Beben am Niederrhein: „Das Bett bewegt sich!”

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Der Seismograph der Erdbebenwarte Bensberg in Bergisch-Gladbach hat das Erdbeben vom Donnerstagabend aufgezeichnet. Das Erdbeben der Stärke 4,4 hat viele Menschen im Westen Deutschlands aufgeschreckt. Foto: dpa

Goch/Kleve. Es ist kurz nach neun Uhr abends, als die Menschen am Niederrhein in der Gegend von Goch einen dumpfen Knall, ein Rauschen und ein Grollen hören. Hunde werden unruhig, dann bebt die Erde zweimal. Gläser in Vitrinen klirren, wie von Geisterhand bewegen sich Sessel und Betten.

Viele Menschen verlassen fluchtartig ihre Häuser. Einige glauben an einen Flugzeugabsturz am Niederrhein-Flughafen Weeze, andere an eine Explosion oder an Riesen-Lastwagen, die über die Straßen donnern.

„Ich bin nach oben gerannt und habe die Kinder aus den Betten geholt”, sagt die Rechtsanwaltsfachangestellte Sabine Wasel am Morgen nach dem Beben, das die Stärke 4,4 hatte. „Ich hab an einen Flugzeugabsturz gedacht, nicht an ein Erdbeben”, sagt die 36-Jährige aus Weeze. Alle Nachbarn seien auf die Straße gestürzt.

Wasel hörte zuerst ein Grollen, während der 65-jährige Günter Wienrich auf der Terrasse ein „zischendes Rauschen” wahrnahm. „Dann kamen zwei Stöße hintereinander, erst ein leichter, dann ein schwererer”, sagt er. „Ein bisschen Staub ist aus der Decke gerieselt.” Die Leute am Niederrhein haben schon öfter Erdbeben erlebt. „Aber das hier war schon grenzwertig”, sagt Wienrich.

Auch wenn das Beben keine Schäden angerichtet hat, so war es doch für Deutschland relativ stark. Die Menschen in Goch sind erschrocken. „Man fühlt sich so unsicher, weil man es nicht einordnen kann”, sagt Ruth Jürgens. „Keine Sirene ging, keine Feuerwehr kam.” Erst eine Stunde nach den Erdstößen erfuhren die Menschen in Goch aus dem Fernsehen, dass sie im Epizentrum eines Erdbebens waren. „Es war eine deutliche Horizontalbewegung des ganzen Hauses”, sagt die 38-jährige Jürgens. „Die Kinder standen sofort im Wohnzimmer.”

„Zuerst dachte ich, ich hätte ein Kreislaufproblem”, sagt die 20-jährige Friseurin Tanja Schlicht aus Kevelaer. „Dann dachten wir, etwas ist in die Luft gegangen.” Der 54-jährige Theo Versteegen sagt: „Die Hunde wurden ganz unruhig.” Und auch in den nahe gelegenen Niederlanden schreckten die Erdstöße die Menschen auf.

„Unheimlich war das”, „aufregend”, „ein komisches Gefühl” - das Erdbeben ist am Freitag von Goch bis Kleve in Geschäften, Cafés und in Büros das Tagesgespräch. Auch im 70 Kilometer von Goch entfernten Düsseldorf war das Beben zu spüren. Die sechsjährige Ricarda Härdter hatte ihren aufregenden ersten Schultag hinter sich und war gerade erst eingeschlafen. „Mama, das Bett bewegt sich”, hören die Eltern plötzlich eine verängstigte Stimme aus dem ersten Stockwerk. Im Bett sitzt ein weinendes Kind, das ein Monster unter dem Bett sucht. Die Eltern glauben an einen schlechten Traum, bis klar wird, dass das „Monster” ein Erdbeben war.

Rosario Sinatra, der in einer Textilfabrik Spätschicht hatte, als die Erde bebte, ließ sich jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. „Ich komme aus Sizilien, ich kenne das.”
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