Anime: Wie die Kulleraugen die Welt eroberten

Von: Moritz Schröder, dpa
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Die Ausstellung „Anime! High Art - Pop Culture” in der Bundeskunsthalle in Bonn ist vom 29.07.2011 bis 08.01.2012 zu sehen. Foto: dpa

Bonn. Sie sind laut, knallbunt, manchmal niedlich, manchmal erschreckend düster. In der Bonner Bundeskunsthalle können Besucher ab Freitag bis zum 8. Januar 2012 in die große Welt der japanischen Zeichenkunst „Anime” eintauchen.

Gäste sollten Zeit mitbringen. Es ist schwer, sich loszureißen, wenn Kinohelden mit gewaltigen Schwertern und Engelsflügeln über die Leinwand fliegen. Und auch die zahlreichen Skizzen der Anime-Charaktere, Spielfiguren, Plakate, Videospiele und Manga-Comics ringen um Aufmerksamkeit.

Daniel Keinhorst ist diese Welt inzwischen gut vertraut. Mit geschultem Blick mustert der 19-Jährige die bunten Zeichnungen in den Schaukästen. „Früher habe ich mit Serien wie „Sailor Moon” und „Dragonball” angefangen. Heute schaue ich die Anime am liebsten im japanischen Original. Da wird nichts zensiert.” Ihn fasziniert die große Vielfalt des Genres, die in der Ausstellung zu sehen ist. Niedliche Kinderfiguren gehören genauso dazu wie erschreckende Mischwesen zwischen Mensch und Maschine.

Das Wort „Anime” bezeichnet die gesamte Spannbreite der japanischen Kunst, Zeichnungen im Film zum Leben zu erwecken. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden in Japan die ersten animierten Kurzfilme. Seit den 50er Jahren sind die Anime auch international immer beliebter geworden. „Früher haben die Zeichner ihre Entwürfe einfach weggeworfen, wenn sie fertig waren. Heute sind das Sammlerstücke”, sagt Kuratorin Jessica Niebel. Einzelne Zeichnungen seien für mehrere zehntausend Euro verkauft worden.

Zum Erfolg beigetragen haben die Werke von Osamu Tezuka, von denen einige auch in der Bundeskunsthalle zu sehen sind. Die großen Kulleraugen der Figuren und die Mischung aus Futurismus und Melancholie sind markante Merkmale seiner Produktionen. Die Anime erzählen aber längst nicht nur japanische Geschichten. Wohl kaum jemand weiß, dass auch die in Deutschland bekannten Serien „Wickie und die starken Männer”, „Die Biene Maja” und „Alice im Wunderland” zum Großteil in Japan entstanden sind. Die Serie „Heidi” ist sogar eine komplett japanische Produktion. „Deshalb sieht Heidi auch ein wenig japanisch aus”, sagt Kuratorin Niebel.

Neben den Kinderserien finden Besucher auch bedrückende Stoffe in der Ausstellung. Themen wie Krieg, Umweltkatastrophen und die negativen Folgen moderner Technologien sind ebenso Inhalte der Filme. „Das sind Reaktionen der japanischen Psyche auf das, was das Land erlebt hat”, sagt Niebel.

Zwischen den Schaukästen und Monitoren der Ausstellung bleiben die Blicke der Besucher schnell an den Kostümen der „Cosplayer” hängen. Diese exzentrisch-verspielten Verkleidungen haben sich die Anhänger der Kunst auf Basis ihrer Lieblingscharaktere angefertigt. So haben die Anime-Figuren auch die wirkliche Welt erobert.
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