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zur Webansicht Mo. 15.09.2014

Karnevalsprinz Gonzalez: „Stolberger Narren sind die besten“

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Wenn er am Freitagabend den Rittersaal der Burg als Bürger betritt, wird er ihn darauf als närrischer Regent der Kupferstadt verlassen: Edilio Gonzalez wird als Stolberger Karnevalsprinz inthronisiert. Mit dem „Spanische Stolberger Jong“ sprach Dirk Müller über seinen Werdegang, seine Liebe zum Fastelovvend und zur Kupferstadt.

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An diesem Fettdonnerstag macht der Stolberger Zorro Pause, denn Edilio Gonzalez wird am Freitag im Rittersaal der Burg feierlich als Kupferstädter Karnevalsprinz Edilio I. inthronisiert. Foto (Repro): D. Müller Foto: D. Müller

Wie sind Sie nach Deutschland und in unsere Region gelangt?

Gonzalez: Na ja, eigentlich wollte mein Vater, der auch Edilio hieß, nach Australien auswandern, das hatte sich allerdings zerschlagen. Dann überlegte er, nach Frankreich zu ziehen, aber daraus wurde auch nichts. Letztendlich fing er dann in Deutschland an zu arbeiten, hat 1963 die Autobahn 4 von Aachen nach Köln mitgebaut und unsere Familie nach Stolberg geholt.

Wie haben Sie die erste Zeit in einem damals noch fremden Land erlebt?

Gonzalez: Es war aufregend und ganz schön spannend. In unserem ersten Stolberger Winter haben meine Geschwister und ich zum Beispiel auch zum ersten Mal in unserem Leben den Schnee erlebt. Wir wussten gar nicht, was wir damit machen sollen, also haben mein Vater, mein Bruder José und ich Fußball im Schnee gespielt. Außerdem kamen wir ja aus einer eher ländlichen Gegend, und an meinen ersten Besuch der Spielwarenabteilung in einem deutschen Kaufhaus werde ich mich wohl immer erinnern. So viel tolles Spielzeug auf einen Haufen hat mich als kleinen Jungen ungemein beeindruckt. Und dann war da natürlich der Karneval...

Haben Sie schon als Kind die fünfte Jahreszeit gefeiert?

Gonzalez: Ja klar! Meine Mutter Maria hat damals immer die Kostüme für uns Kinder selbst genäht. Ich habe immer die Karnevalszüge angeschaut, die fand ich als kleiner Knirps schon klasse. Besonders die prächtigen Prinzen habe ich immer voller Bewunderung bestaunt und gedacht, wie schön das sein muss, all die Jecken zu regieren und überall für Spaß und gute Laune zu sorgen.

Auch heute ist es noch eine große Leidenschaft von Ihnen, sich an den Tollen Tagen zu verkleiden.

Gonzalez: Das stimmt, ich war schon Gangster, Engel, Rocker, Bauer, D‘Artagnan von den vier Musketieren, Soldat, Bayer, Reporter und vieles mehr. Seit rund 15 Jahren gehe ich am Fettdonnerstag immer als Zorro, und an den anderen Karnevalstagen probiere ich gerne originelle Kostüme aus. Bei dieser Experimentierfreudigkeit habe ich schon manche gute, aber auch weniger gute Erfahrungen gemacht...

Bitte nennen Sie Beispiele für diese Kostüm-Erfahrungen.

Gonzalez: Einmal war ich auch als Frau verkleidet – das war echt super, weil es bei den Frauen so gut angekommen ist. Sie mochten meine Beine in Nylonstrumpfhosen. Weniger gute Erinnerungen habe ich an ein Römer-Kostüm: Ich war mit nackten Armen und Beinen unterwegs, und es herrschten Minusgrade. Seit diesem Karneval weiß ich, was Kälte ist.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie nun Karnevalsprinz werden?

