Düsseldorf/Essen/Dortmund - Bundespräsident fordert bei NRW-Besuch mehr Wertschätzung für Ausbildung

Anzeige
zur Webansicht Mi. 23.05.2018

Bundespräsident fordert bei NRW-Besuch mehr Wertschätzung für Ausbildung

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf/Essen/Dortmund. Zum Abschluss seiner Deutschlandreise zur beruflichen Bildung war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag dort, wo Jugendliche es bei der Lehrstellensuche oft besonders schwer haben: in der Dortmunder Nordstadt. Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchten die Anne-Frank-Gesamtschule, die mit einem ganz besonderen Projekt ihren Schülern den Weg zu einem Ausbildungsplatz erleichtern will.

Image
War am Freitag mit seiner Frau in NRW: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: dpa

Schüler aus der Nordstadt hätten häufig Probleme, ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz zu finden, berichtet Englischlehrer Günter Struk. „Da wird auch schon mal nach der Postleitzahl aussortiert.” Die Anne-Frank-Gesamtschule liegt in einem Stadtteil, der einen großen Ausländeranteil sowie viele Arbeitslose und Hartz-IV-Bezieher aufweist.

Mit dem Ausbildungspakt „Starke Nordstadt” will die Schule solchen Vorurteilen entgegenwirken. Zum Start der 9. Klasse unterschreiben alle Schüler einen Vertrag, mit dem sie eine Reihen von Verpflichtungen eingehen. Keine mangelhaften Leistungen und keine unentschuldigten Fehlstunden gehören dazu, oder die Zusage, Regeln wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit einzuhalten. Die Schüler müssen soziales Engagement in und außerhalb der Schule zeigen und Praktika absolvieren.

Partner in diesem Pakt sind nicht nur Schule und Eltern, sondern auch Betriebe. Sie sagen zu, die Jugendlichen bei der Berufsorientierung zu unterstützen und bei der Vermittlung von Ausbildungsplätzen zu helfen.

„Das ist ein außergewöhnliches Projekt”, lobte Büdenbender die Initiative. Die Schüler würden motiviert, „vorwärts zu gehen und ernst zu nehmen, was sie machen”. Der Bundespräsident sagte: „Wir hätten uns keinen besseren Abschluss auswählen können.” Im Dortmunder Norden, „wo die Verhältnisse nicht ganz so einfach sind, sei das Engagement umso größer. Davor habe ich großen Respekt.” Der Bundespräsident und seine Ehefrau waren fünf Tage lang durch Deutschland gereist.

In Düsseldorf hatte Steinmeier am Vormittag mit Spitzenvertretern von Verbänden und Kammern über Wege diskutiert, mehr Wertschätzung für die berufliche Bildung in Deutschland zu erreichen. „Neben der beruflichen Qualifikation werden neue Tugenden immer wichtiger”, sagte Steinmeier. Dazu gehörten soziale Kompetenz und digitale Affinität. „Das muss sich auch in der Ausbildung widerspiegeln.”

Es sei zudem Zeit, dass viel mehr Lehrlinge und Auszubildende die Chance auf einen Auslandsaufenthalt bekämen. „Denn Europa ist der Arbeits- und Dienstleistungsmarkt der Zukunft.” Der Bundespräsident lobte die mittlerweile größeren Karrieremöglichkeiten nach einer Ausbildung. „Unser Bildungssystem ist heute durchlässiger als in der Vergangenheit.”

In Essen besuchten die beiden das Pilotprojekt „Eine Chance für Geflüchtete”. Dabei werden 22 Flüchtlinge zu Arzthelfern ausgebildet. 19 von ihnen machen zunächst ein einjähriges Praktikum und beginnen dann eine reguläre Ausbildung zum „Medizinischen Fachangestellten”. Die übrigen drei bekamen von Anfang an Ausbildungsverträge. Die 19 Frauen und drei Männer arbeiten in Arztpraxen und Kliniken. Die jungen Menschen kommen aus Syrien, dem Iran und dem Irak.

Beispiel Rohat Mahmoud: Die 19-jährige Syrerin macht gerade ein Praktikum in einer Frauenarztpraxis. Einen Ausbildungsvertrag ab Juli hat sie schon in der Tasche. „Dadurch fällt es mir viel leichter, meinem Traum von einem Medizinstudium näher zu kommen”, sagt sie. Ihr Ausbilder, der Frauenarzt Heiko Löser, ist hochzufrieden mit ihr. Im angespannten Arbeitsmarkt habe man mit Hilfe des Projekts eine motivierte neue Mitarbeiterin gewinnen können, sagte er. Steinmeier zeigte sich nach Gesprächen mit Projektmitarbeitern und Auszubildenden beeindruckt, „wie erfolgreich dieses Projekt tatsächlich funktioniert”.