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zur Webansicht Mo. 21.04.2014

Qual der Wahl: Strabag oder die Innenstadt?

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Noch deutlicher kann es Regierungspräsidentin Gisela Walsken der Kupferstadt Stolberg gar nicht mehr mitteilen: „Sollte die Stadt an ihren Plänen festhalten, kommt eine Förderung von Maßnahmen in der Innenstadt mit Mitteln der Städtebauförderung nicht mehr in Betracht.“ Immerhin hat sich Stolberg in Köln um Zuschüsse in Höhe von 7,6 Millionen Euro beworben.

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Regierungspräsidentin Gisela Walsken stellt die Kupferstadt vor die Qual der Wahl: Realisiert Stolberg den Einzelhandelsstandort auf dem Zincoli-Gelände gibt‘s kein Fördergeld für die Innenstadt. Foto: J. Lange

Was die Kölner Bezirksregierung zu dieser eindeutigen Haltung bringt, ist das Strabag-Projekt auf der Industriebrache der Zincoli an der Mauerstraße. Die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel ist nicht innenstadtverträglich, das Zentrenkonzept in sich nicht schlüssig. Die Regierungspräsidentin denkt nicht daran, Stolberg das erforderliche Testat zu geben.

Jetzt stehen Rat und Verwaltung vor der Qual der Wahl: Wird großflächiger Einzelhandel in Münsterbusch realisiert, dann gibt‘s kein Geld für die Innenstadt. Fließt Geld für die Innenstadt, müssen sich die Stolberger wohl von den bisherigen Plänen auf dem Zincoli-Gelände verabschieden.

Die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes (2500 m2 Verkaufsfläche), eines Discounters (1000 m²) und eines Drogeriemarktes (1000 m²) neben einem Bau- und Gartenmarkt (6800 m²) in Münsterbusch wird in Köln mehr als kritisch gesehen. „Der Innenstadt droht dann ein Verlust an Kaufkraft“, erklärte RP-Sprecherin Freia Johannsen auf Anfrage unserer Zeitung.

Detailliert habe die Behörde mit Schreiben vom 22. Januar – es traf Montag bei Stadt und Städteregion ein – erklärt, dass Stolbergs neues Zentrenkonzept in sich unschlüssig und widersprüchlich sei. „Es kann nicht sein, dass Münsterbusch als zentraler Versorgungsbereich Atsch und Büsbach versorgen soll, diese Stadtteile aber gleichzeitig ebenso als eigene Versorgungsbereiche gelten“, so die Pressesprecherin.

Genau das habe die Stadt vorgeschlagen und noch mehr: Münsterbusch soll nicht nur die Nahversorgung im Stadtteil, sondern auch die für Unterstolberg, Oberstolberg, Donnerberg, Atsch und Büsbach übernehmen. Dies konkurriere mit der Einstufung von Unter- und Oberstolberg als Hauptzentrum. „Es ist ein Widerspruch, dass das Hauptzentrum vom Stadtteilzentrum versorgt wird“, erklärt die Bezirksregierung. Und für den Donnerberg werde ein weiteres Versorgungszentrum geplant. In Köln hat man den Eindruck, dass Stolberg Begriffe ohne Kenntnis ihrer Bedeutung gewählt habe.

Die Konzentration von Nahversorgern in Münsterbusch widerspreche dem von Stolberg selbst formulierten Ziel einer fußläufigen Erreichbarkeit der Nahversorgung im Stadtgebiet. Und die Behauptung, im Hauptzentrum keine großflächigen und frequenzstarke Betriebe ansiedeln zu können, habe die Stadt durch die Kaufland-Ansiedlung selbst widerlegt.

Bereits das aktuelle Nahversorgungs-Angebot in Münsterbusch „übertrifft schon heute die Nachfrage aus dem Stadtteil“, erklärt die Bezirksregierung. Eine weitere Ausdehnung auf das Zincoli-Gelände sei noch nicht einmal für eine zusätzliche Versorgung von Atsch und Büsbach erforderlich. Weitere Magnetbetriebe an der Mauerstraße würden den Kern des Stadtteils im Schatten der Kirche schwächen. Die Existenz des Netto-Marktes werde gefährdet, und widersprüchlich sei die Bauleitplanung, die in Münsterbusch die Expansion von Lidl ermöglicht habe.

Weiterhin geht die Bezirksregierung auf die Auswirkungen des Strabag-Projektes auf die Innenstadt ein. Bereits das vom Investor beauftragte Gutachten bescheinigt der City bis zu vier Millionen Euro Einbußen an Umsatz. Dabei seien Kopplungskäufe noch nicht berücksichtigt. Die Schließung eines Drogeriemarktes sei prognostiziert, die Aufgabe der Aldi-Filiale nicht ausgeschlossen.

Unberücksichtigt geblieben sind im Gutachten Auswirkungen auf die angestrebte Reaktivierung der Innenstadt und Chancen neuen Einzelhandels. Die Bezirksregierung konstatiert, dass die geplante Konkurrenz auf dem Zincoli-Gelände und der Wegfall weiterer Magneten in der Innenstadt, „das Ziel, den Einzelhandel im Stadtkern zu stärken, nicht erreicht werden kann“. Und dies gelte nicht nur für die Nahversorgung, sondern auch für die geplanten Nebensortimente.

Das Strabag-Projekt werde die Innenstadt weiter schwächen und eine Reaktivierung erheblich erschweren. Damit konterkariere das Projekt die geplanten Anstrengungen zur Stadterneuerung, die Stolberg im „Entwicklungskonzept Tal­achse“ formuliert habe, und damit den Einsatz von Fördermitteln. Dabei hätte die Stadt doch angekündigt, die Rahmenbedingungen für bestehende und neue Betriebe in der Innenstadt verbessern zu wollen.

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