Beliebter als Bock und Alt: Das Schwarzbier-Comeback

Von: Andreas Hummel, dpa
Letzte Aktualisierung:
köstritzer
Rund 50.000 Flaschen pro Stunde schafft die Maschine in der Abfüllanlage. Die Flaschen und Fässer werden im Inland und in mehr als 40 Länder bis nach China verkauft. Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei ist ein Unternehmen der Bitburger Gruppe. Foto: dpa

Bad Köstritz. Scheppernd und wie von Geisterhand sausen unzählige leere Bierflaschen übers Band, werden gereinigt, von alten Etiketten befreit und neu befüllt. Rund 50.000 Flaschen pro Stunde schafft die Maschine in der Abfüllung der Köstritzer Schwarzbierbrauerei in der Nähe von Gera.

Die Flaschen und Fässer mit dem Gerstensaft „made in Ostthüringen” gehen anschließend in alle Winkel Deutschlands und mehr als 40 Länder bis nach China. Dabei war das untergärig mit dunklem Röstmalz gebraute Bier zeitweise fast vom Markt verschwunden.

„Die ostdeutschen Brauereien haben das Schwarzbier am Leben gehalten, sonst gäbe es das heute gar nicht mehr”, sagt Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund. Der Schwerpunkt liege in Thüringen und Sachsen. Denn dominierten bis vor gut 100 Jahren die dunklen Biere, setzte sich danach der helle Gerstensaft vor allem nach Pilsener Brauart durch. So wurde das Schwarzbier fast verdrängt und erlebte erst nach der Wiedervereinigung ein Comeback.

Zwar handele es sich um eine regionale Spezialität, sagt Huhnholz. Aber der Marktanteil liege mit 1,6 Prozent inzwischen etwa gleichauf mit Kölsch und sogar über dem von Bockbier und Alt. Deren Anteil am Verkauf im Einzelhandel und in Abholmärkten wird vom Brauer-Bund für 2010 mit 0,5 Prozent (Bock) und 1,2 Prozent (Alt) angegeben.

Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der zur Bitburger-Gruppe gehörenden Brauerei in Bad Köstritz, die mit einem Anteil von etwa 30 Prozent nach eigenen Angaben Marktführer für Schwarzbier in Deutschland ist. Wurden hier 1989 etwa 12.000 Hektoliter Schwarzbier im Jahr gebraut, ist der Ausstoß bis heute auf rund 380.000 Hektoliter hochgeschnellt, wie Geschäftsführer Albrecht Pitschel schildert. „Das sind mehr als 50 Prozent unserer Gesamtproduktion.” Anders als bei etlichen Ost-Marken, die in den alten Bundesländern nur wenig bekannt seien, werde inzwischen etwa die Hälfte des Köstritzer Schwarzbiers in Westdeutschland verkauft.

„Hier in Bad Köstritz wird seit 1543 ununterbrochen Schwarzbier gebraut”, betont Pitschel. Dazu sind heute rund 170 Menschen am Standort beschäftigt. Zu DDR-Zeiten habe der Schwarzbier-Anteil bei unter 5 Prozent der Gesamtproduktion gelegen, der Großteil davon wiederum sei nach Ungarn gegangen. Aktuelle Zahlen zu Umsatz und Gewinn will die Brauerei nicht nennen.

Nach der Wiedervereinigung und der Übernahme durch die Bitburger-Gruppe wurde 1993 der deutschlandweite Vertrieb aufgenommen. Wie viele der insgesamt rund 1300 Braustätten in Deutschland ebenfalls Schwarzbier herstellen, kann Huhnholz nicht sagen.

Als Spezialität kann sich Schwarzbier nach Pitschels Worten bisher weitgehend dem Preiskampf im Einzelhandel entziehen. Zugleich geht aber der Bierkonsum in Deutschland zurück: Der deutsche Biermarkt ist im vergangenen Jahr das vierte Mal in Folge geschrumpft - trotz der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Absatz sank auf 98,3 Millionen Hektoliter. Die Ostthüringer geben sich dennoch optimistisch: „Wir wollen in den kommenden Jahren unsere Position beim Schwarzbier ausbauen und Marktanteile hinzugewinnen”, sagt Pitschel.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert