Kommentiert: Heidi, Willy Wonka und Rezepte aus der Hölle

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zur Webansicht Mi. 13.12.2017

Kommentiert: Heidi, Willy Wonka und Rezepte aus der Hölle

Ein Kommentar von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:

Instagram steht bekanntermaßen vor allem für eins: Die perfekte Optik.

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Ob es sich nun um das „Outfit of the day“ handelt oder das Abendessen, das so mühevoll in Szene gesetzt wurde, dass es fast schon an Vandalismus grenzt, es mit solch rohem Werkzeug wie Messer und Gabel zu zerstören. So wundert es nicht, dass Topmodel Heidi Klum das Soziale Netzwerk nutzt, um zum Casting für die neue Staffel ihrer Sendung „Germany’s Next Topmodel“ aufzurufen.

Unter dem Hashtag #IchbinGNTM2018 sollen junge Frauen perfekt inszenierte Fotos von sich posten – in der Hoffnung, das „Goldene Ticket“ zu ziehen. Nur, dass dieses Ticket nicht in Willy Wonkas Schokoladenfabrik führt, sondern in die nächste Casting-Runde der ewig schlanken Hochgewachsenen. Und Schokolade gibt es dort vermutlich höchstens als „Challenge“ beim Fotoshooting – auf dem Körper verschmiert statt genüsslich verspeist.

Doch wie so häufig in den Sozialen Netzwerken hat auch dieser digitale Aufruf eine Eigendynamik entwickelt, die Heidi Klum so vermutlich nicht erwartet hätte. Etliche Instagram-Nutzer protestieren gegen das umstrittene Prosieben-Format. Unter dem Gegen-Hashtag #NotHeidisGirl veröffentlichen sie Bilder von sich und erklären, warum sie die Sendung und das damit einhergehende Körperbild ablehnen.

So posiert etwa eine Nutzerin mit einem Stück Pizza in der Hand und dem Schriftzug „Weil es einfach nur krank ist, Frauen so auf Schönheit zu trimmen! (Und Heidis Ernährungstipps direkt aus der Hölle kommen.)“ Eine weitere präsentiert stolz ihren Bauch, der nicht nur weit vom durchtrainierten Sixpack entfernt, sondern auch von Schwangerschaftsstreifen gezeichnet ist. Ihre Botschaft: „Weil ein Kind Spuren hinterlässt!“ Ins Leben gerufen wurde die Kampagne von der feministischen Gruppe „Vulvarines“ aus Mönchengladbach.

Der Clou des Ganzen: Weil die Unterstützer auch den von Heidi Klum ins Leben gerufenen Casting-Hashtag verwenden, sind unter #IchbinGNTM2018 deutlich mehr Fotos von Frauen (und Männern) zu finden, die Klums Sendung ablehnen, als Bilder von potenziellen Teilnehmerinnen. Die Juroren werden also alle Hände voll zu tun haben, um Topmodel-Kandidaten aus den Bildern herauszufiltern – die zwar nicht perfekt inszeniert, dafür aber umso natürlicher sind.

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