davon etwa zwei Prozent.

Gleichzeitig zeichnet sich ein weiterer, tief greifender Wandel in der Fotografie ab. 2006 stammten bei CeWe bereits 1,1 Milliarden Farbbilder aus Digitalkameras. Diese laufen dem Farbfilm, der Mitte der 1930er Jahre von Agfa und Kodak vorgestellt wurde, rasend schnell den Rang ab. 2001 wurden in Deutschland 187 Millionen Filmpatronen verkauft, 2006 waren es nur noch 63 Millionen, berichtet der Photoindustrie-Verband. Demnach setzt sich die Digitalfotografie auf breiter Front durch und löst die Chemie bei der Aufnahme zusehends ab.

Vor der Idee der Lumières hatten Fotografen ihre schwarz-weißen Abzüge in stundenlanger Arbeit mit feinen Pinseln von Hand koloriert. Andere fertigten von einer Szene ein rotes, ein grünes und ein blaues Glasdia-Positiv und projizierten es für den Farbeindruck aufwendig übereinander. Eine andere Variante war, von einem schwarz-weißen Foto mit großer Sorgfalt Druckvorlagen zu fertigen und damit wiederum einzelne Farben auf das ursprünglich monochrome Bild zu drucken. Edward Steichen schuf auf diese Weise sein „The Pond - Moonlight, 1904”, das 2001 für 2,9 Millionen Dollar versteigert wurde. Es war lange Zeit das teuerste Foto der Welt.

Eine Auswahl anderer Varianten waren additive Farbraster- Verfahren, das Stereo-Chromogramm, der Chromat-Leim-Druck, das Raydex-Verfahren oder der Dreifarben-Carbo-Druck. Sie alle setzten sich aber nicht auf breiter Front durch. Erst die Erfindung der Gebrüder Lumière verhalf der Farbe zum Durchbruch.

„Das Autochrom, das weithin als das schönste fotografische Verfahren überhaupt gilt, zeichnete sich durch satte und leuchtende Farben aus und stellte dem Fotografen eine impressionistische Farbpalette zur Verfügung”, erklärt die ehemalige Kuratorin der britischen Royal Photographic Society und Autorin Pamela Roberts.

Sie zeichnet die Geschichte der farbigen Bilder in ihrem aktuell erschienenen Band „100 Jahre Farbfotografie” (Nicolai-Verlag, Berlin) sehr kenntnisreich und gut verständlich nach. Viele Bildbeispiele zeugen vom Wandel der Technik, der Motive und der Sichtweise auf die Farbe. Die kenntnisreiche Beschreibung der alten Verfahren nötigt dem Leser Hochachtung vor dem Erfindergeist ein - und ein wenig Mitleid ob der Mühen in vergangener Zeit.

Pamela Roberts: „100 Jahre Farbfotografie”, Nicolai-Verlag, Berlin, 288 S., 260 Farbbilder, Euro 34,90, ISBN: 978-3-8947-9378-4

(Aus rechtlichen Gründen kann dpa zu dem Band keine Bilder anbieten. Kontakt zum Verlag: Julia Linke, Tel.: 0 30 / 25 37 38 12; E-Mail: mailto:Julia.Linke@nicolai-verlag.de)

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