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zur Webansicht Di. 17.10.2017

Alle Jahre wieder: Wenn das Laub Straßen und Kanalisation verdreckt

Von: Vivien Nogaj
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Herbstzeit ist Laubzeit – für das Technische Betriebsamt bedeutet das ein Mehr an Arbeit: Die Straßen müssen häufiger gekehrt werden, und in den Gullys setzen sich die Blätter ab. Anwohnern dicht bewachsener Straßen kann es bei der Reinigung allerdings oft nicht schnell genug gehen.

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Mitarbeiter Christian Dümont des Kanalbetriebshofs säubert mit Hilfe einer Saugmaschine den Gully. Neben Laub findet sich dort oft auch Hundekot, den die Bürger dort beseitigen. Foto: Vivien Nogaj

Vor dem Haus von Lieselotte Kleiker an der Bierweiderstraße liege das Laub fingerdick, sagt sie. Eine städtische Kehrmaschine habe einige Meter weiter zwar den Jordansplatz gesäubert, eine halbe Stunde später sei aber alles wieder voll Laub gewesen. „Die Stadt muss zusehen, dass es hier sauber ist. Dafür zahlen wir doch Steuern“, sagt Kleiker.

Reinigung erfolgt regelmäßig

Die Stadt – besser gesagt das Technische Betriebsamt – kümmert sich laut Amtsleiter Georg Paulus regelmäßig um die Instandhaltung und Reinigung der Straßen und Kanäle, kommt aber nicht immer sofort hinterher: „Zu dieser Jahreszeit fallen viele Blätter von den Bäumen. Wir können nicht überall gleichzeitig sein“, sagt er.

In den vergangenen Tagen sei außerdem keine Kehrmaschine gefahren. Das läge am Wochenende mit dem darauf folgenden Brücken- und Feiertag. Dennoch würden die Kehrbezirke regelmäßig gereinigt – „und zwar öfter, als sie es müssten“, sagt Paulus. „Die Anwohner sind nämlich sehr kritisch.“

Winterdienst sei etwas anderes

Die Entfernung von Laub auf den Straßen habe trotzdem eine andere Priorität als das Streuen des Winterdienstes bei Glatteis: „Laub per se ist keine Stolperfalle. Als Winterdienst müssen wir viel öfter raus“, sagt er.

Zu tun gibt es im Herbst aber trotzdem einiges, auch beim Kanalbetriebshof: 14 Mitarbeiter sorgen derzeit dafür, dass 8000 Straßenabläufe, die sogenannten Senkkästen oder Gullys, regelmäßig gereinigt werden. Dazu kommen Rinnen und Schlammfänger. Auch dort setzt sich gerne das Laub fest – aber nicht nur: „Die Menschen entsorgen sogar Windeln oder Hundekot in den Gullys“, beklagt Karl-Heinz Weißhaupt vom Kanalbetriebshof.

Das sei für die Arbeiter besonders ärgerlich – und die Geruchsbelästigung enorm. Der Reinigungsvorgang an sich sei aber kein großer Aufwand, sagt Mitarbeiter Christian Dümont: „Gullydeckel raus, Saugrüssel rein, Deckel wieder drauf“. Länger als ein paar Sekunden dauert das nicht.

Trotzdem seien auch hier immer wieder Bürger verärgert, weil sie im Verkehr warten oder die Reinigungsmaschine umfahren müssen. Dabei kommt es nur zwei bis drei Mal im Jahr dazu – so oft werden die Gullys, die es in Stolberg etwa alle 50 Meter gibt, gereinigt. Nach der Säuberung kann das Regenwasser dann wieder barrierefrei durch die innenliegenden Schlitzeimer in die Kanalisation zurückfließen.

Diese hat eine Länge von 265 Kilometern, mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern an der engsten Stelle und drei Metern an der weitesten. Das hänge vor allem mit dem Straßennetz zusammen, sagt Weißhaupt: „In den Wohngebieten sind die Kanäle meist schmaler, an den Hauptstraßen werden sie weiter.“

Dort fließt durch, was in den Haushalten an Abwasser verbraucht wird – und, was darüber hinaus in den Toiletten landet: Essensreste, Hygieneartikel und sogar Schmuck oder Gebisse. Alles, was durch die Toilette passt, habe Weißhaupt schon in der Kanalisation gefunden. Dass er und die Mitarbeiter dafür auch mal unter die Erde steigen müssen, sei für Weißhaupt selbstverständlich.

Wofür die Kanalarbeiter jedoch keinen Verständnis haben, sei das Umweltbewusstsein einiger Mitbürger: „Die Menschen verstehen nicht, dass gewisse Dinge nichts in der Toilette verloren haben. Essensreste ziehen zum Beispiel die Ratten an. Und Tampons und Damenbinden zersetzen sich, anders als Toilettenpapier, nur schlecht im Wasser“, so Weißhaupt.

Bürger helfen mit

Daher sind die Mitarbeiter beim Kanalbetriebshof auch auf die Achtsamkeit und die Mithilfe der Bürger angewiesen. Bei der Laubbeseitigung an den Straßen klappt das schon gut: Mehrere Laubkörbe stehen an baumgesäumten Straßen bereit. Diese können von den Anwohnern genutzt werden und mit umliegendem Laub gefüllt werden. Das Technische Betriebsamt entleert diese Eimer dann regelmäßig.

Lieselotte Kleiker schafft diese Arbeit allerdings nicht mehr, sagt sie. Mit 80 Jahren sei die Rentnerin dafür zu alt. Sie muss warten, bis die Kehrmaschinen der Stadt die Straße reinigen. Der nächste Termin dafür ist übernächste Woche – gereinigt wird in jeder ungeraden Kalenderwoche.

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