Aachen - Im Tihange-Störfall kein Atemschutz für Kinder

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zur Webansicht Do. 19.04.2018

Im Tihange-Störfall kein Atemschutz für Kinder

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Es gibt ein weiteres Problem beim Schutz vor einem katastrophalen Störfall im Kernkraftwerk von Tihange: Die Städteregion Aachen ist mit dem Versuch gescheitert, 38.000 Staubschutzmasken der Kategorie FFP3 für Kinder unter zwölf Jahren zu beschaffen. Begründung: Es gibt solche Masken für Kinder nicht.

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Kinder ab zwölf Jahren können Atemschutzmasken benutzen, die in fast allen Baumärkten erhältlich sind. Ein entsprechendes Angebot für Jüngere wird es wohl in absehbarer Zeit nicht geben. Foto: Michael Grobusch

Die Atemschutzmasken sollen im Ernstfall bis zu 99 Prozent aller radioaktiven Partikel aus der Luft filtern. Experten hatten mit Blick auf einen schweren Unfall im Kernkraftwerk von Tihange den Menschen in der Region dazu geraten, sich mit den FFP3-Masken, die in jedem Baumarkt erhältlich sind, auszurüsten. Doch nun hat sich herausgestellt, dass diese Masken für Kinder unter zwölf Jahren ungeeignet sind.

Zwar gibt es im Internet und in Baumärkten Anbieter, die ihre Produkte als geeignet für Kinder bewerben. Die Städteregion sieht das jedoch kritisch. „Es handelt sich um kleine Erwachsenenmasken. Die uns beratenden Fachärzte haben eine Nutzung dieser Masken durch Kinder als äußerst bedenklich und gefährlich eingestuft“, sagt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion. Der Atemwiderstand sei in diesen Masken zu groß und der Luftaustausch aus diesem Grund nur unzureichend.

Es könnten auch nicht einfach Masken auf dem freien Markt bestellt werden, weil es keine Normen für derartige Schutzausrüstung für Kinder gebe. „Es gibt keine Masken, die an Kindern getestet wurden“, so Funken. Aus diesem Grund gebe es auch keine Zertifikate nach denen die Masken hergestellt werden könnten.

Eine solche Zertifizierung anzustoßen, erscheint aus Sicht der Behörde unrealistisch. Zumal die Städteregion derzeit nicht davon ausgeht, dass sie von übergeordneten Institutionen von Land und Bund unterstützt wird. Die Strahlenschutzkommission des Bundes hat das Thema Atemschutz für Kinder nicht aufgegriffen, heißt es aus dem Amt für Katastrophenschutz der Städteregion.

Ursprünglich hatte die Verwaltung der Städteregion geplant, derartige Masken für die Kinder in der Region anzuschaffen. Von diesem Plan tritt sie nun zurück.

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