Gonzalez: Vor drei Jahren habe ich ganz locker während der Tollen Tage am Tresen gesagt: „Ich will auch Stolberger Prinz sein.“ Das haben wohl auch Leute aus der Ersten Großen KG und der Ehrenhut gehört. Es war eigentlich immer schon mein Traum, einmal der König der Narren zu sein, jetzt ist es soweit, und ich freue mich sehr darauf, denn es ist etwas ganz besonderes, Karnevalsprinz der Kupferstadt zu sein. Es ist eine große Ehre für mich.

Was ist für Sie das Besondere daran, Stolberger Prinz zu sein?

Gonzalez: Dass ich Karnevalsprinz in meiner Stadt bin. Ich lebe hier sehr gerne, Stolberg ist die schönste Stadt in unserer Region – das steht für mich absolut außer Frage. Die traditionelle Proklamation in der Burg ist schon ein Highlight: In dem wunderschönen Wahrzeichen unserer Stadt vom Bürger zum närrischen Regenten zu werden, ist für mich eine ganz große Sache. Und dann bin ich mir sicher, dass es eine großartige Session wird, denn das Stolberger Publikum ist fantastisch. Das weiß ich ja schon hundertprozentig.

Wie können Sie das schon vor Ihrer Proklamation wissen?

Gonzalez: Bei der Prinzenvorstellung des Karnevalskomitees der Stadt habe ich ja leider meinen Text vergessen. Vorher konnte ich die Rede perfekt auswendig, aber als ich im Münsterbuscher Jugendheim auf der Bühne stand, und all die Jecken gesehen habe, hat die derart beeindruckende Kulisse des vollen Saals mir fast den Atem genommen. Ich hatte ein totales Blackout, aber niemand hat gepfiffen, mich ausgebuht oder ist gegangen. Alle haben in ausgelassener Stimmung mit mir gefeiert und es mir nicht verübelt, dass mein Kopf vor Aufregung geschwirrt hat. Im Gegenteil: Viele haben mich nachher persönlich angesprochen und gesagt, es sei menschlich und okay gewesen. So etwas zu erleben, ist wirklich toll. Die Stolberger Narren sind die besten, ganz klar.

Was kann denn das Kupferstädter Narrenvolk in der Session von Ihnen erwarten?

Gonzalez: Ich möchte ein Prinz aus dem Volk und für das Volk sein. Wenn es mir gelingt, dass Alle Spaß dabei haben, bin ich überglücklich. Sowohl meine Stolberger, als auch meine Spanische Heimat werden eine Rolle spielen, wobei eindeutig das Rheinische Brauchtum Karneval im Vordergrund steht. Ich bin halt „ne Spanische Stolberger Jong“, was ja so gesehen gut passt, da Lebensfreude und Temperament schließlich in Südspanien ebenso zu Hause sind, wie im Rheinischen Fastelovvend. Das wird auch in meinem Prinzenlied zu hören sein, das auch an meine Wurzeln erinnert und mit viel Rhythmus hoffentlich die Jecken begeistert und aus den Stühlen hebt.

Wenn es ums Singen geht, haben Sie ja einige Erfahrung...

Gonzalez: Ja, im kleinen Kreis habe ich schon öfter zur Gitarre gegriffen und gesungen. Mal alleine, mal mit meinen Geschwistern Antonia und José. Da ging es allerdings um Flamenco und nicht um Karnevalslieder. Der Flamenco ist uns quasi in die Wiege gelegt: Unser Vater Edilio und unser Onkel Jeronimo waren seinerzeit sehr bekannte Musiker in der Region La Linea de la Concepción. Die „Gebrüder Momo“ kannte damals fast jeder, und die Region an der Grenze zu Gibraltar hat ohnehin viele Musiker hervorgebracht, von denen einige bis heute bekannt sind. Paco de Lucía oder Camarón de la Isla stammen aus der Gegend. Dort hat man einfach Musik im Blut.

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