Aachen/Düren - Die Grenzen des Rechts: Freisprüche nach Schießerei in Shisha-Bar

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Die Grenzen des Rechts: Freisprüche nach Schießerei in Shisha-Bar

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Düren. Richterin Melanie Theiner verkündete am Aachener Landgericht am frühen Freitagnachmittag gleich vier Freisprüche in einem kuriosen Fall um eine Schießerei in einer Shisha-Bar und unbezahlte Trainingsanzüge. Eine Frau und drei Männer aus Düren konnten danach straffrei wieder nach Hause gehen. Vier Freisprüche auf einen Streich – das ist nicht eben häufig in der Aachener Justizgeschichte.

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In der Shisha-Bar ereignete sich die Schießerei im März 2015. Foto: ja

Die Aussagen der Zeugen und Angeklagten zu den Geschehnissen in der Shisha-Bar am Abend des 4. März 2015 brachten während der sechstägigen Beweisaufnahme  keine ausreichende Klarheit, ob und wie die drei Männer im Alter zwischen 28 und 33 Jahren einen Mann aus Düren angeblich bedroht hatten. So stellte es die Vorsitzende Richterin der 9. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts abschließend fest. Er hatte von der mitangeklagten Katharina V. (26) das Geld für zwei, ihr auf Kommissionsbasis anvertraute, Marken-Sportanzüge geliehen, das die Angeklagten eintreiben wollten.

Die drei Männer sollen laut Anklage den Eigentümer der Trainingsanzüge an jenem Abend in und vor seiner Wohnung mit weiteren unbekannten Mittätern so massiv bedroht haben, dass er am Ende völlig ausrastete und gegen 22 Uhr mit einer geladenen Schusswaffe zur Shisha-Bar – ihr Betreiber saß ebenfalls auf der Anklagebank, dazu der Ex-Freund der Angeklagten sowie ein Bar-Mitarbeiter – gefahren war und dort herumballerte, angeblich nicht um jemanden zu töten, sondern um sich Respekt zu verschaffen.

Das ist zweifelsfrei gesetzlich strengstens verboten, wie dann im vergangenen Jahr die Aachener Schwurgerichtskammer in einem Urteil zu dem Fall schwarz auf weiß feststellte und den Schützen zu knapp zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilte.

Mit dem Messer

Er sitzt seine Strafe derzeit ab und sollte in dem Prozess um die ominösen Trainingsanzüge im Wert von maximal 120 Euro als Belastungszeuge aussagen. Schließlich hatte er in „seinem“ Verfahren angegeben, von dem Freund der Angeklagten massiv durch einen Spalt in seiner Wohnungstüre mit einem Messer bedroht worden zu sein. Da sich seine Frau und sein Kind dort aufhielten, habe er dann zur Waffe gegriffen, hieß es in dem Schwurgerichtsprozess.

Doch das damalige Opfer verweigerte trotz dreimaliger Vorführung und der Androhung von Beugehaft jedwede Zeugenaussage, so dass das Gericht und die Staatsanwaltschaft letztlich feststellen mussten, nicht über ausreichende Beweismittel für eine Verurteilung zu verfügen. Einen Insassen einer Haftanstalt mit Beugehaft zum Sprechen bringen zu wollen, das bringt den Rechtsstaat eben an seine Grenzen.

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