17-Jähriger ist Deutschlands einziger Synchronschwimmer

Von: Jan Filipzik, ddp
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Synchronschwimmer Niklas Stoepel (vorne, r.) trainiert am Sonntag (03.05.09) in Bochum in einem Schwimmbad mit seinen Mannschaftskameradinnen. Stoepel ist Deutschlands einziger männlicher Synchronschwimmer im Leistungssport. Mit seinem Team "Freie Schwimmer Bochum" hat er bei den deutschen Jugendmeisterschaften den dritten Platz belegt. Foto: ddp

Bochum. Bei Wettkämpfen ist Niklas Stoepel regelmäßig allein in der großen Umkleidekabine. Und auch unter der Dusche, wo er sich vor und nach seinen Auftritten abspült, steht der 17-jährige Bochumer ganz allein.

„Ehrlich gesagt finde ich das praktischer, als wenn ich ständig von anderen Sportlern umgeben wäre”, sagt der Gymnasiast und grinst. Und spätestens im Wasser der Schwimmhallen trifft er auch auf seine Mannschaftskameraden. Oder besser gesagt Kameradinnen, denn Niklas Stoepel ist Deutschlands einziger männlicher Synchronschwimmer im Leistungssport.

An seinen Exotenstatus hat sich der 17-jährige längst gewöhnt. „Ich mache den Sport seit ungefähr zehn Jahren, und auch meine Teamkolleginnen kenne ich seit mehreren Jahren.” Ganz allein unter Frauen? „Für mich ist das inzwischen völlig normal”, sagt der Hardrock- und Metal-Fan. Dass er von Fremden wegen seiner Leidenschaft manchmal schief angeguckt und für homosexuell gehalten wird, stört ihn schon lange nicht mehr. „Synchronschwimmen erinnert viele Männer einfach zu sehr an Ballett”, vermutet Niklas. „Die trauen sich nicht, das einmal auszuprobieren.” Er selbst hat durch seine Cousine die Begeisterung für das Synchronschwimmen entdeckt. „Sie hat mich eines Tages einfach mitgeschleift”, erinnert sich Niklas.

Tatsächlich gebe es trotz Emanzipation und Gleichberechtigung nach wie vor einige Sportarten, die typische Frauen- beziehungsweise Männerdomänen sind, erklärt Dorothé Voss, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Landessportbund Nordrhein-Westfalen, der mehr als fünf Millionen Mitglieder in rund 20.000 Vereinen vertritt. Neben Synchronschwimmen zählten dazu zum Beispiel der Motorsport-Bereich, in dem fast ausschließlich Männer anzutreffen sind, sowie Cheerleading, Skispringen oder bestimmte turnerische Disziplinen.

Auch wenn Ballett für eine bessere Körperspannung früher wirklich Bestandteil von Niklas Training war, sind diese Zeiten inzwischen vorbei. Heute steht Niklas dagegen rund die Hälfte der Trainingszeit mit seinen sechs Mannschaftskolleginnen in der Turnhalle, wo Kraft- und Ausdauerübungen gemacht werden. Tatsächlich ist es für ihn als Mann in dieser Sportart oft sogar schwerer als für Frauen. Das gilt insbesondere bei Wettkämpfen. „Auf mich wird einfach viel stärker geachtet, weil ich mehr auffalle”, sagt der Schüler. „Manche Kampfrichter bewerten mich auch ein wenig schlechter, weil sie der Meinung sind, Synchronschwimmen sei ein Sport nur für Frauen.”

Damit sie für eine schlechtere Bewertung keinen Grund haben, trainiert Niklas hart. „In der Wettkampfvorbereitung gehe ich sechs bis acht Mal in der Woche zum Training”, sagt er. Morgens um halb sieben vor dem Unterricht und jedes Wochenende - Niklas ist oft im Wasser. Hinter einer fertigen Kür von rund vier Minuten Länge stecken sechs bis acht Monate harte Arbeit. Für Partys und Freunde bleibt da oft wenig Zeit. Manchmal nervt ihn das schon ein wenig, doch der Erfolg - im April hat er mit seiner Mannschaft „Freie Schwimmer Bochum” bei den deutschen Jugendmeisterschaften den dritten Platz belegt - macht das alles wieder wett.

Seine Freunde haben seine außergewöhnliche Leidenschaft inzwischen akzeptiert. „Von denen guckt mich deswegen niemand mehr komisch an, im Gegenteil. Wenn ich einen Wettkampf habe, dann kommen sie sogar zum Zuschauen”, sagt Niklas. Vor kurzem hat er seinen Trainerschein gemacht, um nun auch selbst unterrichten zu können. Über mehr männliche Konkurrenz würde Niklas sich übrigens freuen. „Der Sport hat Respekt verdient - und vielleicht finden sich ja irgendwann doch noch ein paar Männer, die Spaß daran haben”, sagt er und lacht.
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