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zur Webansicht Sa. 18.11.2017

Manipulierte Sicherheitsunterlagen: 21 Fälle bekannt

Von: mgu
Letzte Aktualisierung:

Jülich/Berlin. 21 Menschen konnten ohne rechtmäßige Sicherheitsüberprüfung bundesweit in sensiblen Bereichen von Kernkraftwerken oder Atommülllagern arbeiten. Das geht aus einem Bericht des Bundesministeriums für Umwelt und Reaktorsicherheit hervor, der unserer Zeitung vorliegt.

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In der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) wurden laut Bericht in 21 Fällen die Unterlagen zu Zuverlässigkeitsüberprüfungen von einem 40-Jährigen Mitarbeiter manipuliert. Foto: Volker Uerlings

In der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) wurden demnach in 21 Fällen die Unterlagen zu Zuverlässigkeitsüberprüfungen von einem 40-Jährigen Mitarbeiter manipuliert. Die Zuverlässigkeitsbescheinigungen wurden ohne Überprüfung durch die zuständige Behörde bestätigt.

Wie unsere Zeitung bereits berichtet hatte, geht die JEN nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Das gilt laut Bericht nach wie vor. Das Bundesumweltministerium will nun aber reagieren. Ich hoffe, die 21 Fälschungen sind nicht nur die Spitze des Eisberges.

In der Vergangenheit kam die Wahrheit rund um den Jülicher Versuchsreaktor häufig erst verspätet ans Licht. Jetzt gelte es zu klären, ob die gesetzlichen Vorschriften ausreichen oder ob der Mitarbeiter Schwachstellen ausgenutzt hat, die es zu beseitigen gilt, mahnte der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne). „Der Vorfall schwächt die Position Deutschlands gegenüber Belgien und der Forderung, die Schrottreaktoren dort abzuschalten“, sagte er unserer Zeitung.

Die belgischen Behörden würden jetzt mit dem Finger auf Deutschland zeigen und mahnen, dass man erst einmal „unseren eigenen Atomladen“ in den Griff bekommen sollte, glaubt Krischer. Das Bundesumweltministerium reagiert auf die Mängel. Schon im Oktober sollen eventuell notwendige langfristige Änderungen zur Verbesserung der Manipulationssicherheit im Bereich der atomrechtlichen Zuverlässigkeitsüberprüfung diskutiert und festgelegt werden.

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