München - Ausgeknipst: Das langsame Verschwinden der Glühbirne

Ausgeknipst: Das langsame Verschwinden der Glühbirne

Von: Stephanie Hoenig, dpa
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Glühbirne
Glühbirnen hamstern ist überflüssig: Als Ersatz gibt es inzwischen auch Energiesparleuchten und Halogenlampen in bekannten Formen und mit den gleichen Schraubsockeln. Foto: dpa

München. Rund 130 Jahre, nachdem Thomas Alva Edison die Glühbirne zur Marktreife gebracht hat, wird sie in Europa schrittweise ausgeknipst. Energiesparlampen sollen sie ersetzen. Viele Verbraucher verunsichert das, und mancher denkt an Glühbirnen-Hamsterkäufe.

Schließlich soll der schöne alte Kronleuchter nicht durch klobige Energiesparlampen verunstaltet werden oder sogar ganz aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Dazu kommt ein seit einigen Wochen schwelender Expertenstreit, ob die Sparleuchten wirklich ein Gewinn für Umwelt und Geldbeutel sind.

„Das Hamstern von Glühbirnen ist nicht notwendig”, beruhigt Lars Stühlen vom Hersteller Osram in München. Denn Verbraucher haben als Ersatz für ihre Glühlampen Energiesparleuchten und Halogenlampen zur Auswahl. Sparlampen und Halogenlampen gebe es mit den gleichen Schraubsockeln (E27 Glühlampe und E14 Kerzenbirne). Moderne Energiesparlampen, bei denen es sich um gefaltete Leuchtstofflampen handelt, würden längst auch in Glühlampenform angeboten. Die Leuchtstoffröhre sei dann mit einem Glaskolben umhüllt.

„Energiesparlampen halten deutlich länger als Glühlampen, die im Schnitt nach 1000 Stunden schlapp machen”, sagt Lothar Beckmann von der Stiftung Warentest in Berlin. Die Lebensdauer reiche von 5000 bis 15.000 Betriebsstunden. Dies sei meist auf der Verpackung angegeben.

Energiesparlampen senken den Stromverbrauch um bis zu 80 Prozent. Wer Geld und Energie sparen will, sollte - so die Deutsche Energie Agentur (dena) in Berlin - sofort mit dem Austausch der Lampen beginnen. Denn der Umstieg von einer 60-Watt-Glühlampe auf eine ebenso helle 11-Watt-Energiesparlampe spare über die Lebenszeit der Energiesparlampe schon fast 100 Euro Stromkosten. Angenommen werden bei dieser Rechnung ein Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde und eine Lebensdauer der Energiesparlampe von 10.000 Stunden.

Genau diese Rechnung wird jedoch von einigen Experten angezweifelt. „Von Energiesparlampen als Ersatz für Glühlampen ist abzuraten, weil sie nicht soviel Energie sparen wie Hersteller und Politiker anführen”, sagt Gabriele Achstetter von der in Frankfurt erscheinenden Zeitschrift „Öko-Test”. In einem Test des Magazins (Ausgabe 10/2008) seien getestete Sparlampen deutlich weniger hell gewesen als die Glühlampen, die sie ersetzen sollten. Zudem seien die Sparlampen im Laufe der Zeit immer dunkler geworden, und etliche Sparlampen fielen frühzeitig aus, vor allem wenn sie häufig an- und ausgeschaltet wurden.

„Ein bisher wenig beachteter Aspekt ist, dass die Bewohner laut einer britischen Untersuchung ihre Räume mit Sparlampen um zwei bis drei Grad stärker beheizen als wenn sie Glühlampen einsetzen”, sagt Achstetter. Das Licht der Energiesparlampen wirke sich direkt auf die gefühlte Temperatur aus. Nicht außer acht gelassen werden sollte, dass Sparleuchten die Umwelt durch Quecksilber belasteten, weil nur zehn Prozent der Haushalte die Energiesparlampen korrekt als Sondermüll entsorgten.

Als „unverantwortlich” bezeichnet Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektrische Lampen in Frankfurt/Main, diese Aussagen. Denn trotz der vom ZVEI als methodisch unzureichend kritisierten „Öko-Test”-Messungen falle die energetische Gesamtbilanz zu Ungunsten herkömmlicher Glühlampen aus. Mit Ausnahme einer „Billiglampe” reiche dafür schon die längere Lebensdauer. Eingesparte Stromkosten kämen noch hinzu.

Die Qualität von Energiesparlampen wurde von der Stiftung Warentest seit 1983 ständig überprüft, zuletzt in Februar 2008. „Es gibt keinen Grund, die technisch überholten Glühbirnen weiter brennen zu lassen”, sagt Warentester Beckmann. Denn heutige Energiesparlampen seien deutlich besser geworden.

Auch häufiges Ein- und Ausschalten mache den neuen Produkten mit Vorheizung wenig aus. Vorheizung bedeutet, dass die Elektroden der Energiesparlampe für ein paar Sekundenbruchteile vorgewärmt werden. Dadurch halten sie wesentlich länger. Es gebe inzwischen auch spezielle Energiesparlampen, die sogar gedimmt werden können.

„Beim Austausch von Lampen sollte immer beachtet werden, dass das Design der Leuchte erhalten bleibt”, rät Bernd Glaser von Philips Licht in Hamburg. Ersetzt werden könnten sichtbare Glühbirnen in Kronleuchtern oder Lüstern durch Halogenlampen, deren Form der der Glühbirne entspricht. Neben einer besseren Energieausbeute - diese liegt nach Angaben von Stühlen je nach Fabrikat und Modell zwischen 30 und 50 Prozent- ist auch ihre Lebensdauer mit etwa 2000 Betriebsstunden rund doppelt so hoch wie die von Glühlampen.

100-Watt-Lampen verschwinden als erste

Klassische Glühlampen haben die schlechten Energie-Effizienzklassen E, F und G. Um Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen, wird vom September 2009 an zunächst der Verkauf aller matten Birnen sowie der von klaren Birnen mit 100 Watt Leistung untersagt. Im September 2010 folgen 75-Watt-Birnen, ein Jahr darauf die 60-Watt-Leuchten. Ab September 2012 werden dann die letzten 40- und 25-Watt-Birnen vom Markt genommen. Ab September 2016 müssen der entsprechenden EU-Richtlinie zufolge alle Leuchtmittel mindestens die Energie-Effizienzklasse B besitzen.
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