Amateure kritisieren DFB-Werbeaktion für Pay-TV

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Sky
Die Werbeaktion des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) mit dem Pay-TV-Sender Sky für ein Sonntags-Abonnement löst bei Amateurclubs immer mehr Unmut aus. Foto: ddp

Hannover/Frankfurt. Die Werbeaktion des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) mit dem Pay-TV-Sender Sky für ein Sonntags-Abonnement löst bei Amateurclubs immer mehr Unmut aus. „Das Lockangebot von DFB und Sky ist ein Affront gegen die Vereine”, klagte Rolf Jägerberg vom Kreisligisten Eintracht Hannover in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Dienstag).

Der Clubchef kritisierte: „Da wird versucht, die Zuschauer von den Amateurplätzen wegzulocken.”

Der DFB hatte rund 27.000 Vereine angeschrieben und ein spezielles Sky-Angebot für die Spiele am Sonntag unterbreitet - dem Hauptspieltag der Amateure. „Wir haben keinen Verein in keiner Weise zu irgendetwas verleitet oder veranlasst”, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Dienstag zu der Offerte.

„Hanebüchen”, hatte Reiner Grundmann vom Kreisligisten SC Schaffrath aus Gelsenkirchen das DFB-Vorgehen in der „Frankfurter Rundschau” genannt. Der Clubchef sagte angesichts der sinkenden Zuschauerzahlen bei unterklassigen Clubs: „Da müssten wir ja Prügel wert sein, wenn wir diese Leute noch animieren würden, lieber ins Vereinsheim zu gehen und Bundesliga zu gucken.”

In der Kritik steht auch, dass die Vereine dem Pay-TV-Sender für das spezielle Abonnement zum Preis von 49 Euro die Adressen der Mitglieder liefern sollen. Der DFB sei auf Wunsch einiger Vereine auf den Sender zugekommen, sagte Sky-Sprecher Ralph Fürther am Dienstag. „Wir haben das gemeinsam entwickelt”, erklärte er. „Wir bekommen die Adressen”, erklärte er und betonte, dass keine Datenschutz- Richtlinien verletzt werden. Bis zu zweimal im Jahr erhalten die Vereinsmitglieder, deren Adressen von den Vereinen weitergegeben worden sind, Werbebriefe des Pay-TV-Senders. Darin sollen private Sky-Abonnements angeboten werden.

„Sky hat das Interesse, dass das Angebot nicht missbraucht wird”, kommentierte DFB-Chef Zwanziger: „Ich bin mir absolut sicher, dass keinerlei datenschutzrechtlichen Belange betroffen sind.” Der DFB sei lediglich als Mittler aufgetreten. DFB-Direktor Helmut Sandrock, erklärte, dass es für den Verband von Anfang an klar gewesen sei, „dass wir keinen Verein zwingen wollen und werden, seine Mitgliedsdaten offenzulegen oder Briefkastenwerbung zuzulassen. Deshalb steht eindeutig im Vertrag, dass diesen beiden Punkte die Vereine nur vorbehaltlich der rechtlichen Zulässigkeit und Umsetzbarkeit zustimmen können. Das funktioniert also nur auf Basis der gesetzlichen Vorgaben und Freiwilligkeit.”

Bisher hat der DFB nach eigenen Angaben 139 Abonnements von Vereinen aus 15 Landesverbänden vermittelt. Die Bedenken der Datenschutzbehörden sind nach Angaben des Verbandes inzwischen geklärt.

Das neue Modell der Bundesliga mit Spielen am Sonntag um 15.30 Uhr stand von Beginn an in der Kritik. Amateurvereine fürchten weitere Zuschauereinbußen. Nach Angaben der „HAZ” hatten einige kleine Clubs der niedersächsischen Landeshauptstadt am Sonntag einen Zuschauer- Rückgang von mehr 50 Prozent, weil zeitgleich Hannover 96 gegen Werder Bremen spielte.

Die Homepage wurde aktualisiert